Kriegstetten

Brand der «Kreuz»-Scheune macht den Weg frei für ein Grossprojekt

«Kriegstetten erlebt einen absoluten Boom». Gemeindepräsident Peter Siegenthaler frohlockt, wenn er auf die Bauprojekte im Wasserämter Hauptort schaut: Am Ortsrand ist kein Platz mehr – jetzt wird im Wasserämter Dorf das Zentrum überbaut.

Bis zu 60 neue Wohnungen sollen in den nächsten Jahren entstehen. Das habe die Gemeinde, der das Bauland ausgegangen ist und wo kaum mehr eingezont werden kann, bitter nötig. So hat man aus der Not eine Tugend gemacht und die Kernzone ins Visier genommen. «Seit Monaten suchen wir altersgerechte Wohnungen», so Siegenthaler. Und wenn Senioren aus Einfamilienhäusern ausziehen, gibt es Platz für Familien – und damit neue Steuerzahler, die mithelfen, die Gemeindekasse aufzubessern.

Eine Überbauung im Dorfzentrum soll die Nachfrage abdecken. In drei mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern entstehen 20 Miet- und Eigentumswohnungen der oberen Preisklasse. Laut Architekt Michael Lüthi aus Kriegstetten, der das Konzept erarbeitet hat, ist die Nachfrage nach den Logis «unglaublich gross». Ein Wasch- und Reinigungsservice soll die Attraktivität der Seniorenwohnungen zusätzlich steigern. Die Überbauung werde von lokalen Investoren finanziert, die nicht genannt sein wollten.

Gesundheitszentrum in der Scheune

Auslöser für das Bauprojekt war der Brand der «Kreuz»-Scheune im Januar 2011. Ein Ersatzbau soll gestalterische Elemente des 220-jährigen Baus aufnehmen: Ein Scheunentor aus Glas und ein angedeuteter Nutztierteil sollen dafür sorgen, dass sich der Neubau ins Dorfbild einfügt. Die Infrastruktur werde mit Arztpraxen ganz auf den Gesundheitsbereich ausgerichtet. Mit der Spitex steht man in Verhandlung. Die Erträge aus der Überbauung sollen laut Michael Lüthi die Erweiterung des Gasthofs Kreuz quer finanzieren (siehe Text unten). Involviert ist übrigens auch der ehemalige Gemeindepräsident Urs Lüthi. Er ist der Vater des ausführenden Architekten sowie Besitzer des Baulandes.

Eine zentrale Holzheizung liefert die Wärme für die gesamte Überbauung. Der Speicher von Urs Lüthi, der den Neubauten weichen muss, wird andernorts wieder aufgebaut. Die Parkplätze werden teilweise in eine Einstellhalle verlegt. Die Wasserbar hingegen bleibt bestehen. Michael Lüthi möchte bald mit dem Bau beginnen. «Wenn der Kanton das Projekt bewilligt, können wir noch dieses Jahr starten.»

Cent-Gruppe expandiert

Als Erweiterung der Zentrumsüberbauung sind etwas nördlich, vis-à-vis der katholischen Kirche, zwei weitere Blöcke mit 20 etwas kleineren Wohnungen geplant. Dort hat die Gemeinde kürzlich für 1,3 Millionen Franken Bauland gekauft. Das Bauernhaus auf dem Areal wird abgerissen. Hauptnutzer dürfte im dortigen Neubau die Cent-Gruppe werden, die derzeit im Bankgebäude eingemietet ist und expandieren will. «Wir würden gerne in Kriegstetten bleiben. Dafür brauchen wir aber mehr Raum», sagt Gemeindepräsident Siegenthaler, der auch Verwaltungsratspräsident der Cent Holding ist. Die Firma generiert in Kriegstetten einen gewichtigen Teil der Unternehmenssteuern. Im Gemeinderat tritt Siegenthaler bei diesem Geschäft in den Ausstand.

Klar ist: Die Überbauungen werden das Ortsbild markant verändern. «Natürlich wäre auch ein Park zum Flanieren schön gewesen», sagt Siegenthaler. Mit Blick auf die künftige Entwicklung der Gemeinde spreche aber mehr für eine Zentrumsüberbauung.

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