Mümliswil-Ramiswil/Beinwil
Bauwerk aus dem Ersten Weltkrieg wird saniert

Die 116 Meter lange Natursteinmauer an der Scheltenstrasse wurde 1916 erbaut. Jetzt stehen Maurer im Einsatz, die das Bauwerk sanieren, denn die Mauer soll weitere hundert Jahre halten.

Alois Winiger
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Die zu sanierende Natursteinmauer liegt an der Scheltenstrasse.
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Zwischen Mümliswil-Ramiswil und Beinwil wird eine Natursteinmauer aufgefrischt
Schön sind sie anzusehen, die Glockenblumen, die aus den Fugen herauswachsen. Doch den Steinen Halt geben, können sie nicht.
In der Mitte der 116 Meter langen Mauern haben die Soldaten der Sappeur Kompanie IV/2 ihre Visitenkarte in Stein gehauen.
Handarbeit am obersten Teil der Mauer – der Krone: Lose Steine werden neu versetzt.

Die zu sanierende Natursteinmauer liegt an der Scheltenstrasse.

Alois Winiger

Für einen Maurer sei dies eine wirklich schöne Arbeit, aber leider eine seltene, sagen die beiden Männer. Der eine trägt Mörtel auf, der andere setzt einen Stein nach dem andern drauf, legt Holzkeile dazwischen als Abstandhalter. Ihr Arbeitsplatz ist an der Scheltenstrasse westlich des Erzbergs auf der Höhe Nasenboden, jener kurzen Strecke, die über Gemeindegebiet von Beinwil führt; bis dorthin liegt sie auf Boden von Mümliswil-Ramiswil, anschliessend folgt die bernische Gemeinde Schelten.

Die wohl Grösste ihrer Art

Die Männer gehören zum Team der Langenthaler Baufirma Hector Egger, die innerhalb dieser Woche eine Stützmauer aus Natursteinen instand setzen. Sie ist eine besondere: 116 Meter lang und zwischen 1,5 und 3,6 Meter hoch. Der sichtbare Teil der Mauer ist aufgebaut aus gehauenen kleinen bis mittelgrossen Jurakalksteinen und ausgefugt mit einer Mörtelmischung aus Zement und Kalk. Dahinter steht eine zweite Mauer aus gröberem Material. «Es dürfte die wohl grösste Mauer dieser Art sein im Kanton Solothurn», vermutet der Projektverantwortliche vom Amt für Verkehr und Tiefbau, Stephan Brunner.

Als Leiter Überwachung und Instandhaltung ist er derzeit daran, neben Kunstbauten aller Art auch Stützmauern einer Inspektion zu unterziehen. Erstellt wurde dieses Bauwerk beim Nasenboden vor fast 100 Jahren – anno 1916 – von der Sappeur Kompanie IV/2, die im Ersten Weltkrieg (1914–1918) während der Grenzbesetzung in jenem Raum stationiert war (vergleiche Bild unten links). Die Soldaten hätten damals echt gute Arbeit geleistet, darin sind sich die Fachleute auf der Baustelle einig. Doch jetzt sei ein Eingriff nötig, wenn man nicht riskieren wolle, dass das Bauwerk zu grossen Schaden nehme. «Heute würde man eine Stützmauer nicht mehr in dieser Art bauen», erklärt Brunner, «sondern entweder mit massiv grösseren Natursteinen oder aus Beton, eventuell mit einer Steinblende versehen.»

Die Blumen sind zwar schön

Aus vielen Fugen heraus wachsen Gras und Blumen, die herrlich leuchten in der Morgensonne. «Schön sind sie», gibt Brunner zu, «doch mit der Zeit nehmen sie den Platz in den Fugen ein, der für den Mörtel gedacht ist.» So werden denn zum einen die vorn sichtbaren Flächen der Steine gereinigt sowie ein Grossteil der Fugen ausgewaschen und wieder mit kalkhaltigem Spitzmörtel gefüllt. Ferner werden Stellen in der Mauer begradigt, die sich wegen des Drucks vom Hang her gegen aussen wölben. Die Steine am oberen Rand – an der Krone – werden neu versetzt und dahinter eine neue Füllung aus Beton sowie Sickerleitungen eingebracht.

Der Grossteil der Arbeit muss von Hand erledigt werden. Der Platz für Maschinen und Fahrzeuge ist ohnehin beschränkt, denn die Strasse ist nur drei Meter zwanzig breit. Das machte die komplette Sperrung für Motorfahrzeuge nötig von morgens acht bis nachmittags um vier ab Hinter Erzberg bis zur Kantonsgrenze. Ab heute Freitagnachmittag ist die Scheltenstrasse wieder voll geöffnet.

«40 km/h – schwer einzuhalten»

Die Strasse verbindet den Kanton Jura mit dem Mittelland, führt von Delsberg JU durch das Val Terbi über den Scheltenpass durchs Guldental nach Balsthal. Der tägliche Durchgangsverkehr hält sich in Grenzen, dafür nimmt er an Wochenenden markant zu. Es ist eine beliebte Strecke für Velo- und Töff-Fahrer. Dass sie gut befahrbar ist, geht wie der Bau der Natursteinmauer auf den Ersten Weltkrieg zurück. Militärische Truppen haben in den Jahren 1914/15 den Abschnitt von Mervelier bis kurz vor Ramiswil von einem Saumpfad zu einer Fahrstrasse ausgebaut.

Begründet wurde der Ausbau damit, das Militär habe neben anderen Juraübergängen wie Passwang und Hauenstein eine weitere Rochade-Achse gebraucht. Nicht gebraucht, sondern gerne genutzt wird die Strecke, wie erwähnt, von Töff-Fahrern. Ab morgen werden sie dort wieder vermehrt anzutreffen sein. Für einen Blick auf die schöne Natursteinmauer bleibt ihnen möglicherweise keine Zeit. Man will die Geschwindigkeit geniessen, wie auf einem einschlägigen Internetforum zu lesen ist: «Die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h ist schwer einzuhalten. Doch mehr als 50 bis 60 km/h sind eh nicht zu fahren, will man nichts riskieren.»