Bellach
Bellacher Bevölkerung redet beim Recycling-Center mit

Trotz des Widerstands aus dem Dorf gegen das geplante Recycling-Center läuft das Planverfahren weiter – noch dieses Jahr soll eine Mitwirkung stattfinden.

Christof Ramser
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Blick auf Bellach West und den geplanten Standort des Recycling Centers. Der gelbe Bereich ist für die Halle, Lager- und Umschlagplatz vorgesehen. Rot sind Bürogebäude, der Grünstreifen ist der Ersatz für das gerodete Wäldchen. Links der Bildmitte zu sehen ist der neue Marti-Werkhof.

Blick auf Bellach West und den geplanten Standort des Recycling Centers. Der gelbe Bereich ist für die Halle, Lager- und Umschlagplatz vorgesehen. Rot sind Bürogebäude, der Grünstreifen ist der Ersatz für das gerodete Wäldchen. Links der Bildmitte zu sehen ist der neue Marti-Werkhof.

Peter Brotschi/bearbeitung: az

Der Fingerzeig des Bellacher Gemeinderates gegen das geplante Recycling Center kam überraschend. Der Entscheid von vergangener Woche hinterliess offene Fragen. Denn trotz des Beschlusses, einen Teil des Grundstücks in der Reservezone zu belassen, läuft das Planverfahren unvermindert weiter.

Der gleiche Gemeinderat hatte nämlich beschlossen, den Teilzonen- und Gestaltungsplan mit Sonderbauvorschriften in die kantonale Vorprüfung zu schicken. Zudem ist im räumlichen Leitbild festgehalten, dass das Land umgezont werden soll.

Laut dem Bellacher Bauverwalter Hans Lüthi wird die Antwort des Kantons zum Gestaltungsplan im Oktober erwartet. «Dann könnten neue, entscheidende Fakten auf den Tisch kommen.»

Nämlich wenn sich herausstellen sollte, dass der Kanton auf dem Areal zwar den Bau der Bodenwaschanlage unterstützt, andere Vorhaben aber ablehnt. Zur Erinnerung: Für das Gebiet bestanden bereits andere Bauprojekte. Diese wurden vom Kanton jedoch abgelehnt.

Kanton: «Grundsätzlich denkbar»

«Der Standort ist für die Recycling-Anlage grundsätzlich denkbar», sagt Bernard Staub, Chef im kantonalen Amt für Raumplanung, auf Anfrage. Zudem sei eine Umzonung beschränkt auch ausserhalb einer Ortsplanungsrevision möglich. «Die Hürden sind in der Reservezone tiefer als in der Landwirtschaftszone.»

Voraussichtlich noch dieses Jahr wird die Bevölkerung von Bellach anlässlich einer Mitwirkung zum Gestaltungsplan Recycling Center Stellung nehmen können. Auch beim räumlichen Leitbild, das ebenfalls vom Kanton geprüft wurde, werden die Bellacher mitreden können – voraussichtlich im November oder Dezember. Das letzte Wort dazu hat schliesslich die Gemeindeversammlung.

Konnte die Gemeindeversammlung ein Leitbild bisher nur integral annehmen oder ablehnen, könnte sich laut Bernard Staub die Praxis dahingehend ändern, dass man auch «zurückbuchstabieren» kann; einzelne Passagen könnten dann entfernt werden, nicht jedoch hinzugefügt.

Zuerst müsse diese Praxisänderung jedoch vom Rechtsdienst beurteilt werden. Für Bellach eine wesentliche Frage: Sollte diese Reduktion möglich sein, könnte das Recycling Center bei grosser Opposition aus dem Leitbild gekippt werden.

Borregaard ist keine Option

Angesprochen auf dem oft genannten Alternativstandort auf dem Borregaard-Areal winken sowohl Staub als auch Christoph Müller ab. Dort seien Ansiedlungen von höherer Wertschöpfung geplant, und auch punkto Gleisanschluss bietet Bellach die besseren Voraussetzungen – die Gleise könnten dort wesentlich günstiger reaktiviert werden.

«Für uns ist der Standort noch immer geeignet, andere kommen vorläufig nicht infrage», sagt Müller. Er räumt ein, dass im Falle einer Ablehnung auch der Umzug des Marti-Firmensitzes nach Bellach gefährdet sei – will dies aber nicht als Drohung verstanden wissen.

Bereits hat die Marti AG ein Grundstück gekauft und sich den Rest des Geländes mit einem Vorkaufsrecht gesichert. Die Interessensgruppe Lebenswertes Bellach will das Projekt derweil bekämpfen und sich «wenn nötig mit allen juristischen Mitteln dagegen wehren.» Falls die Stimmbevölkerung die Anlage vorher bodigt, würde sich dieses Szenario erübrigen,