Aarburg
Baustelle Schule: Eltern und Bürger sorgen sich um die Gewährleistung des Tagesbetriebs

«Da sind ja mehr Leute als an einer Gemeindeversammlung», sagte eine Frau am Mittwochabend im Foyer des Paradiesli-Schulhauses Aarburg. Das hatte seinen Grund: Die Schulpflege informierte die Eltern über die externe Schulevaluation (ESE). Diese führte die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag des Kantons Aargau durch. In den Bereichen Schulführung und Arbeitsklima hat die Schule Aarburg schlechte Noten erhalten.

Nora Bader
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Wie symbolisch steht vor dem Schulhaus Hofmatt ein Baukran, der aber nichts mit der Baustelle Schule zu tun hat.

Wie symbolisch steht vor dem Schulhaus Hofmatt ein Baukran, der aber nichts mit der Baustelle Schule zu tun hat.

«Dass Handlungsbedarf besteht, ist unbestritten», sagte Matthias Gut vom Institut Forschung und Entwicklung der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule. Viele Eltern äusserten im Vorfeld des Infoanlasses ihre Sorgen betreffend der Bildung ihrer Kinder und hofften, endlich Antworten auf die offenen Fragen zu bekommen. Viele Gerüchte geisterten umher. Zudem hatte Schulleiter Jürg Bächli die Kündigung eingereicht. Und auch Schulpflegepräsident Armin Krause und Schulpflegemitglied Ursula Walser hatten ihren Rücktritt bekannt gegeben.

Empörung unter den Eltern

«Gibt es Sofortmassnahmen? Bis wann ist mit einer Besserung zu rechnen?», fragten besorgte Eltern. Die Tendenz bei der letzten Evaluation sei ähnlich gewesen. «Weshalb habt ihr es so weit kommen lassen? Und was habt ihr in den letzten sechs Jahren getan?», fragte eine Mutter die Schulpflege. Die Stimmung war aufgeheizt. Viele Eltern verliehen ihrem Unbehagen, ihren Ängsten und auch ihrem Frust Ausdruck.

Diverse Voten schienen wohlüberlegt und gut vorbereitet. Zur Sprache kam weiter, weshalb der Schulleitung nicht gekündet werden könne, den Lehrern aber schon. Ob es stimme, dass drei Lehrpersonen widerrechtlich entlassen worden seien und die Angelegenheit mittlerweile vor Verwaltungsgericht sei und die Gemeinde mehrere 10 000 Franken koste? Gemeinderat Rolf Walser (SP) sagte darauf, der Gemeinderat könne sich nicht zu laufenden Verfahren äussern – und auch nicht zur Problematik in der Schule.

Rita Annaheim, die neue Präsidentin der Schulpflege, versicherte, es werde nun gehandelt. Über weitere Schritte werde zu gegebener Zeit informiert. Viele Eltern waren zwar darüber erleichtert, dass endlich Fakten auf den Tisch kamen, aber umso empörter über die Ergebnisse. Obwohl der Anlass länger als geplant dauerte, blieben am Schluss viele Fragen unbeantwortet.

Die externe Evaluation

Matthias Gut informierte die Eltern und anwesenden Aarburger über die Ergebnisse der Evaluation. An drei Tagen wurden im Rahmen der ESE Schüler ab der vierten Klasse, Lehrer und Eltern befragt. Klar wurde: In Aarburg ist die Funktionsfähigkeit der Schule in zwei von fünf Kernaufgaben nicht gewährleistet. «Es handelt sich hier um eine gravierende Funktionsstörung», so Gut.

Bei den Befragungen lagen die Resultate aber je nach Schulstufe meilenweit auseinander und das, obwohl eigentlich alle derselben Führung unterstellt sind. «Das zeigt, wie weit der grosse Konflikt zwischen Schulleitung, Schulpflege und Lehrerschaft mittlerweile eskaliert ist.» Kernthemen seien Misstrauen und Angst. «Viele Lehrer denken, sie müssen sich führungskonform verhalten, sonst droht ihnen die Kündigung», so Gut.

Schlechte Gefühle am Arbeitsplatz seien sehr belastend. Daraus resultierten unterschiedliche Sichtweisen und Interpretationen. Gezeigt habe sich, dass mindestens die Hälfte der Lehrpersonen mit der Situation komplett unzufrieden seien. Auch das unterschiedliche Führungsverständnis innerhalb der Schulführung sorge für grosse Spannungen. In der Kritik stand vor allem die Leiterin der Oberstufe. Sie wird von vielen Votanten als zu dominant empfunden. Das führe die Primarschulleitung zu einem stetigen Loyalitätskonflikt.

42 Prozent der befragten Lehrer finden auch, Probleme würden nicht offen angesprochen. «Es zeichnet sich eine Spaltung quer durch die Schule ab», heisst es im Bericht. Im Mittelpunkt stünden oftmals persönliche Konflikte. Und mehr als die Hälfte der befragten Lehrer ist der Ansicht, wichtige Entscheide der Leitung seien nicht nachvollziehbar. Auch die Rolle des Hauptschulleiters sei nicht ganz klar. Die Lehrer selber wurden von den Eltern gelobt. «Es wäre schade, wenn weitere gute Lehrer gehen würden», sagte ein Vater.

Begleitung durch den Kanton

Kritisiert wurde hingegen die Schulpflege. Sie nehme nicht kontrollierend Einfluss. «Es geht nicht ohne externe Begleitung», kam die Studie zum Schluss. Stefan Schnyder, stellvertretender Sektionsleiter Aufsicht und Beratung beim Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau, stellte die weiteren Schritte vor. Es sollen Gespräche geführt werden, damit die Schulpflege zusammen mit der Schulleitung und den Lehrern gemeinsam die Probleme lösen könnten. Angedacht für eine Besserung ist ein Zeithorizont von mindestens zwei Jahren, was zu weiteren Fragen führte. Nach zwei Jahren kann eine allfällige Nachevaluation durchgeführt werden.

Gemäss Schnyder wurden seit Einführung der ESE der Aargauer Schulen vor sechs Jahren etwa 360 Evaluationen durchgeführt. 27 Schulen hatten eine oder mehrere rote Ampeln. Die sogenannte Ampelevaluation ist jeweils ein Teil der externen Schulevaluation. Sie überprüft die grundlegenden Anforderungen, die an eine funktionsfähige Schule gerichtet werden und von einer funktionsfähigen Schule als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Die Ergebnisse werden in Grün, Gelb und Rot abgebildet. Das Departement Bildung, Kultur und Sport lagert die Schulevaluation an eine externe Stelle aus, damit die Qualität einer unabhängigen Perspektive gewährleistet ist.