Halten
Darf der Gemeinderat die «Dorfwiese» verkaufen?

Soll es in die Kompetenz des Gemeinderats fallen, das Grundstück GB Nr. 34 zu verkaufen oder im Baurecht abzugeben? Diese Frage erhitzte die Gemüter an der Gemeindeversammlung in Halten. Die Entscheidung dazu wird an der Urne gefällt.

Bea Kaufmann
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So trocken präsentiert sich der Fussballplatz nicht immer, darum werden Drainagen gebaut.

So trocken präsentiert sich der Fussballplatz nicht immer, darum werden Drainagen gebaut.

Hansjörg Sahli

Es war fast 20 Uhr als Gemeinderat Daniel Müller weitere Stühle in den Werkraum brachte, wo sich zahlreiche Einwohner zur Gemeindeversammlung eingefunden hatten. Die spätere Zählung ergab: 79 Stimmberechtigte waren anwesend. Die hohe Zahl kündete an, was in den nächsten Stunden folgen würde: eine lebendige Versammlung mit teils emotionalen Diskussionen.

Den Auftakt machte der Fussballverein HSV. Da das Regenwasser auf dem Hauptfeld des Vereins nicht abläuft, sollen Drainagen verlegt werden, die das Wasser auffangen und ableiten.

Wohin das Wasser abgeleitet werden soll, ist laut Gemeinderat Christoph Moser noch unklar. In der Diskussion blieben weitere Fragen offen: Müssen für die Ableitung neue Schächte gebaut werden? Und funktionieren die Drainagen am Ende überhaupt? Eduard Gerber entgegnete dem allem: «Es kann nicht schlechter werden, als es heute ist.» Das schien zu überzeugen, der Kredit über 70 000 Franken wurde bewilligt.

Und was zahlt der HSV?

Härter umkämpft war die Platzerweiterung, die der HSV beantragt hatte. An die Trainingsfelder grenzen drei Landstriche, die der HSV für das Lauftraining nutzen möchte. Christoph Moser versicherte, dass dort aus Rücksicht auf die Anwohner keine Zäune errichtet würden.

Einwohner Martin Hungerbühler zeigte sich irritiert darüber, dass die Finanzierung ohne Mithilfe des HSV erfolgen soll. Benno Schläfli, Präsident des HSV, entgegnete, dass der Club seinen Teil durch Fronarbeit beitragen würde. Und Gerber führte an, dass Sport Toto einen Beitrag leisten, und die Nachbar-Gemeinden, aus denen die Fussballer teilweise stammen, um Unterstützung gebeten würden. Dem Begehren wurde letztlich knapp stattgegeben.

Photovoltaik abgeschmettert

Weniger Erfolg hatte der Gemeinderat mit den nächsten Traktanden. So wird auf dem Dach der Mehrzweckanlage vorläufig kein Solarstrom erzeugt. Das wahrscheinlich ausschlaggebende Argument kam von Einwohner Christian Stephani, der den Wirkungsgrad ansprach.

Dieser sei bei einer Anlage für Warmwasser weit höher als bei der Photovoltaik. Weitere Bedenken betrafen die tatsächliche Rentabilität der Anlage sowie ihre Entsorgung nach 30 Jahren. Nach dem Nein machten einige Einwohner deutlich, dass sie erneuerbaren Energien grundsätzlich positiv gegenüber stehen. Sie baten den Gemeinderat, weiter über die Nutzung des Daches zu beraten und Alternativen zu prüfen.

Dorfwiese kommt an die Urne

Das Gemeindegesetz schon griffbereit stellte Gerber das nächste Traktandum vor: Der Gemeinderat sollte die Kompetenz erhalten, das Grundstück GB Nr. 34, die «Dorfwiese», zu verkaufen oder im Baurecht abzugeben.

Eine Überbauung des Landes sei «im Rahmen des Gestal-tungsplanes möglich und im Interesse der Gemeinde.» Die SP Halten war anderer Meinung, was sie bereits im Vorfeld mit einem Flugblatt kundgetan hatte. «Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt mit dem Verkauf nicht einverstanden», fasste Bruno Affolter den Standpunkt zusammen. Das Vorhaben solle auf das Leitbild abgestützt und unter Mitwirkung der Bevölkerung geplant werden.

Noch weiter ging Einwohner Peter Fuchs. Die Gemeindeversammlung dürfe laut Kantonsgesetz gar nicht über Eigentumsübertragungen in Millionenhöhe, im vorliegenden Geschäft gehe es um ein bis zwei Millionen Franken, abstimmen.

Gerber wies dies vehement zurück, worauf ein Hin und Her zwischen Fuchs, Gerber und Finanzchef Beat Gattlen folgte, die sich gegenseitig Paragrafen aus Gemeinde- und Kantonsgesetz an den Kopf warfen. Letztlich einigten sich die Anwesenden auf den Antrag von Einwohner Konrad Flury: Der Antrag des Gemeinderats kommt an die Urne, so dass die ganze Dorfbevölkerung darüber abstimmen kann.

«Eine sensationelle Rechnung»

Es schien fast so, als wären den Anwesenden am Ende die Worte ausgegangen. Vielleicht aber waren sie einfach so glücklich über die vorliegende Rechnung 2013, wie Beat Gattlen, der sie stolz präsentierte.

In der Rechnung ist ein Ertragsüberschuss von über 344 000 Franken ausgewiesen. 100 000 Franken seien bereits in die Vorfinanzierung für den Ausbau der Hauptstrasse geflossen, weitere 200 040 Franken in Abschreibungen.

Damit bleibt immer noch ein Mehrertrag von rund 44 000 Franken. Die gesamten Nettoinvestitionen belaufen sich auf rund 66 000 Franken. An dieser «sensationellen» Rechnung hatte keiner der Stimmberechtigten etwas auszusetzen, womit sie einstimmig genehmigt wurde.