Feldbrunnen-St.Niklaus
«Bipperlisi» erhitzt Gemüter: Bevölkerung sammelte über 200 Unterschriften

Die Bevölkerung von Feldbrunnen-St.Niklaus wehrt sich gegen die geplante Umgestaltung der Bahnübergänge an der «Bipperlisi»-Strecke. Über 200 Bürger haben eine Motion unterschrieben.

Sven Altermatt
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Die Sicherung der Bahnübergänge des «Bipperlisi» und die weiteren Massnahmen rund um die Bahnstrecke bringen die Einwohner ziemlich in Fahrt.

Die Sicherung der Bahnübergänge des «Bipperlisi» und die weiteren Massnahmen rund um die Bahnstrecke bringen die Einwohner ziemlich in Fahrt.

Hansjörg Sahli

Die Motion ist ein demokratisches Instrument, das auf kommunaler Ebene eher selten eingesetzt wird. Der neue Gemeinderat unter Präsidentin Anita Panzer (FDP) aber hatte sich gleich in seiner zweiten Sitzung mit einer solchen zu beschäftigen. Über 200 Stimmbürger haben die Motion «siedlungsverträgliches Bipperlisi» von René Rudolf und Jakob Jordi unterschrieben.

Die Forderungen der Motionäre haben es in sich: Der Gemeinderat soll die Umgestaltung der Bahnübergänge, wie sie die Aare Seeland mobil (asm) vorgeschlagen und nun aufgelegt hat, verhindern. Wenn notwendig auf dem Rechtsweg, und zwar «bis zur letzten Instanz». Ausserdem sei die Teilstrecke Feldbrunnen als Strassenbahn-Abschnitt einzustufen.

Für den Gemeinderat war von Anfang an klar: «Wir werden Einsprache gegen das Auflagenprojekt erheben», wie Gemeindepräsidentin Panzer erklärte. Doch: Was soll in der Einsprache genau bemängelt werden? Die Beanstandungen, das zeigte die umfassende Diskussion, würden schliesslich ganze Listen füllen.

Und: Wie soll mit der Motion, hinter der über ein Viertel der Stimmberechtigten stehen, verfahren werden? Diese Fragen hatte der Gemeinderat zu
beantworten.

Strassenbahn möglich?

Zur Erinnerung: Der Bund verlangt, dass alle ungesicherten Bahnübergänge in Feldbrunnen geschlossen oder mindestens gesichert werden müssen. Einen ersten Lösungsvorschlag konnte der damalige Gemeinderat 2011 verhindern. Die jetzige Variante sieht einen befahrenen Übergang an der Rötistrasse vor. Fussgängerübergänge sind beim Weissensteinweg und bei der Frank-Buchser-Strasse geplant. Alle Übergänge sollen mit Barrieren gesichert werden.

Nach einer Dreiviertelstunde steckte der Rat mitten in einer Diskussion über die Details der asm-Pläne. Mal waren es die Warteräume bei den Busstationen, die beleuchtet wurden. Dann der Maschendrahtzaun, der als trennendes Element zwischen Schienen und Fahrbahn gebaut werden soll. Als «ungeheuerlich» bezeichnen die Motionäre diesen Plan. «Der Zaun muss irgendwie ins Ortsbild passen», meinte auch Adrian Zbinden (FDP). Die Chancen, dass die Teilstrecke als Strassenbahn-Abschnitt eingestuft wird, schätzte sein Parteikollege Thomas Schluep als gering ein. Die Auflagen für eine Strassenbahn seien zwar weniger streng, aber: «Die Bahnübergänge müssten so oder so gesichert werden», so Schluep.

Auch «Extremvarianten» sollten geprüft werden, forderte Alfred Hug (SP). Er denke da an eine Lösung wie in Solothurn, wo sich die Schienen direkt in der Strasse befinden. Befürchtungen, wonach die asm bei einer totalen Ablehnung auf den ursprünglichen Lösungsvorschlag zurückkommen könnte, liess Anita Panzer nicht gelten: «Dieser Vorschlag ist definitiv abgeschrieben.»

«Kann teuer werden»

Der Gemeinderat empfiehlt der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember, die Motion «siedlungsverträgliches Bipperlisi» für erheblich zu erklären. Diesen Entschluss fällte der Rat einstimmig. Eine Verzögerungstaktik sei unangebracht, erklärte Gemeindepräsidentin Panzer. Mehrere Gemeinderäte betonten, dass mit einer Erheblichkeitserklärung noch nichts entschieden sei.

Der Rat wird mit dieser erst beauftragt, die Motion zu behandeln. An der Gemeindeversammlung müsse die Bevölkerung darüber informiert werden, sagte Thomas Schluep, welche Kostenfolgen eine Einsprache mit sich bringe. «Falls wir bis vors Bundesgericht gehen, kann das ziemlich teuer werden.» Zudem will Schluep auch die Motionäre, die sich unter anderem auf «Kurzgutachten von national aktiven Verkehrsexperten» stützen, in die Pflicht nehmen: «Alle Fakten gehören auf den Tisch, damit eine seriöse Beurteilung möglich ist.»

Bis zu seiner nächsten Sitzung in zwei Wochen will der Gemeinderat seine Rechtsberater konsultieren. Dann soll geprüft werden, was in der Einsprache, die bis zum 17. Dezember eingereicht werden muss, alles bemängelt wird.