Äusseres Wasseramt
Bolkner und Höfer wehren sich gegen die Schliessung ihrer Schulen

Der Kanton will im äusseren Wasseramt Schulstandorte aufheben – das nehmen die Gemeinden aber nicht kampflos hin. Damit würde man «als Dorf ausgetrocknet», meint Thomas Fischer, Gemeindepräsident der Drei Höfe. Auch Bolken will kämpfen.

Christof Ramser
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Schulhaus Aeschi
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Schulhaus Bolken
Schulhaus Etziken
Schulen im Oberen Wasseramt

Schulhaus Aeschi

Hanspeter Bärtschi

Im äusseren Wasseramt werden Stimmen laut gegen die geplante Schliessung von Schulstandorten. Weil die Schülerzahlen rückläufig und die Klassen zu klein sind, sollen zwei von vier Schulhäusern der regionalen Schule äusseres Wasseramt RSAW geschlossen werden. So will es der Solothurner Regierungsrat. Betroffen wären wohl Bolken und Heinrichswil in den Drei Höfen.

Dort regt sich nun Widerstand gegen die Schliessung: «Damit werden wir als Dorf ausgetrocknet», sagt Thomas Fischer, parteiloser Gemeindepräsident der Drei Höfe. Er räumt ein, dass die Kinderzahlen tief sind; eine Tatsache, die sich nicht ändern lasse. In Heinrichswil werden je drei Primarklassen in einem Zimmer unterrichtet. Im Kindergarten schwanken die Zahlen stark. Mal sind es 4 Knirpse, in einem anderen Jahr 14.

Mit seiner Strategie überfahre der Kanton kleine Gemeinden, sagt Fischer. «Die Schule ist wichtig für den Zusammenhalt im Dorf.» Er will eine Konsultativbefragung durchführen um die Meinungen der Bevölkerung einholen. Für ihn steht fest: «Wir werden für unseren Standort kämpfen. Freiwillig geben wir die Schule nicht her.»

«Das Dorf würde nicht mehr leben»

Ähnlich tönt es in Bolken, wohl dem zweiten Schulstandort auf der Streichliste. «Wir wehren uns stark gegen eine Schliessung», sagt Gemeindepräsidentin Jeannette Baumgartner-Roth (SP). Sie erwähnt, dass Bolken mit 16 Kindern pro 100 Einwohner die höchste Kinderzahl im ganzen Kanton aufweise. Die vom Kanton geforderte Klassengrösse von 20 Schülern werde knapp erreicht. «Die Zahlen sind zwar auch bei uns rückläufig, aber das heisst nicht, dass man einen Standort schliessen soll.»

Der Zusammenschluss zur RSAW war in Bolken stark umstritten (siehe Kasten): Die Befürchtung war gross, dass die Dorfschule früher oder später verloren geht. Die Gemeindeversammlung trat dem Verbund nur unter der Bedingung bei, einen Standort im Dorf behalten zu können. «Die Kinder und die Schulanlässe bereichern unser Dorfleben», sagt Baumgartner-Roth. «Fehlt dies, dann würde unser Dorf nicht mehr leben.»

Vor zweieinhalb Jahren hatte die Gemeindeversammlung eine Erweiterung des Schulraumes abgelehnt. Entsprechend knapp sei die Platzkapazität in Bolken.

Viel Platz in Aeschi und Etziken

Anders siehts in Aeschi und Etziken aus. «Knapp ist der Schulraum bei uns überhaupt nicht», sagt Aeschis Gemeindepräsident Stefan Berger (CVP). Sowohl in Aeschi als auch in Etziken seien genug Räume vorhanden. Thomas Fischer geht davon aus, dass eine Konzentration in Aeschi stattfinden könnte. Laut Gemeindevertretern im äusseren Wasseramt würde dies zu einem teuren Ausbau führen. Gerechnet wird mit Investitionen von 2,5 bis 3,5 Millionen Franken. Auf der Sparseite stehe eine Lehrerstelle. «Das rentiert nicht», sagt Fischer. Das Volksschulamt AVK indes kommt zum Schluss, dass «erhebliche Besoldungskosten» eingespart würden. Das AVK war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Entscheiden über die Standortfrage wird der Schulausschuss bis im Sommer 2016. Laut Präsidentin Michelle Heuberger ist noch nichts entschieden. «Wir können noch nicht sagen, wie das gelöst wird.»

Eine Lösung wäre laut Schulleiter Albert Arnold die Einführung der Basisstufe, also der Unterricht in einer Klasse für die beiden Kindergartenjahrgänge sowie für die erste und zweite Klasse. Doch der Vorschlag fiel beim Kanton durch.

Die kleinen Schulstandorte, so ist man sich in Bolken und den Drei Höfen einig, haben ihre Berechtigung – gerade im Sinne des Standortfaktors. Und Arnold hält fest: «Die Schule ist immer die Seele eines Dorfes.»