Zullwil
Das 1. Mittelalterfest bei der Ruine Gilgenberg zog das Volk in Scharen an

Ein farbiges, intelligent organisiertes Fest für die Region und Freaks aus aller Welt. Es wurde getanzt, musiziert und Schaukämpfe wurden abgehalten, ganz im mittelalterlichen Stil eben.

Ueli WIld
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Tellentochter vom Bunten Haufen
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Kantonsratspräsident als Seilhalter.
Schaukämpfe: Fun statt Authentizität.
Das 1. Mittelalterfest bei der Ruine Gilgenberg in Zullwil zog das Volk in Scharen an

Tellentochter vom Bunten Haufen

Ueli Wild

Für eine Zugabe will Jonas Schneider, der bei der Mittelalter-Band Koenix die Rauschpfeife spielt, vom Publikum noch ein paar Dezibel mehr hören: «Wir sind von Solothurn her gekommen, sind ein wenig schwerhörig und verstehen euren Dialekt nicht so gut.» – Laut und deutlich die Reaktion aus dem Publikum: «Wir sind auch Solothurner – Schwarzbuben!» Schneider verbessert sich: «Wir sind aus dem Aaretal – wollt ihr noch eins hören?»

Einheimische und Mittelalter-Freaks

Die beiden letzten von vier Sets, die Koenix am Samstag spielten, liessen die Mauern erbeben und auch das Publikum, eine Mischung aus Einheimischen und Mittelalter-Freaks, mochte nicht mehr still sitzen, als der Nachthimmel über der Ruine Gilgenberg dunkel wurde. Einer landete beim wilden Tanz gar rücklings im Feuer ... – Im Studio mögen sies auch differenzierter, aber live spielen Koenix brachial: Die zwei Schlagwerker ersticken manchmal mit ihren treibenden Rhythmen gar die monströsen Sackpfeifen. Eindrücklich allemal, diese Wucht.

Davon fasziniert war auch Kantonsratspräsident Christian Imark, der für einmal ohne offizielle Mission und in kurzen Hosen einen Anlass besuchen konnte. Als spätabends im Innern der Ruine der Bunte Haufen Basel zu seinem Feuerspektakel ansetzte und sicherheitshalber Bänder gespannt wurden, stand Imark goldrichtig.

«Halt mal das Seil!», sagte jemand im Dunklen zu ihm. Und schon hatte er einen Job gefasst. Es war nicht sein einziger: Auch das Festzelt am Weg unterhalb der Burg, wo die Marktstände – etwa mit dem Schwarzbuebe-Bier und dem Single Malt aus Nuglar – standen, hatte er geliefert.

Am Sonntag, als es aus Kübeln goss und man oben auf der Ruine das Dach vermisst hätte, war man froh darum. Schellmery konnten so in der «Schenke» im Trockenen spielen.

Grenzüberschreitend gelungen

Zwischendurch sorgte an beiden Tagen der Bunte Haufen Basel, der am Fuss der Ruine sein Zeltlager aufgestellt hatte, für Farbe. Mit Schaukämpfen und sonstigem Klamauk. Andere Haufen versuchen, ein authentisches Bild, etwa der Zeit um 1200, zu vermitteln. Hier dagegen stand der Fun im Mittelpunkt.

Sicher ist: Schwarzbubenland Tourismus und der Verkehrsverein Zullwil haben sich etwas einfallen lassen, das auch den andern Solothurnern, etwa jenen «aus dem Aaretal», nicht entgehen kann. Ein farbiges, intelligent organisiertes Fest für die Region und Freaks aus aller Welt. Eine Französin aus Tours zum Beispiel hatte gleich ihr Biniou, eine bretonische Sackpfeife, mitgebracht und liess auch die interessierten Leute von Koenix und Pan «daran schnuppern». Wie vergleichsweise elegant ein Biniou klingt!

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