Natürlich ist der Auftritt in Biberist «etwas ganz, ganz Besonderes.» Mit treuen Augen blickt Beatrice Egli in die Biberena. Das erste Tournee-Konzert in ihrem Heimatland. Im roten Kleid tritt die Schlagersängerin am Dienstagabend auf die Bühne. Auf der LED-Wand blinken grosse Herzen, Herzschläge sind zu hören. «Ihr habt meinen Puls gespürt», sagt Egli dazu.

Frenetisches Geklatsche im Publikum. Während die Nebelmaschine alles gibt, sausen farbige Lichtstrahlen durch den Raum. «Du fehlst mir so sehr», haucht die 24-Jährige ins silbrige Mikrofon. Nach dem ersten Stück schafft sie es, sich 16 Mal zu bedanken. Ein Danke ans Publikum, danke für diesen Tag und ja: «Danke, dass ich auf der Welt sein darf.»

Jeweils «aus ganzem Herzen», versteht sich. Die Halle ist ausverkauft. Bis zu 60 Franken haben die rund 1300 Besucher ausgegeben, um «unser Schätzli», wie Egli von Fans genannt wird, zu sehen.

Beatrice Egli, das neue Fräuleinwunder des Schlagers?Vier Monate ist es her, seit die Schwyzerin die Sensation schaffte und sich bei der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» als Schlagersängerin den Sieg erkämpfte.

Egli ist, das kann durchaus festgestellt werden, das Produkt einer ziemlich gewieften Musikmaschinerie: Ihr Haussender RTL inszeniert sie als süsse Prinzessin und Poptitan Dieter Bohlen schreibt Egli die eingängigen Lieder auf den Leib. Das passt: Behäbigkeit, Heimatgefühle und Geselligkeit liegen im Trend. Die Oktoberfeste, die in der Schweiz wie Pilze aus dem Boden schiessen, sind Beweis genug.

Auch in der Biberena sind Besucher in Lederhosen oder im Dirndl auszumachen. Da gibt es aber auch gut gelaunte Singles, Rentner-Paare und Familien, die ihre Kinder mitgebracht haben. «Buntgemischt» ist bei diesem Publikum keine Worthülse. In einem Grüppchen junger Frauen werden Fan-Erlebnisse ausgetauscht. Mit einem Mädchen, das ein «Hello Kitty»-Kettchen um den Hals trägt, streiten sich die Mittdreissigerinnen um die Plätze in der ersten Reihe.

Auf der Herrentoilette kommt es derweil zu einer Zufallsbegegnung: «Was machst denn Du hier?», fragt einer mit grau melierten Haaren seinen verdutzten Pinkelnachbar. «Ich möchte diese fesche Frau einmal live sehen», antwortet dieser, «das muss man ja nicht ganz ernst nehmen.» Ironie rechtfertigt den eigenen Voyeurismus. Dann bittet der Verdutzte den Grauhaarigen, niemandem von seinem Konzertbesuch zu erzählen.

Selbstredend, dass Beatrice Egli nicht ohne eine gehörige Dosis heile Welt auskommt. Ihre Texte drehen sich um Liebe, Hoffnung und Sehnsucht. «Hier» reimt sich auf «immer», in dreiminütigen Liedern schöpft sie aus einem Setzkastensatz blumiger Worte. Für den ungeneigten Hörer mag das dann alles ziemlich ähnlich klingen, Eglis Zielgruppe aber zelebriert die Musik mit Hingabe. Kaum einer, der nicht mindestens in seine Hände klatscht.

Wenn die eigenen Lieder wie «Mein Herz» oder «Unzertrennlich» die Glücksgefühle der Fans nicht mehr befriedigen, hilft Egli mit den Stücken anderer Musiker nach. Munter geht sie zu «Ich bin Ich» von Rosenstolz oder Polo Hofers «Alpenrose» über.

Fast genau so häufig wechselt Egli an diesem Abend ihr Outfit. Plötzlich mutiert sie zur Rocker-Braut in schwarzer Lederjacke, setzt sie sich auf einen Barhocker und trällert Peter Maffays «Über sieben Brücken musst Du gehn». Ihre Fans überzeugt Beatrice auch in dieser Rolle. Wenig später steht sie als zauberhafte Cinderella im Spitzenkleid auf der Bühne.

Beatrice Egli ist seit Anfang Oktober auf Tour und spielt insgesamt 22 Shows im Rahmen der «Glücksgefühle»-Tour. Hier Impressionen vom Konzert im deutschen Esslingen (mit denselben Outfits trat die Schwyzerin in Biberist auf):

(Quelle: youtube/Bianca rauser)

Beatrice Egli auf Tour