Gerlafingen
Damit die Schülerinnen und Schüler den richtigen Zeitpunkt nicht verschlafen

Die Achtklässler der Oberstufe Gerlafingen-Obergerlafingen-Recherswil bereiten sich auf die Berufswahl vor. Mit einer Kick-off-Veranstaltung wurde die Wirtschaftswoche «zur Berufsfindung und Lehrstellensuche» eingeläutet.

Simon Binz
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Markus Glauser vom Industrieverband Solothurn und Umgebung stellte anhand der Komponenten eines Handys verschiedene Industrieberufe vor, die man auch in der Region erlernen könnte.

Markus Glauser vom Industrieverband Solothurn und Umgebung stellte anhand der Komponenten eines Handys verschiedene Industrieberufe vor, die man auch in der Region erlernen könnte.

Simon Binz

Der 14-jährige Syart Spain aus Biberist weiss bereits, dass er Polymechaniker werden will. Die 13-jährige Celina Schwaller aus Recherswil hingegen interessiert sich mehr für den Beruf der Pflegefachfrau. Syart und Celina gehören zu einer Minderheit – viele Jugendliche in ihrem Alter, haben sich noch kaum mit ihrer Zukunft auseinandergesetzt.

Für sie beginnt dieser Prozess ab der achten Klasse. Schnell heisst es dann aber einmal: Jetzt brauchst Du eine Lehrstelle! Um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verschlafen, braucht es darum vor allem eines: eine gute Vorbereitung.

Neue Kick-off-Veranstaltung

Mit der Wirtschaftswoche «zur Berufsfindung und Lehrstellensuche», wollen die Lehrer der Kreisoberstufe Gerlafingen-Obergerlafingen-Recherswil (KOG) genau dort ansetzen. «Wir wollen den Schülern Zeit geben herauszufinden, was für Möglichkeiten sie haben und was von ihnen verlangt wird», erklärt Martin Müller, Oberstufen-/Gesamtschulleiter der KOG. Die Wirtschaftswoche wird schon seit Jahren durchgeführt und gehört für die Achtklässler jeweils Anfang Herbst zum Jahresprogramm.

Neu ist aber, dass die Woche mit einer Kick-off-Veranstaltung beginnt. Referenten aus der Wirtschaft und dem Personalwesen – also die Personen, die Jahr für Jahr Lehrlinge auswählen und sozusagen auf der «anderen» Seite stehen – geben den Schülern Tipps mit auf den Weg. Organisiert wurde dieser Tag von Vertretern der Politik. Hardy Jäggi, Gemeindepräsident von Recherswil: «Es geht darum, dass die Schüler Praxistipps von Leuten aus der Praxis erhalten.»

Der Anlass fand am Montag im Saal des Gerlafinger Gemeindebaus statt. Peter Jordi, Präsident der Gastgebergemeinde, eröffnete den Tag mit dem Hinweis darauf, dass es schön sei, für einmal mehr als nur 20 Personen im Saal begrüssen zu dürfen. Er fügte hinzu, dass der Tag ein Erfolg werde, sobald er ein wenig zur Vorbereitung der Berufswahl mithelfen könne.

Worauf schauen Lehrbetriebe?

Nacheinander folgten die Vorträge der Referenten. Zentrales Thema: Worauf schauen Lehrbetriebe? Andreas Gasche, Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbands erklärte, dass bei ihnen als Erstes das Fleiss- und Pflichtbewusstsein zähle. Diese Aussage deckte sich mit denen von anderen Referenten, dass die Zeugnisse und Noten bei der Lehrlingsauswahl nicht mehr unbedingt erstrangig seien. Renato Delfini vom Amt für Berufsbildung forderte die Jugendlichen dazu auf, vom Angebot des Beratungs- und Informationszentrums zu profitieren. «Vergesst nicht, ihr seid nicht allein», so sein Appell. Markus Glauser vom Industrieverband Solothurn und Umgebung sprach über den Personalabbau bei Scintilla. Glauser arbeitet selbst bei der Bosch-Tochter. Es sei Tatsache, dass praktisch jeder zweite Mitarbeiter am Standort Solothurn den Job verliere, so Glauser. «Jeder mit einer Berufsausbildung wird aber über kurz oder lang eine Anschlusslösung finden, das möchte ich Euch mitgeben.»

Vorbereitung ist sehr wichtig

Am späteren Morgen sprachen die Experten in Gruppen mit den Jugendlichen über die Berufswahl und die Bewerbung sowie den persönlichen Kontakt. Während dieser Workshops zeigte sich dann, dass sich die meisten Schüler noch eher wenig mit dem Thema der Berufswahl auseinandergesetzt haben. Einige waren zwar schon schnuppern und andere wissen bereits was sie lernen wollen, der Grossteil verhielt sich aber gegenüber den Referenten sehr zurückhaltend.

Glücklicherweise löste sich diese Zurückhaltung dann aber auf und so entstand ein interessanter Dialog darum, wie man sich richtig bewirbt und worauf man bei einem Bewerbungsgespräch achten muss. Dabei sei vor allem wieder die gute Vorbereitung wichtig, so Kurt Zuppinger, Personalmanager bei der SBB.

Der 14-jährige Syart Spain zog nach den Workshops ein Fazit: «Der direkte Kontakt mit den Fachleuten hat mir sehr geholfen, es nimmt mir auch etwas die Angst vor dem Unbekannten.» Der zweite Teil des Kick-off-Tags begann und endete übrigens mit Besuchen in verschiedenen Betrieben in der Region. Laut Hardy Jäggi hatten rund 20 interessierte Firmen mitgemacht.

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