Beinwil

Bauernaufstand um neue Leitung im Klosterdorf: Wird Pro Natura hier bevorzugt?

Zwei Kantonspolizisten markieren Präsenz, der Baggerführer verrichtet sein Werk: Den Landwirten bleibt nur noch die Verbitterung.

Zwei Kantonspolizisten markieren Präsenz, der Baggerführer verrichtet sein Werk: Den Landwirten bleibt nur noch die Verbitterung.

Dicke Luft wegen einer alten Entwässerungsleitung in Beinwil: Die ansässigen Landwirte wollen nicht hinnehmen, dass diese gekappt worden ist.

Montagmorgen, 10 Uhr, im Gebiet Chlosterhof nahe Beinwil: Eifrig diskutierende Bauern umringen einen Baggerführer, der soeben eine in der Nähe des Hexenbachs durchführende Entwässerungsleitung gekappt hat. Zwei Kantonspolizisten und Jonas Lüthy vom Amt für Raumplanung (ARP) halten sich etwas abseits.

Zur Sache will sich Lüthy nicht äussern, sondern weist die Vollstreckungsverfügung des Oberamts Dorneck-Thierstein vor, deren Ausführung er hier zu überwachen habe. «Der überlaufende Hexenbach hat 1946 nach einem Riesengewitter das nebenan liegende Graslandgebiet Sennhus überschwemmt, weshalb der Landeigentümer in den 1950er-Jahren eine Drainageleitung erstellt hat, um das durchnässte Land zu entwässern», klärt Urs Saner, Landwirt, Gemeinderat und Brunnmeister, den Sachverhalt auf. Leider seien die verlegten Tonröhren im Laufe der folgenden Jahrzehnte durch die immer schwereren Maschinen abgedrückt und damit funktionsunfähig gemacht worden.

Der Eigentümer habe die Leitung 2014 ersetzt, was einen Unbekannten veranlasste, ihn beim Amt für Umwelt (AfU) zu verpetzen. «Das ARP hat in der Folge ein Baugesuch eingefordert, das nach einer Einsprache von Pro Natura Solothurn nicht bewilligt worden ist», führt Saner fort.

Weil gemäss Aussagen der anwesenden Landwirte das Ufer des Hexenbachs nicht ausreichend dicht ist, fliesst dauernd Bachwasser unter der Oberfläche zu Tal, versickert zu einem grossen Teil in der Drainageleitung, und das Restwasser bildet neben der Passwangstrasse einen kleinen Sumpf. Dies hat Pächter Ueli Zybach bislang nicht gestört, er konnte das Gebiet Chlosterhof, sein einziges einigermassen flaches Land, zum grossen Teil bewirtschaften. Das wird ihm nach der behördlich verordneten Unterbindung der Drainageleitung aber nicht mehr möglich sein.

Vollstreckung angeordnet

Die zahlreich anwesenden Landwirte machen ihrer Empörung über «die Bevorzugung von Pro Natura», die willfährige Übernahme der Baggerarbeiten durch den hiesigen Bauunternehmer und die generell immer stärkere Beschneidung der Landwirtschaft Luft. Ebenso üben sie scharfe Kritik an Robert Grütter, dem für die Baugesuche zuständigen Amtsstellenleiter. Im Gegensatz zu Baudirektor Roland Fürst habe sich dieser keinem Augenschein stellen wollen. Schliesslich bekommt auch noch das Oberamt Dorneck-Thierstein sein Fett ab: Weil es die Verfügung zum Kappen der Leitung erlassen hat. Dass Pro Natura Solothurn mit der Einsprache dem Pächter Zybach sein einziges flaches Land unnutzbar macht, ärgert die versammelte Bauernschaft: «Wir zücken symbolisch die gelbe Karte!» Eine kleine Genugtuung bleibt ihnen dann aber doch: Dem Bagger ist nach dem ersten Loch der Diesel ausgegangen ...

Der von den Bauern aufs Korn genommene Amtstellenleiter Robert Grütter zeigt sich erstaunt über die Vorwürfe: «Wir haben Herrn Horisberger, dem Eigentümer, während des Verfahrens mehrfach das rechtliche Gehör gewährt. Die gestützt auf die Stellungnahmen der kantonalen Fachstellen und der eingereichten Einsprache erlassene Verfügung wurde nicht angefochten und trat somit in Rechtskraft. Die in der Verfügung gemachten Auflagen und Fristen wurden durch Herrn Horisberger nicht eingehalten. Das hat den Kanton veranlasst, die Vollstreckung durch das Oberamt einzuleiten.»

Das Argument des Besitzstandes und damit den Verzicht auf ein Baugesuch will Grütter ebenso wenig stehen lassen: «Der Kanton sieht die Sickerleitung als neue Baute, die in jedem Fall bewilligungspflichtig ist und nach den geltenden gesetzlichen Vorgaben beurteilt werden muss.»

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