«Die Stimmung im Klassenzimmer ist gelöst.» Worte, die aus der Feder eines erfahrenen Journalisten zum bildhaften Einstieg in einen Text stammen könnten. Tatsächlich findet sich die Zeile im ersten Artikel von Jeanne, Eric, Tobias und Yanik – alle Primarschüler aus Biberist.

Die vier besuchen jeden Mittwochmorgen die Begabtenförderung, die dieses Jahr ganz im Zeichen der Medien steht. Dazu gehört neben der Auseinandersetzung mit verschiedenen Arten der Berichterstattung natürlich auch das Verfassen eigener Texte.

«Wir schreiben einen Artikel für den ‹Biberister Kurier›», erklärt Suvethaa. Das braunhaarige Mädchen und seine drei Freundinnen aus der vierten Klasse arbeiten gerade an ihrem Bericht über eine Modenschau, die einige 9. Klässlerinnen organisieren.

Sie diskutieren eifrig über Formulierungen und richtige Schreibweisen, dabei zeigt das Lachen der Mädchen, dass sie grossen Spass haben. Ablenken lassen sie sich aber nicht – so wie es ihnen Christoph Neuenschwander, Journalist der Solothurner Zeitung und derzeit Lehrer in der Begabtenförderung, aufgetragen hatte.

Kurz drehen sich die Mädchen um, um die Fragen der Journalistin zu beantworten und wenden sich sogleich wieder dem Bildschirm zu. Denn bald ist Redaktionsschluss und heute die letzte Lektion, in der die Schülerinnen und Schüler an ihren Texten arbeiten können.

Mord und Totschlag

Derweil die einen ihren Artikeln noch den letzten Schliff verpassen, arbeiten die anderen schon am nächsten Projekt: der Gerichtsberichterstattung. Dafür müssen noch Verbrechen her, was viel Erfindungsgeist erfordert, den die cleveren Schülerinnen und Schüler souverän unter Beweis stellen.

Während der Detektiv Tim in Mikas Text ein geheimnisvolles Treffen beobachtet, ist die Polizei in Gioias Krimi einem Serienkiller auf der Spur, der es auf junge Mädchen abgesehen hat. Unheimlich. «Ich schaue mir gerne gruselige Filme an», gesteht die 11-Jährige mit einem Lächeln.

Die Lektionen gefallen ihr sehr gut, sagt die 5. Klässlerin. «Der Unterricht ist unterhaltsam und ich lerne, gut zu schreiben.» Auch Eric und Jeanne kommen gerne zur Begabtenförderung.

Dass sie den Sachkundeunterricht, den sie dadurch verpassen, selbstständig nachholen müssen, stört sie nicht. Unter den restlichen Anwesenden herrscht die von Eric beobachtete «gelöste Stimmung».

Die jungen Krimiautoren haben sich im Raum verteilt und schreiben eifrig ihre Ideen nieder. Zwischenzeitlich «blödle» die Jungs miteinander, die Anziehungskraft ihrer Geschichten scheint letztlich aber stärker zu sein.

«Spannend und trocken»

«Wir sind fertig!», ruft Eric gegen Ende der Lektion. Damit folgt das kritische Gegenlesen durch Christoph Neuenschwander. Hier wird eine Formulierung angepasst, dort ein Wort verbessert – plötzlich lacht der Lehrer auf.

Zu Beginn des Schuljahres hatten die Jungjournalisten verschiedene Printmedien unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis hat es nun auch in den Artikel geschafft: «Die Solothurner Zeitung schreibt spannend und trocken.»

«Sie meinten wohl sachlich», so Neuenschwander lachend, bevor er den Bericht absegnet. Kurz darauf sind auch die Mädchen mit ihrem Modenschau-Artikel fertig. Der Lehrer kann noch gerade einige Fotos zusammen mit den Schülerinnen beschriften, als die Klingel auch schon das Ende des Unterrichtes verkündet. «Ach, ich wollte doch noch weiterschreiben!», klagt Mika. Die Geschichte von Detektiv Tim schreibt er halt in den Sportferien fertig.

Die beiden Artikel der Schüler erscheinen in der nächsten Ausgabe des «Biberister Kuriers», am 18. März 2014.