Der 31-Jährige aus Büsserach war nach der Niederlage in Biel enttäuscht. Er suchte nach Möglichkeiten, dieses Resultat vergessen zu machen. «Soll ich einen weiteren Ultra-Klassiker in Angriff nehmen?», fragte er sich. Die Antworten von Sportkollegen und Vertrauenspersonen fiel ziemlich eindeutig aus: Nein. Die Möglichkeit eines weiteren Misserfolgs sei grösser als die eines Triumphs, hiess es.

Ungewohnte Rettungsaktion

Doch der Swiss Alpine Marathon in Davos, der diese reizvolle Herausforderung zu bieten schien, liess Eggenschwiler nicht mehr los. Sein Coach Dan Übersax unterstützte ihn: «Die Regel sagt zwar, die Erfolgsaussicht, einen Frust so zu korrigieren, ist klein. Aber wieso sollte Bernhard nicht die Ausnahme sein?» Das war für ihn das Startkommando für die anspruchsvolle Premiere: «Ich will meine verkorkste Saison retten und Ende Juli bietet sich mir die Gelegenheit dazu», sagte er sich immer wieder. Und die Rechnung ging auf. Der Wirtschaftsprüfer, der in der Nach-Alpine-Woche als Teamleiter Treuhand angefangen hat, lief als bester Schweizer auf Rang 3 über die Königs- und Langdistanz am Berglauf-Klassiker. Schlagen lassen musste er sich einzig von zwei Cracks aus der Szene: dem Neuseeländer Vajin Armstrong sowie dem Vorjahressieger, Evegnii Glyva aus der Ukraine. Von «einem wunderbaren Ergebnis», sprach Eggenschwiler nach den 6:44:11 Wettkampfzeit über die 76,1 km, garniert mit 2560 m Steigung respektive Gefälle. Zwar büsste er fast 20 Minuten auf den Spezialisten aus Down Under ein, aber nur 2:54 Minuten auf den Mann mit der Startnummer 1. «An diesem Rennen hat einiges hervorragend gepasst», freute er sich, «nie hatte ich mit diesem Podestrang gerechnet.»

Solothurner Trio

Eggenschwiler hatte seine Erfahrung und das «Sich-Kennen» ausgespielt. So akzeptierte er einen «mässigen Start mit etlichen Zweifeln» und kämpfte sich ins Rennen hinein. Sukzessive fühlte er sich wohler. Den anforderungsreichen Witterungsbedingungen, den verhältnismässig hohen Temperaturen versuchte er entgegenzuwirken. «Der Salzverlust und der Wassernachschub waren die grössten Herausforderungen», sagte er nach dem Rennen. Mit dem Trinken zahlreicher Wasserbidons sowie dem regelmässigen Essen von Salztabletten meisterte er diese Vorgabe überzeugend. «Ich habe mein Erfolgsrezept gefunden», baute er sich auf. Über weite Strecken konnte er die Ultra-Prüfung geniessen.

Gibt es ein Erfolgsrezept? «Ja», sagt Eggenschwiler, «ich fühlte mich zwar nie richtig wohl, aber es ging immer vorwärts, von den Beinen her, ebenso aber vom Kopf.» So blieb er im Kampf mit der Distanz, der Höhe und dem anspruchsvollen Profil stets motiviert und optimistisch. Rang 3 bereitete ihm schon unterwegs und jetzt weit über das Rennen hinaus grosse Freude. Und er holte sich die Bestätigung, dass sich «die Wagnis Alpine» gelohnt hat. Hinter sich lassen konnte er so die nachfolgenden Landsmänner, auch sie aus der Region: Roman Wyss (Niederbipp) Rang 4, Konrad von Allmen (Olten) Rang 5.