Dornach

Borer: «Das deutliche Resultat hat mich getroffen»

Evely Borer muss die Wahlniederlage zuerst verdauen (Archiv)

Evely Borer muss die Wahlniederlage zuerst verdauen (Archiv)

Evelyn Borer (SP) ist enttäuscht über ihre Nichtwahl als Gemeindepräsidentin. Bereits im Dezember hatte sie ihren Rücktritt als Kantonalpräsidentin bekannt gegeben. Ihre politische und berufliche Zukunft ist noch unklar.

Seit rund 30 Jahren bereits politisiert SP-Kantonalparteipräsidentin Evelyn Borer in der Gemeinde Dornach. Sie war unter anderem sechs Jahre Schulpräsidentin, acht Jahre Stiftungsrätin des Klosters Dornach und während zwölf Jahren Gemeinderätin. Gerne hätte sie jetzt als Nachfolgerin des zurücktretenden Kurt Henzi (FDP) das vollamtliche Gemeindepräsidium übernommen. Das Rennen machte in der Ersatzwahl am vergangenen Sonntag aber nicht die langjährige Politikerin, sondern vielmehr der politische Newcomer Christian Schlatter, der für die Freien Wähler Dornach (FWD) politisiert. Ihr Herausforderer erreichte mit 1149 Stimmen bereits im ersten Wahlgang das absolute Mehr, Evelyn Borer musste sich mit einem Rückstand von 285 Stimmen klar geschlagen geben.

Sammelbecken von Unzufriedenen

«Ich bin enttäuscht», gibt Evelyn Borer unumwunden zu. Und: «Vor allem die Deutlichkeit des Resultats hat mich getroffen.» Die Wahlchancen der 51-Jährigen, die seit 2005 im Kantonsrat sitzt und seit 2008 auch das Präsidium der Kantonalpartei innehat, waren durchaus intakt. Das, zumal sie auch von der FDP Dornach unterstützt worden ist, die seit vielen Jahren den Gemeindepräsidenten stellt. Zudem weibelte ein überparteiliches Komitee von rund 40 Frauen für die 51-jährige SP-Politikerin.

«Ich bin bei meiner politischen Tätigkeit in der Gemeinde sicher einigen auf die Füsse getreten», versucht Borer ihre Niederlage zu erklären. Vor allem aber sei es den Freien Wählern Dornach (FWD) gelungen, die Wählerschaft zu mobilisieren. Diese positionieren sich als Alternative zu den traditionellen Parteien bzw. zur «classe politique» und werden so zu einem Auffangbecken von Unzufriedenen. Unter Beschuss der Freien Wähler steht unter anderem der jetzige Gemeindepräsident Kurt Henzi sowie die FDP. Die Freien Wähler haben sich in Dornach seit einigen Jahren etabliert. Bei den Gemeinderatswahlen 2005 und 2009 erhielten sie jeweils am meisten Wählerstimmen und drei von neun Sitzen. Gemeinderat der Freien Wähler ist auch der Jurist Daniel Urech, der für die Grünen im Solothurner Kantonsrat sitzt. Mit Ursula Kradolfer stellen die Freien Wähler in Dornach bereits die Gemeindevizepräsidentin – und neu mit Christian Schlatter jetzt auch den Gemeindepräsidenten.

Der 38-Jährige ist Umwelt-Naturwissenschafter ETH und Geschäftsinhaber des GIS Bureau Schweiz, das auf Dienstleistungen im Bereich von Geografischen Informationssystemen (GIS) spezialisiert ist. Dazu ist er Generalsekretär des Europäischen Netzwerks der Chefs der Naturschutzagenturen (ENCA). Dem Dornacher Gemeinderat gehörte Schlatter bisher nicht an. Seit 2005 ist er Mitglied der Umweltkommission, seit 2009 deren Vizepräsident.

Abkehr von der Politik?

Welche Pläne Evelyn Borer für ihre politische sowie berufliche Zukunft verfolgt, steht derzeit noch nicht fest. «Ich brauche noch etwas Zeit, bis sich meine Emotionen abgekühlt haben.» Nicht nur, aber auch im Hinblick auf ihre Kandidatur als Gemeindepräsidentin hatte Evelyn Borer im Dezember ihren Rücktritt als Kantonalparteipräsidentin bekannt gegeben. Fraglich ist, ob sie bei den kantonalen Wahlen 2013 erneut als Kantonsrätin kandidieren wird. «Es ist möglich, dass ich mich auf etwas völlig Neues einlassen werde.» So will sie als gelernte Kauffrau, die seit zwölf Jahren das Sekretariat der Sozialhilfebehörde von Reinach BL führt, sich beruflich verändern. Vor rund einem Jahr hat sie eine Ausbildung zur Kulturmanagerin abgeschlossen – ein kleiner Fingerzeig, in welche Richtung es sie beruflich verschlagen könnte.

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