Balsthal
«Bern» staunt über fehlende Fussgängersicherung in Balsthal

Bis jetzt glaubte das Bundesamt für Verkehr (BAV), dass das Trottoir bei der Thalbrücke in Balsthal gesichert ist. Dort, wo letzten Freitag eine 17-Jährige ums Leben kam. Das BAV will nun abklären, welcher Handlungsbedarf besteht.

Lucien Fluri
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Tödlicher Unfall mit einem OeBB-Zug in Balsthal
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Noch sind Zeichnungen am Boden zu sehen
Blumen sind zum Gedenken der 17-Jährigen hinterlassen worden
Für die Autos senkt sich eine Schranke, wenn die Bahn die Strasse quert.

Tödlicher Unfall mit einem OeBB-Zug in Balsthal

Bruno Kissling

Blumen sind in die Drahtmaschen des Zauns gewoben, der beim Thalbrücke-Kreisel Trottoir und Bahngleis trennt. Rund um den Unglücksort haben Trauernde Abschiedskarten hingelegt. Am Freitag ist dort kurz nach halb zwölf eine 17-jährige Frau unmittelbar nach der Einmündung der Bahndammstrasse von einem Zug erfasst worden. Trotz des Regatransportes in eine Spezialklinik verstarb die 17-Jährige.

Schranken oder Hindernisse gibt es für die Fussgänger an dieser Stelle keine. Vor den Gleisen ist einzig mit gelben Linien ein «Warteraum» auf den Boden gezeichnet. Die Bahnschranke befindet sich weiter hinten vor der Einmündung der Bahndammstrasse und gilt für Autos. Eine Warnsignalanlage und ein Blinklicht gibt es allerdings auch.

BAV glaubte, es habe Schranken

Pikant: Bis gestern hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) geglaubt, dass das Trottoir gesichert ist. «Wir sind bisher davon ausgegangen, dass sich Vollschranken bei der Thalbrücke befinden und damit auch das Trot-
toir abgesperrt ist», sagt Andreas Windlinger vom BAV. Deswegen hat das Amt bisher auch keinen Handlungsbedarf gesehen. Das hat sich gestern geändert. «So, wie es aussieht, muss man etwas machen», sagt Windlinger.

Falsche Angabe der OeBB

Der Grund für die falsche Annahme: «Von der OeBB wurde uns gemeldet, dass sich dort Vollschranken befinden», erklärt Windlinger. Tatsächlich befinden sich nur Halbschranken dort und keine Fussgängersicherung, obwohl diese laut Windlinger wahrscheinlich nötig wäre.

Überprüft hat das BAV die Angaben der OeBB nicht. «Wir haben 59 Bahnen, die wir überwachen. Wir müssen uns auf deren Angaben stützen.» Laut Heinz Kamber, Geschäftsführer der OeBB, handelt es sich bei der falschen Angabe um ein Missverständnis, das «aufgrund der Codierung bei Schrankenanlagen» entstanden sei.

In den kommenden Tagen klärt das BAV ab, welcher Handlungsbedarf besteht. Ob die «Verwechslung» für die OeBB Konsequenzen hat, muss abgeklärt werden. «Man muss annehmen, dass dies keine böse Absicht war», erklärt Windlinger.

Warteräume, Warnblinker und Signalanlagen

Allerdings: Auch wenn das Bundesamt den Übergang als «sanierungsbedürftig» taxiert hätte, hätte die OeBB für die Behebung der Mängel eine Frist bis 2014 gehabt. Da sich mit der Umfahrung Klus die ganze Situation um die Thalbrücke verändert, wäre es laut Kamber wenig wahrscheinlich, dass vorher etwas geschehen wäre. Die geplante Umfahrung und ihre Folgen seien mit ein Grund gewesen, weshalb man bei der Erneuerung der Steuerung des Bahnübergangs im Jahr 2009 keine Änderungen am Bahnübergang vorgenommen habe – in Absprache mit dem Kanton.

Fragen, ob Haltestelle und Bahnübergang Thalbrücke aus sicherheitstechnischen Gründen nicht problematisch sind, verneint Kamber. «Der Arm der Barriere reicht zum Trottoir. Es hat Warteräume, Warnblinker und Signalanlagen», erklärt Kamber.

Mit Kopfhörern unterwegs

Auch zum Unfallhergang gibt es zusätzliche Erkenntnisse. Möglicherweise war die Frau unmittelbar vor dem Unglück abgelenkt. Die Abklärung der Unfallursache läuft zwar noch. Gesichert ist, dass die Frau zum Zeitpunkt des Ereignisses einen Kopfhörer trug. «Dies haben Befragungen ergeben», sagt Bruno Gribi vom Mediendienst der Kantonspolizei Solothurn. Bereits klar ist aber: Die Signalanlagen haben funktioniert. «Die Barrieren waren unten. Warnsignal und Blinklicht machten auf den Zug aufmerksam», bestätigt Gribi.

Laut Kamber war der Lokführer zum Zeitpunkt des Unfalls mit weniger als 20 Stundenkilometern unterwegs, da der Zug kurz nach dem Halt bei der Thalbrücke erst in der Beschleunigungsphase ist. Der Lokführer sitzt auf der linken Seite des Führerabteils, die junge Frau kam von rechts.

Notfallteam am Unglücksort

Vor Ort war am Freitag auch das Care-Team Kanton Solothurn. Dieses kümmerte sich um Angehörige und weitere Beteiligte des Unglücksfalls. Üblicherweise ist dies eine erste psychologische Hilfe nach dem Geschehen. «Wenn man merkt, dass Personen weiterhin oder erst im Nachgang zu einem Ereignis Probleme haben, bietet man ihnen selbstverständlich ebenfalls Hilfe an», so Gribi.

Auch dem Lokomotivführer wurde psychologische Hilfe angeboten. Dazu hat sich die OeBB auch an die SBB gewandt. Diese verfügen über eine eigene Anlaufstelle, die sich in solchen Fällen um Lokomotivführer kümmert. Dem Lokomotivführer geht es laut Kamber inzwischen «einigermassen» gut. «Er ist am Verarbeiten.»

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