«Es stinkt nach Pisse», «wir stecken bis zum Hals in der Scheisse», «Reparaturen werden nicht gemacht». Die Kritik der Bewohner der Marktstrasse 11 und 9 an ihre Hausverwaltung war happig.

Am Freitag war die betroffene Firma, die Euro Estates GmbH aus Zürich, nicht für eine Stellungnahme erreichbar, das Büro war ferienhalber geschlossen; für Notfälle verwies der Anrufbeantworter auf die Hauswartin.

Am Montag war man in Zürich – nach kurzem Hin und Her – bereit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Samuel Bollag, Teamleiter Bewirtschaftung, meinte zum Zwischenfall mit dem geborstenen Abwasserrohr: «Das kann in jedem Haus passieren. Das Rohr musste vom Sanitär abgedichtet werden, es hörte sich schlimmer an, als es ist.»

Dass zu diesem Zeitpunkt, während Tagen, weder die Tochter der Hauswartin noch die Verwaltung selbst erreichbar war, erklärt Bollag wie folgt: «Unser Telefon wird jeweils bis um 18.30 Uhr beantwortet, der Anruf am Mittwochabend kam etwa fünf Minuten später.» Als Notfallkontakt gebe man auf der Mailbox die Hauswartin an. «Wir wussten, dass sie zurzeit in den Ferien weilt und haben ihr im Voraus gesagt sie solle einen Ersatz stellen – wir waren mit der Tochter einverstanden.»

Wenn dann diese den Anruf nicht entgegennehme, könne er zwar den Unmut verstehen, finde es aber ein bisschen unfair, wenn man seine Firma gleich für die ganze Misere verantwortlich mache. «Dass zu diesem Zeitpunkt beide nicht erreichbar waren, sind zwei unglückliche Zufälle», so der Teamleiter Bewirtschaftung.

«Wollen keinen Krieg»

Betreffend das im Allgemeinen sehr verschmutzte Gebäude meint Bollag, dass es schon stimme, dass die Liegenschaften an der Marktstrasse 9 und 11 nicht sehr sauber seien. Das bedeute aber nicht, dass dies an der Hauswartin liege. «Wenn jeder Mieter dort einfach seine private Müllhalde im Haus hält, dann ist das nicht ihre Aufgabe, dies zu reinigen.» Bollag erzählt, dass er vor zirka drei Wochen vor Ort war und alles sei sauber gewesen.

Eine Woche später habe er dann nochmals nachgeschaut und es sei schon wieder dreckig gewesen. «Ich will den Vorwurf, dass wir nichts unternehmen und dass die Hauswartin ihre Arbeit nicht macht, nicht einfach so hinnehmen. Es ist einfach nicht wahr», so Samuel Bollag. Dass sie «Hunderte von Mängelrügen» gehabt haben sollen, diese Information könne er zudem auch nicht bestätigen. «Man kann nicht von uns verlangen, dass wir bei einem solch niedrigen Mietzins Luxuswohnungen zur Verfügung stellen.» Bollag betont zuletzt, ihm gehe es jetzt aber nicht darum, einen Krieg zwischen Verwaltung und Liegenschaft zu entfachen.

Den Bewohnern der Markstrasse 11 – dort barst das Abwasserrohr – hilft das zurzeit wenig. Ihre Sorgen sind andere. Der Bewohner, der dieser Zeitung seine Version der Geschichte erzählte und anonym bleiben wollte, spricht auf Anfrage von einem «bestialischen Geruch» im ganzen Gebäude. «Jetzt sind die Scheisse und die Pisse getrocknet, ohne Tuch vor dem Mund kannst du nicht mehr aus deiner Wohnung raus.»