Biberist / Brasilien
Biberister in Brasília: «Es gibt keinen süsseren Sieg als einen in letzter Sekunde»

Schlachtenbummler Paulo Germann hat den Startsieg der Schweizer Nati hautnah miterlebt. Denn er hat das Spiel live in Brasilien verfolgt und den Sieg noch lange nach dem Schlusspfiff gefeiert. Begeistert erzählt er vom Erlebnis in Brasilien.

Hans-Peter Schläfli
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Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: Paulo Germann, einst selber aktiver Fussballer beim FC Biberist.

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: Paulo Germann, einst selber aktiver Fussballer beim FC Biberist.

Hans-Peter Schläfli

«Am Tag, als die WM an Brasilien vergeben wurde, war für mich klar, dass ich dabei sein werde», sagte Paulo Germann auf der Treppe des Estádios Nacional Mané Garrincha. Zusammen mit ein paar hundert Fans feiert er dort den dramatischen 2:1-Sieg der Schweiz gegen Ecuador – noch lange nach dem Schlusspfiff.

«Die Schweizer haben eigentlich alles richtig gemacht, sie haben am Anfang nur etwas wenig Druck nach vorne produziert. Standardsituationen sind immer gefährlich, so kann immer ein Tor passieren.

Aber nach dem 0:1 haben wir alle im Fansektor gelitten, das war hart», analysierte der 40-Jährige. Der Angestellte einer Grossbank in Zürich ist in Biberist aufgewachsen, wo er früher auch für den FC Biberist in der 2. Liga Fussball spielte.

«Möge der Bessere gewinnen»

«Die Dramaturgie war perfekt, einen süsseren Sieg als in der letzten Sekunde gibt es nicht», strahlte Germann, gekleidet in ein Schweizer Shirt mit der Nummer 40 und dem Namen «Paulinho» auf den Schultern, das er zu seinem 40. Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Und er lobte Ottmar Hitzfeld: «Die Einwechslungen waren souverän, Mehmedi und Seferovic haben die Wende gebracht. Das ist für die ganze Mannschaft ein gutes Zeichen.» Dass von den rund 80 000 Sitzplätzen im neuen Stadion «nur» etwas über 68 000 besetzt waren, störte nicht, im Gegenteil: Die Arena vibrierte. Davon, dass viele Fans, die auf die letzte Minute ankamen, in den Schlangen bei der Eintrittskontrolle lange warten mussten und den Spielbeginn verpassten, hatte er nichts bemerkt.

Germann selber war schon zwei Stunden vor dem Anpfiff da. «Ich war das letzte Mal vor vielleicht 15 Jahren hier in Brasília und habe mich darauf gefreut, wieder einmal hier zu sein. Das neue Stadion ist super geworden, die Akustik hilft, dass eine tolle Stimmung aufkommt und die Sicht ist wirklich von allen Sitzplätzen aus hervorragend.»

Selbst auf den üblicherweise schlechtesten Plätzen hinter den Cornerflaggen, wo sich Fans befanden, die ihr Ticket über den Schweizer Fussballverband bezogen hatten, wie Paulo Germann bestätigte. «Wir hatten es sehr gut zusammen und jetzt gehen wir feiern.»

Und wenn im Turnierverlauf die Schweiz auf Brasilien treffen würde? In Germanns Brust schlagen zwei Herzen: Seine Mutter ist Brasilianerin, sein Vater stammt aus Adelboden. «Ich habe ein rotes und ein gelbes Shirt dabei. Möge der Bessere gewinnen.»

Doch dann gibt Paulo Germann seine diplomatische Lüge doch noch zu: «Nein, wenn ich ehrlich bin, dann wäre ich für Brasilien. Wir können doch nicht zum zweiten Mal in der Fussballgeschichte eine Heim-WM verlieren. Brasilien wird Weltmeister. A gente merece – wir haben es verdient.»