Amphibien

Beim Baslerweiher muss zum Schutz der Tiere etwas unternommen werden

Baslerweiher in Seewen

Baslerweiher in Seewen

Das Gebiet um den Kleinsee «Baslerweiher» in Seewen ist ein grosses Amphibienlaichgebiet. Die Bestandszahlen der Amphibien gehen jährlich zurück. Auch aufgrund fehlender Infrastruktur.

Vor 9 Jahren wurde an der Bretzwilerstrasse am Baslerweiher ein Leitwerk mit drei Durchlässen für Amphibien und andere Kleintiere gebaut. Für den Bau dieser Anlage wurden 200‘000 Franken von Bund und Kanton gutgesprochen, gekostet hat er letztlich 167‘000 Franken. Man dachte, damit sei das Problem gelöst, jedoch kam im Jahr 2016 der Hilfeschrei von Anwohnern: immer noch werden jährlich hunderte Amphibien durch den Verkehr getötet.

«Leider deckt das bestehende Leitwerk nur den südlichen Teil der Wanderroute der Amphibien ab. Im nördlichen Abschnitt, wo das Terrain sehr steil ist, gelangen die Amphibien weiterhin ungehindert auf die Strasse», wie Esther Schweizer, Umweltingenieurin FH und Regionalvertretung Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz (karch) Kanton Solothurn Nordost, berichtet.

Dies ist das bereits vorhandene Leitwerk im flachen Teil des Gebiets.

Dies ist das bereits vorhandene Leitwerk im flachen Teil des Gebiets.

Das Amt für Raumplanung und die karch wollen dringend etwas dagegen unternehmen. «Alle einheimischen Amphibienarten sind gesetzlich geschützt, ebenso ihre Lebensräume», so Schweizer. «Der Baslerweiher ist ein Amphibienlaichgebiet nationaler Bedeutung, weil fünf Amphibienarten hier leben und sich vermehren wollen. Die Anzahl der Grasfrösche und Erdkröten geht aber seit Jahren zurück, deshalb ist der Handlungsbedarf gross».

Amphibien sind wechselwarm, das heisst sie erzeugen selber keine Körperwärme. Sie können ihre Körpertemperatur jedoch beeinflussen, indem sie eine wärmere oder kühlere Umgebung aufsuchen. Erreichen Amphibien bei ihrer Wanderung eine Strasse, so bleiben sie oft stehen, um die abstrahlende Wärme zu tanken, die im Asphalt gespeichert ist und auch um Brautschau zu betreiben. Dieses Verharren endet vielfach tödlich für die Tiere. Und: «Werden Individuen bereits bei der Hinwanderung zum Laichplatz getötet, so findet auch keine Fortpflanzung statt und die Population stirbt langsam aus», so Schweizer.

Zur Not haben Anwohner oberhalb der Bretzwilerstrasse mit Hilfe der Forstbetriebe und des Strassenbauamtes einen temporären Zaun aus Plastik aufgestellt und Fangeimer eingegraben. Seit zwei Jahren patrouillieren sie nun im März und April zweimal täglich am Zaun und auf der Strasse und sammeln die Tiere ein, um sie sicher über die Strasse zu transportieren. Auf diese Weise kann die Anzahl der überfahrenen Tiere auf etwa die Hälfte reduziert werden, doch immer noch gelangen viele Tiere ungehindert auf die Strasse. In den Fangeimern müssen die Amphibien zudem oft lange warten bis ihre Helfer wieder vor Ort sind. Während dieser Zeit besteht die Gefahr, dass sie von Vögeln oder Füchsen gefressen werden.

In diese Fangeimer fallen die Amphibien hinein und werden dann von den Helfern weitertransportiert.

In diese Fangeimer fallen die Amphibien hinein und werden dann von den Helfern weitertransportiert.

Auch für die Helfer ist die Aktion gefährlich. Der steile Abhang unterhalb des Fangzaunes grenzt direkt an die Strasse. Bei Regen und Nässe besteht eine hohe Rutschgefahr, und auf dem betreffenden Strassenabschnitt gilt eine Geschwindigkeitsgrenze von 80 km/h. Die temporär aufgestellte Warntafel mit Blinklicht und dem Hinweis «Freiwillig 30 km/h» werde laut der Umweltingenieurin leider häufig missachtet.

Der Hang direkt unter dem Amphibien Zaun neben dem Baslerweiher

Der Hang direkt unter dem Amphibien Zaun neben dem Baslerweiher

Benötigtes Leitwerk

Um die Vorkommen von Erdkröten, Grasfröschen, Geburtshelferkröten, Fadenmolchen und Bergmolchen nachhaltig auf ihrer Wanderung zwischen Laichplatz und Landlebensraum schützen zu können, müsste das bestehende Leitwerk beidseits der Strasse 500 Meter nach Norden verlängert und mit weiteren Durchlässen bestückt werden. 

Technisch wäre dies mit einigen Kompromissen durchaus machbar, wie eine Abklärung vor Ort mit einem renommierten Bauunternehmen ergab, so Schweizer. «Wir möchten mit dem Departement für Bau und Justiz im Gespräch bleiben und Lösungen suchen. Vielleicht kann das Leitwerk auch etappenweise realisiert und die Kosten auf zwei Jahre verteilt werden».

Aufwertungsmassnahmen am Weiher und seinen Uferbereichen könnten dazu führen, dass mehr Amphibien direkt im Uferbereich überwintern und sogar ein Teil des kostspieligen Leitwerkes eingespart werden könnte, so die Umweltingenieurin.

Thomas Schwaller vom Amt für Raumplanung sagt dazu: «Der Kanton ist zur Zeit noch nicht im Besitz der detaillierten Machbarkeitsstudie des beauftragten Ingenieurs. Sobald diese vorliegt, werden nochmals mögliche, kostengünstigere Sanierungsalternativen, bzw. Schutzmassnahmen der Amphibienzugstelle mit den beteiligten Stellen diskutiert».

Das als Bestvariante evaluierte Sanierungsprojekt werde aus Kostengründen aber vorläufig nicht weiterverfolgt, so Schwaller.

Mangel an geeigneten Lebensräumen

Hauptursache der rückläufigen Amphibienbestände in der Schweiz ist der Mangel an geeigneten Laichgewässern und Landlebensräumen. Da, wo diese noch vorhanden sind, werden sie durch ein immer dichteres Strassennetz räumlich voneinander getrennt. In der Folge entstehen immer mehr «Löcher auf der Landkarte», wo Amphibien gar nicht mehr vorkommen. Die verbleibenden Vorkommen werden isoliert und können ihre Gene nicht mehr austauschen. Dadurch sinkt die Robustheit und Überlebenskraft der verbleibenden Arten.

Weil Tümpel, Teiche, Seeufer, Moore und andere Feuchtgebiete nicht mehr auf natürlichem Weg entstehen, legen Kanton und viele Non-Profit Organisationen wie Pro Natura mit Hilfe von Baumaschinen und Freiwilligen neue Laichgewässer für Amphibien an. Doch auch diese Gewässer müssen ungehinderten Zugang zu geeigneten Landlebensräumen wie strukturreiche und pestizidfreie Landwirtschaftsgebiete, Wälder und Waldränder bieten, um Amphibien langfristig fördern zu können. Unser dichtes Strassennetz ist oft ein grosses Hindernis und muss deshalb mit baulichen Massnahmen überbrückt werden.

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