Gerlafingen
Bootet die Gemeinde mit der Planungszone das Asylheim aus?

Die Planungszone beim Bahnhof Gerlafingen würde auch den Gerlafingerhof einfassen. Damit könnte ein Asylheim nicht mehr umgesetzt werden. Der Kanton überlässt die Einsprache gegen die Planungszone dem Eigentümer.

Christoph Neuenschwander
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Die Planungszone für das Gerlafinger Bahnhofareal könnte die Pläne des Kantons für eine Asylunterkunft durchkreuzen.

Die Planungszone für das Gerlafinger Bahnhofareal könnte die Pläne des Kantons für eine Asylunterkunft durchkreuzen.

Hanspeter Bärtschi

Die Spannung steigt: In diesen Tagen treffen auf der Bauverwaltung Gerlafingen die letzten Einsprachen gegen die Planungszone im Bahnhofsgebiet ein. Die Einsprachefrist ist gestern Montag abgelaufen, es gilt das Datum des Poststempels.

Die vom Gemeinderat beschlossene Planungszone umfasst einen grossen Teil Gerlafingens, darunter das Bahnhofareal, diverse Parkplätze sowie etliche bebaute und unbebaute Parzellen in den umliegenden Wohn- und Industriezonen. Das Gebiet befinde sich in einer «Negativspirale», heisst es im Raumplanerischen Bericht dazu. Damit die freien Flächen nicht «einer beliebigen Überbauungsweise zum Opfer fallen», will der Gemeinderat eine «gezielte und kontrollierte Entwicklung im erweiterten Bahnhofgebiet» anstreben. Und damit die «planerischen Freiheiten der Gemeinde nicht beeinträchtigt werden», brauche es eben diese Planungszone.

Umnutzung unterbinden

Anvisierter «Nebeneffekt» für die Gerlafinger, die seit Anfang Sommer gegen ein Asylzentrum in ihrem Dorf kämpfen: Mit der Zone wird auch der «Gerlafingerhof» belegt, wo der Kanton noch immer auf die mögliche Eröffnung besagter Asylunterkunft hofft. Die Planungszone unterbindet aber alle Umnutzungen über eine Dauer von drei bis maximal fünf Jahre. Und verunmöglicht damit das Asylheim faktisch.

Es ist naheliegend, dass der Kanton Einwände gegen diese Planungszone hat. Einsprache erhoben hat er jedoch nicht. «Wir sind in den Verhandlungen mit dem Liegenschaftsbesitzer so verblieben, dass er Einsprache erhebt, wenn er es als richtig empfindet», sagt Claudia Hänzi, Abteilungsleiterin Sozialleistungen und Existenzsicherung vom Amt für Soziale Sicherheit. «Wir haben es ihm natürlich empfohlen, weil ihn die Zone in seiner Planung einschränken würde.»

Gemeinde bewahrt Stillschweigen

Dem Kanton sind in der Geschichte quasi die Hände gebunden, weil er nicht Liegenschaftsbesitzer ist. «Es wäre etwas fragwürdig», so Hänzi, «wenn der Kanton über den Kopf des Besitzers hinweg diese Planungszone bekämpfen würde.»

Also liegt der Ball beim Eigentümer, Kemal Cifci. Dieser will aber auf Anfrage dieser Zeitung nichts mehr mit der Sache zu tun haben. «Ich habe meinen Posten als Verwaltungsratspräsident abgelegt», sagt er kurz angebunden. Auch beim Kanton wartet man bis heute auf seine Rückmeldung. Ob er Einsprache erhoben hat, weiss man nicht.

Auf der Bauverwaltung von Gerlafingen ist indes zu vernehmen, dass mindestens eine Einsprache gegen die Planungszone eingegangen sei. Mehr wird noch nicht verraten. Auch Gemeindepräsident Peter Jordi findet: «Es bringt niemandem etwas, wenn wir jetzt schon etwas zu dem Fall sagen.» Vorerst wolle man die Frist für die B-Post abwarten. Auch er sei gespannt, wie viele Einsprachen eingehen und mit welchen Begründungen. «Zuerst wird sich aber unser Einsprachegremium damit beschäftigen.»

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