Bei fast 40 Orientierungsläufen (OL) pro Saison steht sein Name auf der Teilnehmerliste: Beat Jakob. «Dies obwohl ich an jedem zweiten Wochenende arbeiten muss», betont der angefressene OL-Läufer aus Biberist. Sonst wären es sicher noch mehr Läufe geworden.

Am Wochenende feierte der 45-Jährige im Tessin sein Jubiläum. Jakob ist bereits bei 1000 Orientierungsläufen gestartet. Das belegt eine eigens geführte Statistik (siehe unten). «Bei Arcegno lief ich bereits 1982 meinen ersten nationalen OL im Tessin», so Jakob, der sich im «schönen Gelände» wohl fühlt. Dort hat er auch schon selbst OL-Lager durchgeführt.

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Seine Leidenschaft für den Orientierungslauf reicht weit zurück. Seit dem neunten Lebensjahr startet Jakob, der bei der SBB als Zugverkehrsleiter arbeitet, alleine an Wettkämpfen. Vorher war er auch schon in der Kategorie Familie mit seinem Vater über Stock und Stein unterwegs. Sein Debüt gab er 1976 am Kantonalen Turnfest im bernischen Tüfelsburg. «Zu dieser Zeit waren aber die Strecken viel schwieriger als heute in den Einsteigerkategorien», erinnert er sich.

Der Gau zum OL

Auch der anstregendste Lauf ist dem Biberister noch präsent. «Das war Anfang Mai 1986 in Ungarn, kurz nach dem Gau in Tschernobyl.» Noch als er mit anderen Eisenbahn-OL-Läufern, die traditionell einmal im Jahr zusammen nach Ungarn fahren, den Nachtzug in Zürich bestieg, kam die Meldung von einem AKW-Unfall. «Als wir am Morgen in Wien Zeitungen kauften, waren sie voller Informationen zum Gau. In Ungarn jedoch waren die Zeitungen leer.» Man hätte sich dort halt über ausländische Medien informiert, so Jakob.

Er startete den mehrtätigen Lauf mit einem Nacht-OL in der offenen Kategorie - und lief allen davon. «Mir war mein Sieg fast peinlich, da ich doppelt so schnell war als alle andern», gesteht Jakob ein. Am nächsten Tag hatte er dann aber bei den unter 20-Jährigen Probleme. «Mir lief es trotz grosser Hitze - es war fast 30 Grad - bis Dreiviertel der Strecke sehr gut. Doch plötzlich war fertig. Ich wusste nicht mehr wo ich bin.» Glücklicherweise habe ihn ein Ungare eingeholt und bis kurz vor dem Ziel mitgezogen, erzählt Jakob.

Doch noch auf dem Podest

Noch vom Lauf geschwächt, musste er am nächsten Tag die neue Strecke in Angriff nehmen - als Letzter. «Trotzdem startete ich und hatte nur ein Ziel: beim Beginn der Rangverkündigung fertig zu sein, denn gleich anschliessend fuhr jeweils der Bus wieder zurück.» Das schaffte er denn auch, wenn auch knapp. Dann kam die Überraschung: Weil die Hälfte der 12 Läufer ausgeschieden war, und Jakob einige überholen konnte, schaffte er es aufs Podest.

Mit insgesamt 25'000 Teilnehmer waren weit mehr beim schwedischen Fünf-Tage-OL im Jahr 1983 am Start. «Mein Ziel nach vier Etappen in die ersten 15 zu laufen, erreichte ich mit zwei Sekunden Vorsprung», berichtet Jakob von seinem grössten je gelaufenen OL. Schlussendlich belegte er Rang 13 von 290 Startenden in seiner Kategorie.

Zu seinem wertvollsten Erfolg zählt Jakob, hingegen den Sieg am nationalen Orienierungslauf in Sörenberg. «Speziell und einmalig war an diesem Nationalen, dass auf einer 17 Jahre alten Karte gelaufen wurde.»

Familie angesteckt

Orientierungsläufe sind für die Jakobs eine Familiensache. Beide Elternteile laufen, und auch die Töchter sind mit dem OL-Fieber angesteckt. «Die 11- und 13-jährigen Töchter sind besser, als ich in ihrem Alter», erzählt Jakob. Auch die mit sieben Jahren Jüngste im Bunde läuft schon - aber nur mit der Familie. Sie sei noch zu klein.

«Jeder Lauf ist eine neue Herausforderung.» Das fasziniere ihn am meisten. Man wisse nie, was einen in einem fremden Wald erwartet. Ob er denn süchtig sei? «Das ist schwierig zu sagen», meint Jakob zurückhaltend, gesteht dann aber doch ein: «Vielleicht schon ein wenig.»