Egerkingen
Bekommt Spirig Pharma einen neuen Partner oder Besitzer?

Die Pharmafirma Spirig AG in Egerkingen sucht einen Kooperationspartner, um neue Absatzmärkte zu erobern. Oder läuft alles darauf hin, dass die Firma verkauft wird?

Franz Schaible
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VR-Delegierter Silvio Inderbitzin (l.) und CEO Beat Sägesser sehen weltweites Potenzial für Spirig.

VR-Delegierter Silvio Inderbitzin (l.) und CEO Beat Sägesser sehen weltweites Potenzial für Spirig.

Hansjörg Sahli

In Egerkingen werden demnächst die Weichen für die Zukunft des Pharmaunternehmens Spirig gestellt. Die Signale zeigen offensichtlich in Richtung Verkauf der Firma, die insbesondere durch die Sonnenschutzmarke Daylong in der Öffentlichkeit bekannt ist. Zwar spricht Silvio Inderbitzin, Delegierter des Verwaltungsrates, von der Suche nach «einem strategischen Partner» (wir berichteten).

Auf Nachfrage präzisiert er nun: «Definitionsgemäss ist ein solcher Partner grösser als wir und da darf man nicht blauäugig sein. Ein solcher Partner will nicht nur ein bisschen zusammenarbeiten, er will vielmehr mitbestimmen oder ganz bestimmen.» Deshalb sei man sich bewusst, dass «die Zusammenarbeit mit einem strategischen Partner die Übergabe eines Teils oder sogar aller Aktien und damit einen Besitzerwechsel bedeuten kann».

Neue Märkte für neue Produkte

Der Hauptgrund für die angepeilte Kooperation liege in der strategischen Ausrichtung auf die Dermatologie und die möglichst rasche Erschliessung neuer Absatzmärkte für neue und auch bestehende Produkte, erläutert Inderbitzin und spricht von einer Wachstumsstrategie. Dabei geht es nebst dem Ausbau des angestammten Geschäftes mit den beiden Marken Daylong für den Sonnenschutz und Excipial zur Pflege von trockener Haut um ein neues Segment, die Therapie gegen den weissen Hautkrebs. Ein erstes Produkt – der Wirkstoff zur Bekämpfung der Krebszellen wird über ein Pflaster abgegeben – habe Spirig im vergangenen Jahr einlizenziert und die Rechte für 16 Länder gesichert. «Davon haben wir inzwischen in rund 14 Ländern eine Zulassung bei den Gesundheitsbehörden.» Jene für die Schweiz erwartet Inderbitzin im kommenden Jahr. Die Rechte habe man sich zudem für ein weiteres «hochpotentes Produkt» gesichert, welches sich noch im Entwicklungsstadium befinde und in etwa drei Jahren zur Vermarktung kommen werde.

Es gehe nun darum, das Potenzial in den erwähnten 14 Märkten voll auszuschöpfen. Spirig verfüge aber erst in sechs Ländern über eigene Tochtergesellschaften. «Neue aufzubauen in neuen Territorien, dauert sehr lange, benötigt hohe finanzielle Mittel und birgt, besonders im heutigen wirtschaftlich schwierigen Umfeld, auch erhöhte Risiken», begründet er die Partnersuche. Der Partner müsse idealerweise schon im Bereich Dermatologie tätig sein und über entsprechende Verkaufsorganisationen in möglichst vielen Ländern verfügen. «Wir wollen und müssen mit unseren neuen Produkten möglichst rasch in die neuen Märkte kommen und auch unsere Produktion in Egerkingen noch besser auslasten und damit auch wieder konkurrenzfähiger werden», gibt Inderbitzin das Ziel vor. Dies sei angesichts der «andauernden behördlich verfügten Preissenkungen bei den Arzneimitteln» und dem starken Franken zwingend.

Fragen um Standort Egerkingen

Der gesuchte Partner soll nicht bloss an der Produktepalette interessiert sein, sondern auch an der Aufrechterhaltung der Produktions- und Entwicklungsstätte und der Arbeitsplätze in Egerkingen und in den ausländischen Tochtergesellschaften, antwortet der Verwaltungsratsdelegierte auf die Frage nach der Zukunft des Solothurner Standortes. «Aber Garantien können im jetzigen Zeitpunkt nicht abgegeben werden.» Der Standort sei ein wichtiger Aspekt, schliesslich habe man in den vergangenen sechs Jahren rund 40 Millionen Franken investiert. Das soll nicht vergebens gewesen sein.

Geht nicht «ums grosse Geld»

Es gehe der Eigentümerschaft in diesem Prozess nicht darum, einfach rasch das grosse Geld zu machen, versichert Inderbitzin, sondern darum, das Unternehmen weiterzuentwickeln. Spirig befindet sich seit dem Management-Buyout 1984 im privaten Besitz der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates. «Wir werden deshalb nicht an einen Private-Equi-ty-Investor verkaufen, der nichts mit dem Business direkt anfangen kann und dies lediglich als Investment für einen späteren Weiterverkauf mit Gewinn sehen will.» Man werde selbstständig und ohne Druck von aussen entscheiden. «Wenn uns ein Interessent nicht zusagt, sagen wir ab. Das ist auch schon vorgekommen», schildert er den Suchprozess.

Entscheid spätestens Anfang 2013

Dieser soll bis Ende Jahr, spätestens aber Anfang 2013, abgeschlossen sein. «Wichtig ist, dass die Unsicherheit, auch für die Mitarbeitenden und Kunden, rasch beseitigt und eine gewisse Planungssicherheit hergestellt wird.» Bei den Interessenten handle es sich vorwiegend um multinationale Unternehmen.