Schwarzbubenland
Bessere Verbindungen? Das sehen manche Pendler anders

Was denken die Pendler zum neuen Bushof «Herrenmatt» in Seewen? Hält das neue Buskonzept, was sich die Schwarzbuben erhofft hatten?

Oliver Sterchi
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Die neue Bushaltestelle in Seewen.

Die neue Bushaltestelle in Seewen.

Juri Junkov

Bessere Verbindungen, kürzere Arbeitswege, optimaler Anschluss an den Schienenverkehr: Das erhofften sich die Schwarzbuben vom neuen Bushof «Herrenmatt» in Seewen, der im vergangenen Dezember zeitgleich zum Fahrplanwechsel in Betrieb genommen wurde.

Die moderne Umsteigestelle bildete die Voraussetzung für ein erweitertes Buskonzept, das einen verbesserten Anschluss des Dorneckbergs an das öffentliche Verkehrsnetz gewährleisten soll. Doch die anfängliche Euphorie wird nicht von allen geteilt, wie unsere Umfrage zeigt.

Nicht alles klappt

Die Reise beginnt an einem Mittwochmorgen in Hochwald. Im Postauto der Linie 67 Richtung Seewen sitzen gerade mal drei Fahrgäste. Einer von ihnen ist Patrick, der nach Solothurn reist. «Die neue Linienführung kommt mir sehr entgegen, dadurch bin ich etwa eine Viertelstunde schneller in Solothurn», sagt Patrick. Früher, so der Mittvierziger, habe er einen Umweg über Basel machen müssen, da es am frühen Morgen noch keine schlüssige Verbindung von Hochwald nach Liestal gegeben habe. Zudem ist er jetzt am Abend früher wieder zu Hause. Wenn alles klappt jedenfalls. Denn die Realität sehe leider anders aus, sagt Patrick. «Die Koordination zwischen Schienenverkehr und Postauto klappt leider überhaupt noch nicht.» So komme es des Öfteren vor, dass er aufgrund einer noch so kleinen Verspätung von Bus oder Zug den Anschluss verpasse. «Dann muss ich abends bis zu einer Stunde am Bahnhof warten.»

Kurz darauf ein Augenschein am neuen Bushof «Herrenmatt» in Seewen: Die elektronische Anzeigetafel kündet Busse im Minutentakt an – das ist neu in einem Dorf, das bis anhin in Sachen öV-Verbindungen eher ein Schattendasein fristete. Im gläsernen Wartehäuschen steht eine Gruppe von Schülern. Nach ihrer Meinung zum Bushof befragt, sind sich die Jugendlichen einig: alles in allem eine gute Sache. «Durch die besseren Verbindungen Richtung Liestal sind wir schneller in der Schule und können am Wochenende länger in den Ausgang», sagt einer der Jungen. Die Mädchen schätzen insbesondere auch die Beleuchtung der Umsteigestelle, damit würden sie sich abends sicher fühlen.

«Verbesserungswürdig»

Der 116er von Seewen Richtung Grellingen ist deutlich mehr ausgelastet, die Sitzplätze sind alle besetzt, vereinzelt stehen die Leute. In einem Viererabteil sitzt Thomas. Von der neuen Linienführung hält er nichts: «Die Verbindungen nach Bretzwil sind deutlich schlechter als vorher, wenn es abends im Geschäft mal länger wird, kommt man unter Umständen gar nicht mehr nach Hause», enerviert sich der Familienvater. Andere Fahrgäste aus Bretzwil, stimmen ihm zu. Zwar räumen sie ein, dass die Verbindungen nach Liestal und damit der Anschluss an den Schienenverkehr mit der neuen Linienführung tatsächlich besser geworden seien, aber das nütze ihnen beim Pendeln herzlich wenig. «Insgesamt überwiegen die Nachteile», heisst es.

Zum Schluss fragen wir einen Busfahrer. Der langjährige Chauffeur, der anonym bleiben will, formuliert es diplomatisch: «Das neue Linienkonzept ist sicher verbesserungswürdig.» Besonders stören ihn die knapp bemessenen Umsteige-Intervalle zwischen den Anschlussverbindungen. «Dadurch bin ich immer im Stress, um ja keine Verspätung zu haben.»