Dornach
Christian Imark will Industrie statt Wohnungen auf dem Swissmetal-Areal

Die Industrie in Dornach soll wie bis anhin brummen, fordert SVP-Kantonsrat Christian Imark. Die Gemeinde ist irritiert. Sie hatte vor, auf dem ehemaligen Swissmetal-Areal Wohnungen zu schaffen.

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen
Blick auf die Dornacher Industrie: Geht es nach Kantonsrat Christian Imark, so wird dieses Bild nicht der Vergangenheit angehören.

Blick auf die Dornacher Industrie: Geht es nach Kantonsrat Christian Imark, so wird dieses Bild nicht der Vergangenheit angehören.

Martin Töngi

Auf dem Gelände der ehemaligen Swissmetal in Dornach will die Gemeinde Wohnraum für bis zu 1000 Bewohner schaffen. Diese Pläne stossen dem Solothurner SVP-Kantonsrat Christian Imark sauer auf. Statt Wohnungen bauen will er Dornach als Industriestandort erhalten – und ruft für sein Vorhaben die Regierung auf den Plan: In einer Interpellation, die der Politiker aus Fehren am Dienstag im Kantonsrat eingereicht hat, will er von ihr wissen, ob und in welchem Masse sie in die Planungen involviert ist. Es gehe um ein «Industrieareal von überregionaler Bedeutung», schreibt Imark, sein «vollständiger Erhalt» soll die «zukünftige Ansiedlung von Grossunternehmen» sichern.

Gemeinde: «Status Quo kurzsichtig»

Vor den Kopf gestossen fühlt man sich in der Standortgemeinde. «Ich habe gestaunt, also ich von diesem Vorstoss erfahren habe», sagt Dornachs Gemeindepräsident Christian Schlatter (Freie Wähler). Er bezeichnet Imarks Forderungen als «destruktiv» und «nostalgische Heimatschutz-Veranstaltung», die den Strukturwandel nicht aufhalten könne: «Es ist ärgerlich, wenn schon in der ersten Phase des Planungsprozesses, der zudem breit abgestützt ist, versucht wird, uns Steine in den Weg zu legen.»

Die erste Planungsphase begann im Dezember: Damals beauftragte der Gemeinderat ein Büro damit, ein räumliches Leitbild für das Areal auszuarbeiten, das etwa 18 Fussballfelder misst. Dazu hat er eine 13-köpfige Begleitgruppe bestimmt. Es gehe um einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren, betont Schlatter, «aus diesem Grund wäre es zu einfach und kurzsichtig, jetzt einfach den Status Quo einzufrieren.» Ausserdem seien in der Begleitgruppe die Interessen der Wirtschaft «namhaft vertreten».

Neue Arbeitsplätze

In der Tat muss die Gemeinde beim Swissmetal-Areal einen langen Atem beweisen: Erst in sechs Jahren läuft der Vertrag der Mieterin, die chinesische Beteiligungsgesellschaft Baoshida, aus. Diese hatte den Betrieb der liquidierten Swissmetal im Dezember 2012 übernommen. Zur Zeit sind in den Betrieben noch etwa 120 Personen tätig.

Schlatter bezeichnet es als durchaus mögliches Szenario, dass nach Ablauf des Mietvertrags die Geschichte des Industriestandorts Dornach – in seiner heutigen Form – zu Ende geht. Anders lautet die Prognose von Imark, wie er in der «Basler Zeitung» vom Mittwoch verlauten liess: Bis zu 500 Arbeitsplätze könnten im Werk Dornach entstehen. Er habe mit der Geschäftsführung von Baoshida Kontakt gehabt, bestätigt Imark gegenüber dieser Zeitung. Dieser habe ihm zugesichert, dass das Unternehmen auch nach der sechsjährigen Übergangsfrist gedenke, am Standort tätig zu sein. Selbst, wenn die Chinesen in sechs Jahren ihre Zelte abbrechen würden, sei das letzte Kapital nicht zwingend geschrieben: «Das Areal ist in der Nähe zu Basel gelegen und ideal erschlossen: Es ist bereit für einen grossen Player», schwärmt der Verkaufsingenieur.

Angst vor Verdrängung

Von den zwölf anderen Vertretern des Schwarzbubenlands im Solothurner Kantonsparlament haben sechs die Interpellation unterschrieben. Eine davon ist Evelyn Borer (SP). Der gebürtigen Dornacherin geht es nicht primär um die Industrie – sie befürchtet aber, dass das Gewerbe nicht gefördert, sondern verdrängt werden könnte: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auf dem letzten Industrieareal der Gemeinde auch noch Platz für Wohnblöcke hat.»

Auch Borers Einwände kann Schlatter nicht teilen: «Es geht wie gesagt um einen sehr langen Zeitraum, für den wir heute die Festlegung der zukunftsträchtigsten Nutzung diskutieren.» Eine bestimmte Nutzung schon jetzt kategorisch auszuschliessen, sei «alles andere als vernünftig».

Aktuelle Nachrichten