Dass den Bürgergemeinden das Armenwesen und die Vormundschaft obliegen, gehört der Vergangenheit an. Die kantonale Politik empfiehlt die Fusion von Bürger- und Einwohnergemeinden zu Einheitsgemeinden. Das Schwerpunktthema Fusion liegt laut André Hess, Präsident des Regionalverbandes der Bürgergemeinden und Waldeigentümer Solothurn-Lebern-Wasseramt auf der Hand. Dieser hatte am Donnerstag zu einem Podiumsgespräch im Bürgerkeller Solothurn geladen.

«Ist eine Bürgergemeinde noch zeitgemäss? Könnte eine Einwohnergemeinde diese Aufgaben nicht genau so gut erfüllen?», wollte Christof Ramser, Moderator und Redaktor der Solothurner Zeitung, wissen. Eindeutig sprachen sich die fünf Teilnehmer für den Erhalt der Institution Bürgergemeinden aus.

Konrad Imbach, Präsident des kantonalen Bürgergemeinden- und Waldeigentümerverbandes BWSO zeigte sich überzeugt, dass eine Bürgergemeinde mit ihrem Wissen, ihrer Fachkompetenz und emotionalem Hintergrund die Waldbewirtschaftung und Einbürgerung günstiger ausführe als eine Einwohnergemeinde. «Mit der zunehmenden Globalisierung gewinnt der Bezug zur Heimat und zum Bürgerort wieder an Bedeutung», nannte er einen weiteren Aspekt. Die Bürgergemeinde vermittle Identität und Traditionen.

Weniger Bürokratie

Gemäss Fritz Zimmermann, Vizepräsident des Bürgerrates Solothurn, passiert bei den Bürgergemeinden alles schneller, mit kürzeren Wegen. «Unsere Zukunft ist die intakte Umwelt», sagte er. Die Bürgergemeinde könne nachhaltige erneuerbare Energie anbieten. Heimatgefühle spielten ebenfalls eine grosse Rolle. «Wird eine Bürgergemeinde aufgehoben, ist das mit dem Verschwinden der Metzgerei oder Bäckerei im Dorf gleichzustellen», sagte er. Erhalten bedeute nicht abkapseln, sondern im Gegenteil, offen sein für vermehrte Zusammenarbeit in gewissen Bereichen.

Konrad Imbach betonte, dass eine Einheitsgemeinde, wie vom Kanton bevorzugt, die letzte Lösung sei. Gerade bei Grossfusionen fielen lokale Werte und Identität weg. Bei Fusionen kleinerer Einwohnergemeinden sollten jedoch auch die Bürgergemeinden fusionieren, damit ein geografisch identisches Gemeinwesen entstehe. Als positives Beispiel erwähnte er dabei Aeschi-Steinhof. Ein negatives, weil unübersichtliches Beispiel sei dagegen Messen. Dort wird, wer sich im Ortsteil Messen einbürgern lässt, Bürger von Alt-Messen. Ein Einwohner des Ortsteils Oberramsern wird durch den gleichen Akt jedoch Bürger von Messen. Es gebe aber keine allgemeingültigen Regeln, der Einzelfall müsse beurteilt werden.

Mit der Zukunft befassen

Kantonsrat Georg Nussbaumer, Revierförster von Trimbach/Hauenstein-Ifenthal/Lostorf, hatte sich für die mittlerweile gescheiterte Fusion Olten eingesetzt. Die Bürgergemeinden wären dabei eigenständig geblieben. Oft höre er geringschätzige Äusserungen über die Waldarbeit. Aber 80 Prozent des Waldes im Kanton gehören den Bürgergemeinden. Gefahr bestünde bei einer Einheitsgemeinde, dass bei finanzieller Not Substanz der ehemaligen Bürgergemeinde verkauft würde.

Toni Zimmermann vom Initiativkomitee für die Reaktivierung der Bürgergemeinde Mühledorf aufgrund der Fusion im unteren Bucheggberg klärte auf, dass die Ungleichbehandlung gegenüber Gemeinden mit separater Bürgergemeinde nicht tolerierbar sei. Die Werte – etwa 89 Hektaren Wald – würden ohne Initiative an die fusionierte Gemeinde übergehen, Mühledorf würde auch die Bürgerrechte verlieren. Eine eventuelle Fusion mit andern Bürgergemeinden sei denkbar, brauche aber Zeit. Der Bucheggberg arbeite bereits im gut organisierten Forstbetrieb zusammen.

Die Podiumsteilnehmer hoben die Aufgaben, abgesehen von Waldwirtschaft und Einbürgerungen, hervor: Wasserversorgung, Kiesgruben, Unterhalt von Wald- und Wiesenwegen, Waldputzete, Pflanztage, monatliche Treffpunkte im Waldhaus, Weihnachtsbaumaktionen. Die Bürgergemeinde leisteten aber auch Beiträge an Jugendliche, Seniorenanlässe, Altersheime, für kulturelle Belange und unterstützten teilweise Einwohnergemeinden bei Investitionen.

Der BWSO sei vorbereitet auf Fusionen, bestärkte Konrad Imbach. Der Verband wolle motivieren, dass sich die Bürger mit ihrer Zukunft auseinandersetzen. Dafür habe man in einer Arbeitsgruppe entsprechende Unterlagen zur Hilfestellung erarbeitet.