Mümliswil-Ramiswil
Bauunternehmer «Fluri Pauli» packt an, «während andere noch reden»

21-jährig machte sich der Bauernsohn Paul Fluri selbstständig, heute besitzt er mehrere Unternehmen in der Baubranche. Noch bis Ende 2014 bleibt er Verwaltungsratspräsident seiner Firmengruppe, die Nachfolge ist schon in Planung.

Alois Winiger
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Der 71-jährige Paul Fluri auf einer «seiner» Baustellen im Mümliswiler Kirchenfeld

Der 71-jährige Paul Fluri auf einer «seiner» Baustellen im Mümliswiler Kirchenfeld

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«Wenn mich etwas reut, dann jede Stunde, die ich in der Schule sitzen musste», sagt der 71-jährige Paul Fluri, lacht und macht dazu eine Miene, die einen verunsichert. «Es gab da halt zu vieles, das mich nicht interessierte», erklärt er dann. «Ich habe nur deshalb ein Bauernlehrjahr gemacht, weil ich eigentlich den elterlichen Betrieb im Mümliswiler Reckenkien übernehmen wollte.»

Wie hat er es dann aber zu einem Unternehmen gebracht, zu dem mehrere Baufirmen, ein Architektur- und Planungsbüro, zahlreiche Immobilien gehören und 65 Personen beschäftigt? «Was das Handwerk angeht, so habe ich mir alles selber beigebracht. Autofahren übrigens auch», antwortet Fluri. Vieles habe er von seinem Vater gelernt – einem handwerklichen Alleskönner – und schon während der Schulzeit als Bauhandlanger gearbeitet. «Als das Geschäft zu wachsen begann, habe ich für bestimmte Aufgaben die entsprechend ausgebildeten Leute eingestellt.»

Glück sei natürlich auch immer dabei gewesen. Zudem habe er gerne gearbeitet und: «Ich sah immer, wo es Arbeit gibt.» Entscheidend dafür, dass er sich mit 21 Jahren selbstständig machte, war eine Anstellung in einem kleinen Baugeschäft. «Als gewöhnlicher Arbeiter habe ich mit der Zeit mit Kunden verhandelt und sogar Leute eingestellt. Schliesslich sagte ich mir: Dann kannst du gleich alles selber machen, aber auf eigene Rechnung.»

Das war in jener Zeit nach 1960, als es noch viele einfache Einfamilienhäuser gab ohne Badezimmer. Fluri bot an, gleich alles zu erledigen: Maurerarbeiten, Fliesenlegen, Badewanne montieren sowie Wasser- und Elektroleitungen anschliessen. «Das sprach sich herum, und mit der Zeit wusste ich nicht mehr, wo wehren.» Einzelne Kunden hätten mehr als ein Jahr gewartet, bis der «Fluri Pauli» Zeit hatte.

Bald einmal kamen Aufträge für ganze Einfamilienhäuser und er stellte Mitarbeiter ein. Das erwirtschaftete Geld investierte er jeweils sofort wieder. Die erste grosse Investition war ein Baukran, aufgestellt beim Bau des Restaurants Krone in Ramiswil. «In jenem Jahr kam dieser Kran noch auf weiteren zwölf Baustellen zum Einsatz», berichtet Fluri.

«Gekauft wird nur, was ich gleich bezahlen kann. Auch heute noch», sagt Fluri. Wobei sich die Werte verschoben hätten. «Früher machte ich mir Sorgen, ob ich das Material bezahlen könne. Das ist heute unverhältnismässig viel billiger, das Teure ist die Arbeit mit all den Sozialkosten und Versicherungen.» Kostentreiber seien zudem die vielen Vorschriften und Gesetze. «Ist ja an und für sich schon recht. Aber du wirst für jeden kleinsten Fehler verantwortlich gemacht. Darum stellen wir zum Beispiel keine Baugerüste mehr selber, obwohl wir Material für x Quadratmeter am Lager hätten.»

«Wir» sagt Paul Fluri noch immer, obwohl er im Baugeschäft schon seit mehreren Jahren nicht mehr operativ tätig ist. «Dass ich mich noch immer stark verbunden fühle mit allem, ist – glaube ich – verständlich.» Als Alleininhaber der Firmengruppe bleibt er noch bis Ende 2014 Verwaltungsratspräsident, die Nachfolge ist in Planung. In fünf Firmen der Unternehmensgruppe sind Geschäftsführer eingesetzt, darunter ein Bruder sowie seine beiden Töchter und ein Schwiegersohn.

Die Leitung seiner 2010 gegründeten Immobilien AG wird Paul Fluri behalten, denn in diesem Gebiet sieht er Potenzial. «Landreserven habe ich mir über die Jahre zugelegt. Häuser werden mir fast täglich zum Kauf angeboten, aber da greife ich nur zu, wenn sich etwas daraus machen lässt.» Eine Haltung, die dem Unternehmer manchmal übel genommen wird. Jüngstes Beispiel: das Restaurant Limmernschlucht Mümliswil.

Fluri hat die Liegenschaft samt Areal gekauft und will dort Wohnungen bauen. Architektur, Planung und Ausführung übernehmen selbstverständlich die eigenen Firmen. Die Bereiche Architektur und Planung in sein Unternehmen aufzunehmen, hatte Fluri ursprünglich nicht im Sinn. «Ich nahm solche Aufträge an, um die Wintermonate zu füllen, wenn die Baustellen ruhten – was ja heute auch nicht mehr der Fall ist.»

Würde Paul Fluri nochmals denselben Weg gehen? «Sofort», antwortet er spontan, «aber ich würde die Firma wohl nicht mehr so gross werden lassen.» Das sei eigentlich auch gar nicht sein Plan gewesen, das habe sich so ergeben, wie so manches andere auch. «Betonen will ich, dass ich immer auf meine Leute in der Familie und der Firma zählen konnte.» Und was sagen seine Leute von ihm? «Der Fluri Paul ist einer, der anpackt, während andere noch reden.»