Fünf Schüler sitzen in einem Kreis und blättern in der az Solothurner Zeitung. Welchen Text würden sie lesen? Und weshalb? «Mit Marsmännchen wieder gehen lernen», das sei ein spannender Titel sagt der eine Junge. Aber wieso? «Er tönt vielversprechend und verrät dennoch nicht zu viel», sagt ein anderer.

Während die Runde, bestehend aus Schülerinnen und Schülern der fünften und sechsten Klasse, gerade eine Art «Blattkritik» abhält, haben sich die Mädchen und Buben der dritten und vierten Klasse um einen Tisch versammelt, um ein Plakat zu gestalten zur Frage, welche Medien sie konsumieren.

Seit Ende der Schulferien ist dies die erste Doppellektion Begabungsförderung, die im Mühlemattschulhaus in Biberist stattfindet. Im Verlaufe des Schuljahres werden die teilnehmenden Schüler nun jeden Mittwochvormittag von einer Fachperson unterrichtet – dieses Mal zum Thema Journalismus durch Christoph Neuenschwander, Redaktor dieser Zeitung.

«Die Kinder sind sehr aufgeweckt und spürbar motiviert», sagt Neuenschwander, was beste Voraussetzungen für die Umsetzung seiner Pläne sind. In einem theoretischen Teil wolle er den Schülern die verschiedenen Medien näher bringen und aufzeigen, worin sie sich unterscheiden. In einem eher praktischen Teil sollen die Schüler verschiedene Textsorten kennen lernen und selber auch Artikel schreiben lernen. Letzteres mit dem Ziel, den einen oder anderen Text auch zu publizieren, sagt er.

Eine zusätzliche Herausforderung

Es ist das achte Jahr, in dem die Primarschule Biberist die Begabungsförderung anbietet. «Sie richtet sich an Kinder, die eine zusätzliche Herausforderung suchen», sagt Susanne Mollica, Schulleiterin der Gemeindeschule Biberist. Die Schüler nehmen nämlich an der Begabungsförderung teil, während ihre Klassenkameraden den regulären Unterricht besuchen. «Das bedeutet, dass sie den verpassten Stoff selbstständig nacharbeiten und bisweilen auch Hausaufgaben der Begabungsförderung erledigen müssen.»

Dementsprechend hat ein Kind bestimmte Anforderungen zu erfüllen, um in die Begabungsförderung aufgenommen zu werden: Nicht nur schulisch muss es gute Leistungen aufweisen, sondern auch eine gute Eigenmotivation, Sozial- und Selbstkompetenz sowie eine schnelle Auffassungsgabe und Neugierde mit sich bringen. Ausserdem muss es selbstständig denken und handeln können. Basierend auf diesen Kriterien, können Lehrpersonen Kinder für die Begabungsförderung empfehlen und/oder Kinder können sich auf Eigenwunsch, unterstützt durch ihre Eltern, dazu anmelden.

Aber wer zugelassen wird, entscheidet die Schulleitung zusammen mit der Arbeitsgruppe Begabungsförderung, bestehend aus drei Lehrpersonen. Gemeinsam legen sie auch das einjährige Thema fest, das jeweils erst nach der definitiven Aufnahme bekannt gegeben wird. «Wir gehen davon aus, dass sich begabte Kinder vielseitig interessieren», begründet Mollica.

Ausgeglichenes Angebot schaffen

Von den rund 350 Schülern der dritten bis sechsten Klassen in Biberist besuchen derzeit 10 die Begabungsförderung. Diese kostet die Gemeinde jährlich gegen 9000 Franken. Aus Sicht von Gemeindepräsident Martin Blaser ist es aber nicht so, dass nur eine Minderheit von diesen Aufwendungen profitiert, im Gegenteil. Es gehe vielmehr darum, neben dem normalen Schulprogramm ein ausgeglichenes Angebot zu schaffen, denn: «Wie die Leistungsschwachen können auch die Leistungsstarken eine gewisse Unruhe in den Unterricht bringen», sagt Blaser.

Es gehe darum, diese Spitzen zu brechen und die Kapazitäten der Leistungsstarken mit neuen Inhalten auszufüllen. Deshalb fänden diese Lektionen auch bewusst nicht innerhalb der regulären Fächer statt, denn «darin sind die begabten Kinder ja bereits gut», sind sich Blaser und Mollica einig. «Vielmehr sollen sich die Schüler tiefer mit einem Thema auseinandersetzten, als dies im Regelunterricht möglich ist», sagen Mollica und Blaser: «Ziel ist es, diese Kinder zu fordern, mit dem Gedanken, sie zu fördern.»