Scintilla
Betriebsversammlung der Scintilla-Mitarbeiter bringt erste Erfolge

Die Betriebsversammlung der Scintilla Mitarbeiter hat Erfolge für beide Seiten gebracht. So wurde der Rahmen für einen konkreten Sozialplan definiert. Dieser wird bis am 15. Februar im Detail ausformuliert.

Franz Schaible
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Die Betriebskommission und die Gewerkschaft Unia kämpften für die Scintilla-Mitarbeiter.
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Christoph Ziegler, Direktor der Scintilla AG und Mitglied des Bereichsvorstands von Bosch Power Tools, hat das Wort.
Die Mitarbeiter geben ihre Stimmen ab.
Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse herrschte Totenstille.
So hat die grosse Mehrheit der Mitarbeiter abgestimmt.
Betriebsversammlung der Scintilla Mitarbeiter
Pins «Stopp - Kein Abbau in der Scintilla»

Die Betriebskommission und die Gewerkschaft Unia kämpften für die Scintilla-Mitarbeiter.

Hansjörg Sahli

Die Stimmung an der Betriebsversammlung im Scintilla-Personalrestaurant war eine ganz andere als an der letzten Versammlung Mitte Dezember. Damals waren Wut und Enttäuschung spürbar und die Belegschaft hatte einstimmig beschlossen, Kampfmassnahmen, sprich Streik, vorzubereiten. Ebenso spürbar war gestern nun die Erleichterung unter den 368 anwesenden Mitarbeitenden.

Grund: Der Widerstand der Belegschaft gegen die angekündigte Schliessung der Produktion von Elektrowerkzeugen in der Scintilla Zuchwil mit dem Verlust von 330 Arbeitsplätzen hat sich vorerst gelohnt.

Die zwischen Bosch, der Gewerkschaft Unia sowie der Angestellten- und Betriebskommission ausgehandelte Vereinbarung beinhaltet nämlich eine vorläufige Einigung. Dieser hat die Belegschaft in einer geheimen, schriftlichen Abstimmung mit 325 gegen 16 Stimmen und 26 Enthaltungen grossmehrheitlich zugestimmt. «Insgesamt handelt es sich um ein gutes Lösungspaket, das den Betroffenen auch Perspektiven gibt», zeigte sich Unia-Verhandlungsleiter Corrado Pardini zufrieden.

Konsultationsfrist verlängert

Die von der Unia präsentierte Vereinbarung beinhaltet folgende Eckpunkte: Die Konsultationsfrist wird bis Ende März 2014 verlängert. Eine Task Force, bestehend aus Vertretern der Angestellten- und Betriebskommission, der Unia und Bosch, haben bis dann Zeit, Massnahmen zu erarbeiten, um die Fertigung von Elektrowerkzeugen und die Arbeitsplätze am Standort zu erhalten.

Der Prozess wird durch ein unabhängiges deutsches Betriebswirtschaftsinstitut begleitet, um sowohl den Zahlenkranz von Bosch wie die Lösungsvorschläge der Belegschaft zu prüfen. Beat Uhlmann, Vizepräsident der Angestelltenkommission bleibt - «auch wenn es sehr schwierig wird» - zuversichtlich, das Ziel einer wirtschaftlichen Produktion mit einem 28 Punkte umfassenden Massnahmenkatalog erreichen zu können.

Zudem wird eine unabhängige internationale Unternehmensberatungsfirma beauftragt, Interessenten für industrielle Aktivitäten für den Standort Zuchwil zu suchen, falls im Rahmen der Konsultation nicht alle Arbeitsplätze gerettet werden können.

14 Monate Kündigungsschutz

Ferner wurde vereinbart, dass bis zum 31. März 2015 keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden. Das sei für die Belegschaft ein wesentlicher Punkt, kommentierte Uhlmann nach der Versammlung. «Viele Kollegen und Kolleginnen sagten mir, dass sie sehr erleichtert sind.» Der Kündigungsschutz für die nächsten 14 Monate gebe eine gewisse Sicherheit und verbessere die allfällige Suche nach einem neuen Job erheblich. Ursprünglich kündigte Bosch den Beginn des Stellenabbaus bereits für das zweite Halbjahr 2014 an.

Verbesserter Sozialplan

Bis Mitte Februar 2014 wird zwischen den Sozialpartnern ein neuer verbesserter Sozialplan ausgearbeitet. Unter anderem ist vorgesehen, dass Frauen ab dem Alter von 58 Jahren und Männer ab dem 59. Altersjahr vorzeitig pensioniert werden. Integriert in die Vereinbarung ist ein Verzicht auf das Ergreifen von Kampfmassnahmen. Sie blieben aber als Option bestehen, falls die obigen Punkte der Vereinbarung nicht eingehalten würden, hält die Unia fest.

Die Betroffenen haben dank der Vereinbarung etwas bessere Zukunftsperspektiven, doch der Schock muss in Erinnerung an den 19. November 2013 immer noch tief sitzen. Damals kündigte Bosch an, die Fertigung und die Entwicklung von Elektrowerkzeugen zur Holz- und Oberflächenbearbeitung von der Tochter Scintilla in Zuchwil nach Deutschland und ins bestehende ungarische Bosch-Werk in Miskolc zu verlagern. 330 der 625 Arbeitsplätze würden abgebaut.