Die übrigen sechs Pfarrpersonen, die in der Stadt und im Leberberg arbeiten, hat der Rat wiedergewählt.

Im Gemeindeblatt macht der reformierte Kirchgemeinderat «triftige Gründe» für die Abwahl geltend. Trotz Mediation, Gesprächen und Coachings sei es zu keiner Verbesserung gekommen. «In den vergangenen Jahren wurden verschiedene aussenstehende Stellen wie der Synodalrat der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn oder ein unabhängige, mit externen Experten besetze Administrativkommission um Hilfe gebeten. Sie kamen zum eindeutigen Ergebnis, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr zumutbar sei», hält der Rat fest. Aus Gründen der Persönlichkeitsrechte und des Datenschutzes kann Barbara Fankhauser, Präsidentin des Kirchgemeinderates, keine weiteren Angaben zum Fall machen. Im Gemeindeblatt wird betont, dass keine disziplinarischen oder strafrechtlichen Gründe vorlagen.

«Es gibt keine triftigen Gründe für die Nicht-Wiederwahl», sagt der Pfarrer. «Ich weiss den Hauptgrund noch immer nicht.» Es habe verschieden kleiner Vorwürfe gegeben wie der unwürdige Gebrauch von Abendmahlsgeschirr in Altersheimen. Er nimmt an, dass persönliche Animositäten hinter den Vorwürfen steckten. Barbara Fankhauser bestreitet, dass die Vorwürfe nicht benannt worden seien. «Wir haben schriftlich mitgeteilt, wo die Probleme liegen. Es gibt hier einfach zwei Meinungen.» Und der Kirchgemeinderat stehe mit seiner Meinung nicht alleine da. «Alle anderen Amtskollegen, die Administrativkommission und synodalrätliche Kommission stehen hinter uns.»

Administrativverfahren eingeleitet

Der Fall hat bereits juristische Dimensionen angenommen: Die reformierte Kirche hat ein Administrativverfahren eingeleitet, gegen das der betroffene Pfarrer Ende Juli beim Regierungsrat Beschwerde einreichte.

Publik geworden ist das nun, weil der Bellacher Pfarrer den Entscheid ans Bundesgericht weitergezogen hat. Dies sieht sich derzeit allerdings nicht für zuständig, da noch kantonale Instanzenwege offenstehen. Als nächste Instanz muss sich nun das Solothurner Verwaltungsgericht mit dem Fall beschäftigen.

Der Pfarrer bezweifelt die Rechtmässigkeit der Administrativkommission an, die nun die Vorwürfe gegen ihn erhoben hat. Zuerst war kirchenintern eine Einzelperson der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn mit dem Fall beschäftigt gewesen. «»Offenbar reichte der Befund nicht für die Entlassung», sagt der Pfarrer. Barbara Fankhauser dementiert: «Die synodalrätliche Kommission hat nur kircheninterne Belange untersucht. Sie spricht keine arbeitsrechtlich relevanten Empfehlungen aus.»

Gegen Gemeindeordnung gewehrt

Nicht zum ersten Mal wird ein Konflikt zwischen dem betroffenen Bellacher Pfarrer und seinen Vorgesetzten öffentlich. Ende letzten Jahren wehrte sich der Pfarrer mit Inseraten gegen die neue Gemeindeordnung, die ihm zu undemokratisch erschien. Die Krux an der Ordnung: Seither ist nicht mehr die Basis an der Urne für die Wahl verantwortlich, sondern nur noch der Kirchgemeinderat. Die Hürde zur Abwahl war damals hoch. 50 Prozent aller Stimmberechtigten der 14 beteiligten Gemeinden - von Selzach bis Günsberg - hätten bei einem Namen leer einlegen müssen. Mangels Alternativvorschlägen war es gar nie zu einem Urnengang gekommen. Es gab immer stille Wahlen.

Genau diese Änderung des Gemeindereglements hat dem Pfarrer, der sich zur Wehr setzte, nun den Job gekostet. Erstmals ist die Pfarrwahl jetzt nach der neuen Kirchgemeindeordnung erfolgt. Der Rat hat ihn prompt abgewählt.

Mit der Revision der Kirchgemeindeordnung habe die Nichtwiederwahl keinen direkten Zusammenhang, sagt Barbara Fankhauser, Präsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn. Formell spricht die Kirchgemeinde von keiner Entlassung - als Beamter wurde der Pfarrer nicht wiedergewählt. Als Beamte müssen die Pfarrer aber alle vier Jahre wiedergewählt werden. Auf Ende dieses Monates wird der Familienvater nicht mehr Pfarrer in Bellach sein und in keinem Angestelltenverhältnis mehr zur Kirche stehen.
Am Telefon der reformierten Kirchgemeinde Bellach ist derzeit nur der Anrufbeantworter zu hören. «Zur Zeit ist das Pfarramt Bellach nicht besetzt», heisst es dort. Eine Vertretung wurde eingesetzt.