Als der Polizist, der Jeton F.* zur Verhandlung ins Amtsgericht Solothurn-Lebern begleitete, seinen Schlüsselbund in die Hand nahm, wurde er unterbrochen: «Legen Sie ihm bitte die Handschellen wieder an», forderte Amtsgerichtspräsident Daniel Wormser. Obwohl das Gericht keine Begründung dafür lieferte, liegt die Vermutung nahe, dass einer möglichen Flucht des 38-jährigen Angeklagten aus Serbien-Montenegro vorgebeugt werden sollte. Mittäter Vigan G.* ist nämlich untergetaucht und hat sich vermutlich nach Serbien abgesetzt.

Die beiden hatten in der Nacht auf den 9. Februar 2009 in Bellach das Bowling- und Billard-Freizeitcenter bei Geschäftsschluss überfallen und dabei eine Tasche mit den Tageseinnahmen und weiteren Wertgegenständen im Gesamtwert von über 7000 Franken gestohlen. Die beiden Frauen, die die Tasche mit sich führten, wurden dabei mit Gewalt bedroht und verletzt. Die beiden begleitenden Männer griffen in den Raufhandel ein. Sie konnten den Diebstahl zwar nicht verhindern, aber die Maske, die Jeton F. vom Kopf gerissen wurde, führte mittels DNA-Test zu dessen Überführung.

Kaltes Metall am Hals gespürt

Die Opfer gaben in den ersten Befragungen an, dass die beiden Täter waffenähnliche Gegenstände bei sich trugen. Bei späteren Vernehmungen sprach dann zumindest ein Zeuge von tatsächlichen Pistolen, die er gesehen habe. Staatsanwalt Marc Finger geht deshalb von einem geplanten, bewaffneten Raub aus, den beide Täter gemeinsam begingen. «Weil beide Täter gleichberechtigt waren, ist jeder auch für die Taten des anderen mitverantwortlich. Es ist also nicht nötig, dass jede Handlung exakt einem der Angeklagten zugeordnet werden kann», führte Finger aus.

Zumindest Vigan G. hätte beim Überfall mehrmals gedroht, «ich schiesse, ich schiesse». Eines der Opfer hatte, wiederum bei einer zweiten, späteren Vernehmung ausgesagt, Jeton F. habe eine Pistole auf ihn gerichtet, er habe das kalte Metall am Hals gespürt. Nach den Darstellungen des Staatsanwalts war also Jeton F. beim Raubüberfall nicht nur mit dabei, sondern als gleichberechtigter Täter mittendrin. Dreieinhalb Jahre Freiheitsentzug forderte Finger deshalb, wobei darin eine frühere, bedingte Freiheitsstrafe bereits mit eingerechnet wurde. Weiter solle eine Busse von 60 Tagessätzen verhängt werden.

Als Anwalt der beiden weiblichen Opfer forderte Cuno Jaeggi zudem eine Genugtuung von je 2500 Franken für die Gewalt, die seinen Klientinnen angetan wurde. Der Angeklagte bestritt, sowohl eine Waffe bei sich getragen als auch die Opfer mit dem Tod bedroht zu haben. «Geplant war, beim Bowlingcenter ein Auto aufzubrechen, in dem Geld vermutet wurde, als die Situation eskalierte», erklärte Pflichtverteidiger Alexander Kunz. In der Hand hätten die beiden Täter Brecheisen und Schraubenschlüssel gehalten. Haupttäter sei Vigan G. gewesen, sein Mandant Jeton F. sei eher etwas abseits zum «Schmierestehen» eingesetzt gewesen. Nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» sei Jeton F. nur wegen Diebstahls zu verurteilen, nicht wegen qualifizierten Raubes. Beim Strafmass lag die Verteidigung mit drei Jahren Freiheitsentzug recht nahe an der Anklage.

Ein Gewohnheitskrimineller

«Ich möchte arbeiten und ein ganz normales Leben führen», antwortete F. auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen. «Sind Sie sich bewusst, dass Sie aus der Schweiz ausgewiesen werden könnten?», hakte Amtsgerichtspräsident nach. «Ja, das ist mir sehr bewusst», antwortete dieser, und man spürte, dass er einen Landesverweis mehr fürchtet als das Gefängnis. Seit 2005 hat er bereits mehrmals damit Bekanntschaft gemacht.

Allerdings trat er seine Freiheitsstrafen jeweils nicht fristgerecht an, er musste jeweils zur Verhaftung ausgeschrieben werden. Deshalb ist er jetzt auch bereits seit dem 16. August 2009 in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg zum vorzeitigen Strafvollzug interniert. Ein Katalog von insgesamt 14 Straftaten wird Jeton F. diesmal vorgeworfen, nur die Bewaffnung beim Raub in Bellach bestritt er. «Er kommt in die Nähe eines Gewohnheitsverbrechers», beschrieb der Staatsanwalt den Angeklagten. «Die Strafempfindlichkeit ist ausgesprochen bescheiden, er ist uneinsichtig und unbelehrbar. Gestanden hat Jeton F. immer gerade so viel, wie ihm die Ermittler hieb- und stichfest beweisen konnten.»

Das Gericht fällt sein Urteil in den nächsten Tagen.

*Name von der Redaktion geändert.