Dorfwiese
Dank einer Wiese soll Halten gedeihen

Über die Zukunft der sogenannten Dorfwiese entscheidet die Haltener Bevölkerung an der Urne. Laut Gemeinderat könnte für Halten ein finanzieller Verlust entstehen, wenn das Bauland aus- oder umgezont wird.

Urs Byland
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Das ehemalige Restaurant Rose (rechts) wird bereits umgebaut. Um die Zukunft der Dorfwiese daneben wird noch diskutiert.

Das ehemalige Restaurant Rose (rechts) wird bereits umgebaut. Um die Zukunft der Dorfwiese daneben wird noch diskutiert.

Hanspeter Bärtschi

Soll die Dorfwiese in Halten überbaut werden oder nicht? Die Meinungen im Dorf gehen vor der Abstimmung am Sonntag, 28. September, auseinander. Dies zeigte sich bereits an der Gemeindeversammlung im Juni, als der Gemeinderat zum Verkauf oder zur Abgabe im Baurecht der Wiese ermächtigt werden wollte. Die unbebauten 2800 Quadratmeter Bauland westlich des früheren Restaurant Rose haben es einigen Haltenern angetan.

An besagter Gemeindeversammlung stand Bruno Affolter, damals SP-Parteipräsident, auf und forderte im Namen seiner Partei Nichteintreten. Das ganze Vorhaben solle auf das Leitbild abgestützt werden, welches unter Mitwirkung der Bevölkerung noch erstellt werden muss. Heute sagt Affolter, der inzwischen in Solothurn wohnt: «Die SP war eigentlich der Meinung, es sei nicht nötig, das Tafelsilber der Gemeinde zu verscherbeln.»

Daniela Gilgen, aktuell SP-Parteipräsidentin und Gemeinderätin, präzisiert, dass die SP nicht prinzipiell gegen den Verkauf der Wiese sei. «Der Zeitpunkt ist nicht der richtige. Die Gemeinde steht finanziell gut da, es besteht kein Zwang zu verkaufen», sagt sie. Zudem stehe eine Ortsplanungsrevision an. «Im Rahmen der Revision kann die Bevölkerung evaluieren, was sie auf der Wiese realisieren will.» An der Gemeindeversammlung im Juni wurde nach eingehender Diskussion dem späteren Antrag auf eine Urnenabstimmung mit klarer Mehrheit zugestimmt.

«Kein Konzept»

Nicht viel anfangen kann Gemeindepräsident Eduard Gerber mit den Kritikern des Verkaufs der Wiese. «Sie wollen einfach zuwarten und haben kein Konzept.» Das Land sei seinerzeit gekauft worden, um eine Gesamtüberbauung zu realisieren, inklusive des Areals mit dem ehemaligen Restaurant Rose. Nachdem sich die Situation mit der «Rose» geklärt hat – das ehemalige Restaurant wird zu Wohn- und Gewerberaum umgebaut – soll der bestehende 2012-Gestaltungsplan realisiert und das Land an Wohnbau-Interessenten abgegeben werden. «Nutzbringend und zum Gedeihen der Gemeinden verkaufen», wie es Gerber beschreibt.

Der vor zwei Jahren verabschiedete Gestaltungsplan sei der beste Beleg dafür, dass die Bevölkerung eine Bebauung der Dorfwiese wolle. «Wer dem Dorf eine Zukunft geben will, der wird ein Ja zum Verkauf einlegen», ist er überzeugt.

Eduard Gerber macht in diesem Zusammenhang aufmerksam auf die Bevölkerungsentwicklung im Dorf. Die Zunahme um gerade zirka 20 Personen im letzten Jahrzehnt, trotz reger Bautätigkeit, zeige deutlich, dass der Mensch heute mehr Platz zum Leben brauche als früher. Sein Halten soll etwas Entwicklung erhalten, um zumindest die Bevölkerungszahl auf dem aktuellen Stand halten zu können. Es gebe keine Mietwohnungen für junge Familien. «Wir sollten nicht zum Alterszentrum der Region werden.»

Finanzielle Konsequenzen

Es gehe nicht darum, das Tafelsilber der Gemeinde zu verscherbeln, erklärt der Gemeindepräsident. Im Begleitschreiben an die Bevölkerung zur Urnenabstimmung weisen er und der Gemeinderat aber auch auf mögliche finanzielle Konsequenzen hin. Es bestehe das Risiko einer Aus- oder Umzonung des Baulandes bei einer der nächsten Ortsplanungsrevisionen, wodurch die Gemeinde einen finanziellen Verlust erleiden kann. Hauptgrund für den Verkauf der für insgesamt rund 320 000 Franken erworbenen Wiese ist, laut Gemeinderat, Wohnraum für Zuzüger zu schaffen.

Dennoch fehlt nicht der Hinweis auf den früheren Verkauf von Flurgenossenschaftsland, welcher rund eine Million Franken Einnahmen brachte und der Gemeinde eine Steuerreduktion in zwei Schritten um 10 Steuerpunkte. Auch die Dorfwiese soll 1 Million Franken einbringen. «Eine Steuersenkung ist momentan schwierig abzuschätzen», winkt Eduard Gerber ab. Der neue Finanzausgleich könne da einen Strich durch eine Rechnung machen, gibt er sich zurückhaltend.