Bellach

Behördlich bestätigt: Grederhof Ost ist kein Problemquartier

Areal der Grederhöfe

Areal der Grederhöfe

Im Grederhof Ost lebt beinahe ein Drittel der Bevölkerung von Bellach. Das Quartier hat einen schlechten Ruf. «So schlecht, wie es von aussen oft gemacht wird, ist es aber bei weitem nicht», meint nun eine gemeinderätliche Arbeitsgruppe.

Schmelztiegel der Rassen, problematisches Quartier, Verluderung der Sitten, Abfall und Raser auf den Quartierstrassen: beim Hörensagen wachsen Gerüchte wie Blumenkohlwolken in den Himmel. Manche zerfallen in nichts. Ist das auch im Bellacher Quartier Grederhof Ost der Fall?

Im Grederhof Ost lebt beinahe ein Drittel der Bevölkerung von Bellach. Das Quartier mit den Blöcken an der Grenze zu Solothurn hat einen schlechten Ruf. Das schreibt ungeschminkt auch die gemeinderätliche Arbeitsgruppe I in ihrem abschliessenden Bericht, fügt allerdings ein grosses «Aber» hinzu. Die Arbeitsgruppe wurde im April 2012 gebildet und bearbeitete das Legislaturziel «Problematische Quartiere werden mit flankierenden Massnahmen aufgewertet».

In einem Informationsschreiben, das die Gemeinde der Bevölkerung im Quartier Grederhof Ost in diesem Monat zukommen lassen wird, beruhigt nun die Arbeitsgruppe: «So schlecht, wie es von aussen oft gemacht wird, ist es aber bei weitem nicht.» Roland Stadler, Präsident der Arbeitsgruppe I fügt an: «Da wurde viel gemunkelt, aber ein genaueres Hinsehen zeigte, dass es bei weitem nicht so schlimm ist.»

Das Schreiben entspricht im Wesentlichen dem abschliessenden Bericht der Arbeitsgruppe. In den letzten Jahren sei sehr viel in die Liegenschaften investiert worden, wird im Bericht erläutert. «Begrüssenswert wäre es natürlich, wenn die Besitzer auch in moderne und vor allem kinderfreundliche Spielplätze investieren und zudem die Abfallproblematik angehen würden.» Diese beiden Problemzonen sind offenbar die klarsten Zeichen für den schlechten Ruf des Quartiers, welche die Arbeitsgruppe in diversen internen Diskussionsrunden mit verschiedenen Interessengruppen wie Quartierbewohner, Eigentümer, Verwaltungen, Polizei, Soziale Dienste etc. herauskristallisieren konnte.

Acht Seiten «Hausregeln»

Acht Seiten stark ist das Informationsschreiben, das von «Parkplatzsituation» bis zu «Vorgehen bei Beanstandungen» unzählige Punkte auflistet, die von der Arbeitsgruppe diskutiert wurden. Das Infoschreiben erinnert an die «Allgemeinen Hausregeln» eines Mietvertrages. Generell wird darauf hingewiesen, dass der Einfluss des Gemeinderats und der Gemeindeverwaltung sehr gering sei. «Für vieles sind die Liegenschaftsbesitzer verantwortlich und zuständig.» Aus den Anträgen wird deutlich, dass der Bauverwaltung rund um Hans Lüthi künftig eine tragende Rolle zukommen soll.

Die Bauverwaltung wird zum Scharnier von Polizei zur Mieterschaft und zu den Liegenschaftsbesitzern in Bellach Ost. Sie soll helfen, falls die Mieter bessere Spielplätze von den Liegenschaftsbesitzern wollen. Sie weist Letztere auf die mangelhafte Container-Situation hin oder informiert über schlecht wahrgenommene Hauswartleistungen.

Und auch bei Lärmbelästigung soll die Bauverwaltung in Aktion treten. Und nicht zuletzt, so Antrag 8 im Beschlussentwurf, sorgt die Bauverwaltung dafür, dass die bestehenden 31 alten Robidog-Spender im gesamten Gemeindegebiet mit Reserve-Sackspendern nachzurüsten sind. Im Übrigen, ebenfalls nachzulesen im Bericht der Arbeitsgruppe I, wurden bereits diverse Missstände im Bereich Verkehr durch vermehrte Kontrollen der Polizei gemindert. – So weit, so gut.

Machtlose Gemeinde

Der Bericht über die zweijährige Tätigkeit der gemeinderätlichen Arbeitsgruppe war im Rat nicht unumstritten. «Der Bauverwalter ist doch überlastet, wie soll er da noch diese zusätzlichen Aufgaben wahrnehmen», fragte der Grüne Felix Glatz-Böni, Nichtmitglied der Arbeitsgruppe. «Die Polizei wollte eine Kontaktperson, die auch über bestimmte Kompetenzen verfügt», antwortete der Freisinnige Roland Stadler.

SP-Frau Erika Biberstein, Mitglied der Arbeitsgruppe, findet es gut, weiterhin proaktiv zu wirken. Und der Präsident wiederum findet es wichtig, offenzulegen, dass der Gemeinde die Hände gebunden seien. «Meistens ist der Adressat der Grundeigentümer.»

Felix Glatz-Böni stellte den Antrag, im Bericht den einen Satz zu streichen: Der Einsatz eines Sozialarbeiters ist momentan nicht finanzierbar. «Wenn wir das wollen, können wir das auch finanzieren», so Böni. Die Arbeitsgruppe habe dies so entschieden, entgegnete Stadler. «Wenn die Arbeitsgruppe dies so entschieden hat, wollen wir uns doch diesen Satz nicht aus dem Bericht streichen lassen. Ein Sozialarbeiter ist im Moment zu teuer», ergänzt Stadler auf Anfrage. Der Antrag wird mit einer Ja-Stimme gegen 11 Nein und einer Enthaltung abgelehnt.

Der Massnahmenkatalog mit insgesamt zehn Punkten wiederum wurde einstimmig angenommen. Punkt 10 besagt, dass die Arbeitsgruppe aufgelöst wird. Allfällige Fragen zum Informationsschreiben sollen von den ehemaligen Mitgliedern der Gruppe im Nachgang in geeigneter Form beantwortet werden.

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