Im Oktober waren die Autoverkäufe zum 13. Mal in Folge gesunken. Der Oktober 2012 isoliert war gar der schlechteste Herbstmonat seit 2003. Im laufenden Jahr wurden in den ersten zehn Monaten 7,3 Prozent weniger Personenwagen verkauft als im Vorjahr. Die desolate Lage schwappt auf die Zulieferindustrie in der Schweiz über. Die Meldungen über Zulieferbetriebe für die Automobilindustrie, die Stellen abbauen oder Kurzarbeit einführen müssen, mehren sich.

Lohnfertiger unter Druck

Auch am Jurasüdfuss steigt der Druck an. Der sinkenden Nachfrage, gekoppelt mit den Auswirkungen des starken Frankens, kann sich beispielsweise auch die Bellacher Louis Prétat SA nicht entziehen. Der Lohnfertiger in der Präzisionsmechanik – die Firma dreht, fräst, schleift oder hont verschiedenste Teile für andere Zulieferfirmen – ist mit einem Umsatzanteil von rund 75 Prozent stark auf die Autoindustrie ausgerichtet, wie Kuno Prétat ausführt.

Der Anteil der direkten Exporte liege bei rund 30 Prozent, letztlich gelangten aber über Schweizer Zulieferer der Autohersteller praktisch alle Teile ins Ausland. «Deshalb leiden wir trotz Stabilisierung des Eurokurses stark unter dem ungünstigen Wechselkurs», sagt der 50-Jährige, der den Betrieb seit 2003 in zweiter Generation führt.

Prétat blickt zurück. «Anfang 2010 hatten wir Vollbeschäftigung und mussten uns anstrengen, damit wir termingerecht liefern konnten.» Das sei zwar erfreulich gewesen, aber mit dem Zerfall des Euro habe das Unternehmen nicht mehr genügend Geld verdienen können, um Ersatzinvestitionen zu tätigen. Es habe gerade noch gereicht, um laufende Rechnungen, Löhne und gestiegene Sozialversicherungen bezahlen zu können. Man habe zudem auch mehr Geld benötigt, um die gestiegenen Energiekosten und Risiken abzufedern.

Wegen des schwachen Euro sei das Unternehmen ab Herbst 2010 stark unter Druck geraten. «Wir waren konfrontiert mit zusätzlich geforderten Zugeständnissen und Preissenkungen.» Trotz Verständnis, dass exportorientierte Firmen Probleme hätten und auch kämpfen müssten, dürfe es nicht sein, dass «wir als Lohnfertiger immer billiger und noch billiger produzieren müssen und zusätzlich auch noch das Währungsrisiko tragen sollten.»

Zusätzlich zur Eurokrise seien die wichtigsten Kunden wegen der Flaute in der Autoindustrie von sinkenden Aufträgen betroffen, erläutert Prétat. «Die Folge sind eine unregelmässige Auslastung und ein massiver Preisdruck auf die Lohnfertiger.» So komme es vor, dass die Kunden Preissenkungen von 30 Prozent forderten mit der gleichzeitigen Drohung, die Aufträge an andere Lieferanten zu vergeben. «Da kann unser Betrieb, der zwar mit grossen Mengen, aber kleinen Margen arbeitet, gar nicht mithalten.» Oder nur unter Inkaufnahme von hohen Verlusten. Deshalb habe die Firma im laufenden Jahr Aufträge und etliche Akquisitionen bei den Preisverhandlungen verloren.

Zahlreiche Entlassungen

Im Vergleich zur Wirtschaftskrise 2008/09 seien die Auswirkungen dieses Mal heftiger. Die Firma müsse jetzt die Kapazitäten laufend nach dem Markt und dem verlorenen Kundenvolumen ausrichten. In den vergangenen Monaten kam es zu zahlreichen Entlassungen. Mitte 2011 beschäftigte die Firma noch knapp über 50 Angestellte, heute ist es noch die Hälfte, wie Prétat Informationen dieser Zeitung bestätigt. Der Abbau sei in den letzten 12 Monaten sukzessive erfolgt (siehe Kasten). Ein weiterer Abbau sei zu erwarten.

Nun gelte es aber nach vorne zu schauen und Neuaufträge zu akquirieren, sagt Prétat. Ziel sei, sich branchenmässig breiter zu diversifizieren. «Die bislang starke Ausrichtung auf den Automobilsektor stellte ein Klumpenrisiko dar», sagt er rückblickend und selbstkritisch. Er sei aber zuversichtlich, dass, wenn die Wirtschaftslage nicht noch düsterer werde, die 1957 von seinem Vater Louis Prétat gegründete Firma überleben werde; wenn auch deutlich redimensioniert.