Wangen an der Aare
Beatrice Hostettler hat als Regisseurin ihre «Berufung» gefunden

Ihre Premiere hatte sie vor einem Jahr mit der Fürobebüni Wangen im Kellertheater. Seither ist Beatrice Hostettler vom Regie-Virus gepackt. Jetzt wagt sie sich an eine Freilichtaufführung und ist mitten in der Probearbeit.

Renate Bigler-Nägeli
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Beatrice Hostettler hat als Regisseurin ihre «Berufung» gefunden. H. Bärtschi

Beatrice Hostettler hat als Regisseurin ihre «Berufung» gefunden. H. Bärtschi

Der Regen fällt fast pausenlos an diesem Mittwoch. Doch gegen Abend hellt es überraschend auf. «Nun hätte man doch draussen proben können», sagt Beatrice Hostettler. Doch sie wird heute wie abgemacht ihre Schauspieler in der Turnhalle beim Wangener Schulhaus treffen.

Projekt, das alle packte

Seit März sind sie am Proben, die 16 Laienschauspieler, Männer und Frauen aus Wangen und Umgebung. Es ist ein Projekt, das von Kurt Eggimann ins Leben gerufen wurde und alle packte. Die Idee sei letzten Sommer entstanden, erzählt Hostettler: in der Hohfure in Wangen an der Aare, im Wald, ein Theater aufzuführen.

Genauer gesagt in einer kleinen Grube, dem «Grüebli». Die Idee nahm Gestalt an, ein Verein wurde gegründet, die Regisseurin war bald gefunden, die Schauspieler nach und nach auch. Die Auswahl des Stückes bereitete noch einiges Kopfzerbrechen, doch schliesslich entschied man sich für «Liebi, Tod und Vergäbig».

Freilicht-Waldtheater

Szenenwechsel: Montagabend im Wald. Es ist ruhig, ausser Vogelgezwitscher und dem fernen Rauschen der Autobahn ist nichts zu hören. Doch in der kleinen Grube tut sich einiges. «Hier entsteht das Freilicht-Waldtheater des Vereins Waudbüni Hohfure», steht auf einem Plakat. Weglein und eine Treppe sind bereits angelegt. Ein zweistöckiges Haus, zwei kleinere Gebäude, ein Brunnen.

Dazwischen ein Dutzend Frauen und Männer am Proben, alle warm eingepackt, denn es weht ein kühler Wind. Mitten unter ihnen Beatrice Hostettler, mit dem Textbuch in der Hand, hoch konzentriert. Korrigiert hier, ermuntert da, lobt, gibt Ideen. Ihre Anweisungen sind ruhig und klar.

Vieles den Schauspielern zu verdanken

Es ist erst die zweite Regiearbeit der 54-jährigen Wangerin. Die Souffleuse der beliebten Fürobebüni Wangen übernahm vor zwei Jahren den Posten der langjährigen Regisseurin Dora Jäggi. Sie machte sich mit viel Begeisterung an die Arbeit und besuchte einen Regiekurs an der Theaterschule Grenchen. «Ich hatte das Gefühl, mir noch einige Grundlagen aneignen zu müssen.»

Worauf gilt es bei der Auswahl des Stücks zu achten, wie ist das mit Tantiemen, was darf man ändern, wie macht man einen Probenplan? Das aufgeführte Stück wurde ein Erfolg, schon vor der Premiere waren alle acht Vorstellungen im Kellertheater ausverkauft. «Ich habe vieles den Schauspielern zu verdanken», betont Beatrice Hostettler. «Sie sind immer sehr motiviert.»

Sie selbst war und ist es ebenfalls. «Es macht mir einfach Spass, mit einem Team zusammenzuarbeiten, zu schauen, was man auf einer Bühne umsetzen kann. Es ist sehr kreativ, und das fasziniert mich.» Selbst auf der Bühne stehen möchte sie dagegen nicht.

Andere Dimensionen

Nun wagte sie sich an eine noch grössere Herausforderung. Der Spielort im «Grüebli» ist mit der engen Bühne des Kellertheaters nicht zu vergleichen, hat sie aber sofort begeistert. «Wir haben viel mehr Platz hier, die Dimensionen sind ganz anders.» Vieles gilt es noch auszuprobieren. «Es ist für uns alle spannend und aufregend», betont die Regisseurin. Für alle, das ganze OK, und auch für die Schauspieler sei es etwas Neues, etwas Besonderes.

Es soll auch ein einmaliges Projekt sein. Zumindest ist das so geplant. Beatrice Hostettler hatte zu Beginn fast schlaflose Nächte, fragte sich oft, ob sie das überhaupt schaffen würde. Doch alle seien topmotiviert.

In Wangen verwurzelt

Neben ihrer Arbeit als Gemeindehelferin in der Reformierten Kirchgemeinde Wangen und diesem zurzeit sehr aufwendigen Hobby bleibt nicht mehr viel Freiraum. Es reicht noch, um einmal pro Woche Turnen zu gehen, dann sind da noch das Haus, der Garten und nicht zuletzt Hündin Sira, die auch beschäftigt werden will. Als Gemeindehelferin besucht Beatrice Hostettler Menschen im Alters- oder Pflegeheim, organisiert den Seniorenausflug oder die Seniorenferien.

Sie ist in Wangen verwurzelt, und nicht zuletzt deshalb freut sie sich auch darauf, den Menschen, die hier wohnen, im Sommer dieses Theaterstück zeigen zu können. «Wir möchten allen einen entspannten und lustigen Abend bieten.» Zusammen mit den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern und ihrer motivierten Schauspielertruppe wird das sicher gelingen. Nur das Wetter sollte dann noch stimmen, doch hier kann auch die beste Regisseurin keine Anweisungen geben.

Premiere: 3. August. Weitere Infos:
www.waudbüni-hohfure.ch