«Das hat doch Vorteile»

Am grossen Tisch in der geräumigen Küche von Bauernfamilie Walser-Hafner auf der Unteren Wechten in Mümliswil geht es lustig zu. Die 90-jährige Grossmutter Pauline erzählt aus ihrer Kindheit: «Mir wurde oft gesagt, ich würde der Grossmutter gleichen. Zu sagen traute ich mich nichts, aber ich dachte: So wüst bin ich doch nicht.» An diesem Tisch kommen drei Generationen täglich zusammen für alle Mahlzeiten. Denn die Grossmutter, die Eltern und die zwei Söhne wohnen in der gleichen Wohnung; Grossvater Adolf starb vor sieben Jahren.

Als Rita Hafner vor bald 30 Jahren Beat Walser heiratete, überlegte sie sich keinen Moment, ob sie einziehen wolle unters gleiche Dach wie ihre Schwiegereltern. «Vielmehr dachte ich, das Zusammenleben von mehreren Generationen habe doch auch Vorteile. So könnten sich die Frauen abwechseln beim Kochen, Kinderhüten und bei der Mitarbeit in Hof und Stall», erinnert sie sich.

Heute sagt Rita Walser überzeugt, sie hätten es gut gemeistert zusammen. Selbstverständlich habe es auch in ihrer Familie Unstimmigkeiten gegeben. Aber sie hätten immer darüber reden können. Sie freut sich, dass über ihr gutes Beispiel zu lesen ist in der Zeitung. «Erfahrungsgemäss lesen wir doch nur von den negativen.»

Keine Diskussion über Nachfolge

Pauline Walser erwähnt stolz, dass die Untere Wechten seit 98 Jahren im Besitz der Familie ist; später habe ihr Mann noch die Obere Wechten gekauft, die ihr zweiter Sohn Franz mit seiner Familie bewirtschaftet. Neben den beiden Söhnen haben Walsers zwei Töchter, Rita wohnt in Hägendorf, Anna in Beinwil. Rita und Beat Walser haben zwei Söhne, Dieter (26) und Jörg (25). Sie können sich gar nicht vorstellen, ohne die Grosseltern aufgewachsen zu sein. «Sie waren immer da», sagt Dieter, «und sie gehören zu uns.»

Beide kümmern sich liebevoll um ihre Grossmutter, wenn die Eltern sonst beschäftigt sind. «Wir sind alle füreinander da.» Über die Hofnachfolge – es wird Milchwirtschaft und Aufzucht betrieben – gab es nie Diskussionen. Dieter hält fest, er habe Tiere gern. Jörg dagegen faszinieren Maschinen, deshalb lernte er Landmaschinenmechaniker. Seit gut zwei Jahren arbeitet er bei Stirnimann Olten als Baukranmonteur. Das sei ein interessanter Beruf und er komme viel herum in der ganzen Schweiz, aber am Abend gerne heim.

Irgendwie wie Weihnachten

Rita Walser formt Rosen aus Krepppapier, ihr Mann bindet sie mit Draht zusammen. Die Bäuerin hat herausgefunden, dass die Kühe diesen Blumenschmuck weniger gut abstreifen können als echten. Die 12. Passwangviehschau ist ein präsentes Thema. Das wird bei den anderen Familien der Viehzuchtgenossenschaft Passwang (VZGP) nicht anders sein. Denn diese Schau ist irgendwie wie Weihnachten. Kinder, Grosskinder, Urgrosskinder kommen nach Hause. Sie helfen am Schautag frühmorgens bei den Vorbereitungen, treiben die Tiere auf den Schauplatz und machen sich nützlich in der Festwirtschaft und auf dem Schauplatz. «Ich kann halt nicht mehr mitgehen», sagt Grossmutter Pauline ohne Bitternis.

Am nächsten Mittwoch, 3. Oktober, wird Familie Walser mit Kuh Erika und ihren zehn Kolleginnen über die Obere Wechten und die Egg zum Schauplatz auf dem Hof von Familie Christine und Paul Lisser, Mittlerer Passwang, marschieren. Rund 120 Tiere werden die Mitglieder der VZGP unter Jauchzen, Treicheln- und Glockengeläute aus allen Winden auf den Schauplatz treiben. Sie laden die Bevölkerung ein, dabei zu sein.

Es wird empfohlen, spätestens ab halb zehn Uhr auf dem Schauplatz oder auf dem Parkplatz Zingelen warten. Die Festwirtschaft ist ab 9 Uhr geöffnet. Wer mit öffentlichem Verkehr anreist, nimmt das Postauto Nr. 115 von Zwingen oder von Balsthal und steigt bei der Haltestelle Passwang aus. Von dort sind es rund 20 Minuten zu Fuss zum Schauplatz.