Utzenstorf
Beim Schloss Landshut werden «gotthelfische» Szenen aufgeführt

Gotthelfs Frauenfiguren erwachen in Spielszenen im Park des Schlosses Landshut zu neuem Leben.

Gundi Klemm
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Die gesamte Schauspieltruppe von «So ein handlich Weib», dem Szenenspiel nach Gotthelfs Frauenfiguren von Iris Minder.

Die gesamte Schauspieltruppe von «So ein handlich Weib», dem Szenenspiel nach Gotthelfs Frauenfiguren von Iris Minder.

Gundi Klemm

Seit Jahren schon zählen Theateraufführungen zum Programm auf Schloss Landshut. Viele Male trugen sie die Handschrift von Autorin und Regisseurin Iris Minder, die mit ihrer 17-köpfigen Schauspieltruppe in diesem Sommer die Gedankenwelt des Schriftstellers Jeremias Gotthelf (1797–1854 ) in Kurzauszügen aus seinem Werk lebendig werden lässt.

An ausgesuchten Frauenfiguren aus dem dichterischen Schatz schildert Minder unterschiedlichste weibliche Charaktere, wie Gotthelf sie mit seiner Beobachtungsgabe, realistischer Treffsicherheit aber auch mit einer ordentliche Prise Moralin zeichnete.

Utzenstorf, wo der Pfarrerssohn Albert Bitzius, der später das Pseudonym Jeremias Gotthelf annahm, Teile seiner Kindheit und Jugend zubrachte, zählt wie sein späterer Lebensmittelpunkt Lützelflüh zum Gotthelf-Land. Hier lernte er bäuerliches Leben kennen und erinnerte sich in späteren Romanen wie etwa in «Anne Bäbi Jowäger» an die mit Land und Leuten gemachten Erfahrungen. In ihrem fliessend verbundenen Streifzug durch Texte um Gotthelfs Frauenfiguren spart Minder die gutgläubige Mutter Anne Bäbi nicht aus, die in der Behandlung ihres Sohnes fast sektiererisch den Kurpfuschern verfallen war.

Hautnah am Geschehen

Das Publikum, das beim Rundgang durch den Park hautnah am Geschehen teilnimmt, erlebt ebenso einen gar nicht so seltenen Schwiegermutterkonflikt unter dem gleichermassen die Mutter, Mädeli und ihr Mann, der Schulmeister Peter, leiden.

Beim Thema Schule verführt Gotthelf, Anhänger der Pestalozzi-Pädagogik, seine Protagonisten zu einem Seitenhieb gegen das zu Beginn des Jahrhunderts verlotterte und dringend erneuerungsbedürftige Bildungswesen.

Und weiter gehts im literarischen Spaziergang zu vorbildlich gütigen, kraftvollen und auch geradezu löwenstarken Frauengestalten. Bösartigkeit, Klatschsucht und Geschwätzigkeit kann der Dichter an keiner Frau leiden. Vielmehr ist er überzeugt, dass die «handlichen Weiber, aus denen ein klein wenig Demut guckt», die Männer besser machen. «Gute Frauen mit Verstand und mit dem Herz auf dem rechten Fleck sind Diamanten der Menschheit und die Wohlfahrt des Landes», hält er in Grundsatzaussagen fest.

In seinem bedeutenden Werk «Die schwarze Spinne» erzählt Gotthelf die Legende um den brutalen Herrn von Trachselwald, der seinen Bauern den Bau eines baumbestandenen «Schattengangs» zum Schloss über Nacht befahl, und damit Christine, eine junge, vom Dorf geächtete Fremde zum Pakt mit dem Teufel verführte.

Diese Szene geht unter die Haut. Aus den Uli-Büchern stammt das arrogante Elisi, das «fürnehm hürate» will, jedoch an einem Pleitier hängen bleibt und dennoch nichts daraus lernt. Zauber verbreitet die gemütvolle Geschichte um das «Erdbeermareili», das in einer Patrizierin eine liebevolle Freundin fand.

Was nimmt man mit?

Unverwechselbar «gotthelfisch» wirkt die bodenständige und doch so differenziert farbige Sprache, die der Schauspieltruppe sicher und mühelos über die Lippen geht. Mitreissend gelingen die Inszenierungs-Ideen, die sogar das mitspazierende Publikum zu einem Tänzchen mit Musik einladen. In der begleitenden Erzählerin, der Gotthelf-Tochter Cecile Von Rütte-Bitzius samt Sohn, erhält das Szenenspiel geschickte Überleitung zum nächsten Spielort.

Mit diesen Auftritten im Landshut-Park feiert Iris Minder übrigens ihr zehntes Szenenspiel. Als Zuschauer ist man stets auf Augenhöhe mit den Spielern und erlebt im Geschehen einen tiefgründigen Blick in weibliche Seelen.

Aufführungen Park Schloss Landshut 14. 6. bis 7. 7. Reservation Tel. 032 666 42 60 (Gemeindeverwaltung Bätterkinden, Mo-Fr von 8 bis 11.30 Uhr; 14 bis 16 Uhr.