Zürich/Bellach

Batterien in den neuen Hess-Bussen streiken

Auf dem Dach der Doppelgelenk-Trolleybus befindet sich der Lithium-Ionen-Akku, der als Notaggregat dient. Diese werden von einer deutschen Firma produziert.

Auf dem Dach der Doppelgelenk-Trolleybus befindet sich der Lithium-Ionen-Akku, der als Notaggregat dient. Diese werden von einer deutschen Firma produziert.

Die Bellacher Fahrzeugproduzentin Carrosserie Hess hat den Verkehrsbetrieben Zürich zwölf Trolleybusse mit neuster Technologie geliefert. Doch in den letzten Wochen konnte die Hälfte der Busse nicht eingesetzt werden. Grund: Die Batterien kränkeln.

Erst im Oktober wurden die zwölf Busse mit einer Länge von 25 Metern nach Zürich geliefert. Dort sollten sie ab Dezember auf den stark frequentierten Strecken zum Einsatz kommen und bis zu 200 Fahrgäste gleichzeitig befördern. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) haben deswegen auf den Fahrplanwechsel im Dezember den Takt zu Stosszeiten ein wenig ausgedünnt. Doch bis heute ist auf den Strassen Zürichs von den neuen Doppelgelenk-Trolleybussen nur wenig zu sehen.

Diesen Eindruck erhält, wer die «Neue Zürcher Zeitung» vom Samstag gelesen hat. Sechs bis acht Busse leiden an «technischen Kinderkrankheiten» bei der Elektronik, wie VBZ-Mediensprecher Andreas Uhl gegenüber der Zeitung erklärte. Kurz gesagt: Weil die Batterieladesteuerung der neuen Busse, die statt Dieselmotor über ein Lithium-Ionen-Akku als Notaggregat verfügen, nicht richtig funktioniert, können viele der Busse nicht eingesetzt werden.

«Wir haben ein Kapazitätsproblem», weist Uhl gegenüber der Solothurner Zeitung auf die Auswirkungen des Ausfalls hin. «Wenn die kurzen Dieselbusse und die alten Gelenk-Trolleybusse weiterhin die neuen Trolleybusse ersetzen müssen, können wir den ausgedünnten Takt nicht beibehalten.» Seit dem Fahrplanwechsel hätte es Tage gegeben, da seien nur knapp mehr als die Hälfte der Fahrzeuge auf der Strecke gewesen, so Uhl.

Pikett-Dienst für Problem-Busse

Dass es Mitte Dezember «gelegentlich vorgekommen ist, dass viele der Busse nicht eingesetzt werden konnten», gesteht Alex Naef, Geschäftsführer der Carrosserie Hess, ein. «Es ist so, dass die Batteriesteuerung immer wieder zu Störungen führt. Das ist ärgerlich. Da stehen wir auch dazu. Wichtig ist, dass die Probleme schnell und seriös abgearbeitet werden.»

Es sei aber «grundsätzlich nicht so», dass noch heute die halbe Flotte still stehe. «Am heutigen Montagmorgen sind elf der 12 Fahrzeuge auf die Linie gegangen», so Naef. Kränkeln die Doppelgelenk-Busse aus Bellach also nicht mehr? «Das Problem ist teilweise schon behoben worden», so Naef. Es gebe aber verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielten. «Es ist eine Frage von Wochen, nicht Monaten, bis alle Probleme behoben sind.»

Die Firma stehe im täglichen Kontakt mit den Verkehrsbetrieben Zürich. «Sie wissen, dass es nicht primär unser Fehler ist, sondern die Firma Vossloh Kiepe (Lieferant der Batterien, A. d. Red.) betrifft. Wir als Fahrzeuglieferant stehen aber gerade für die Ausfälle.»

Über Weihnachten und Neujahr war ein Pikett-Dienst vor Ort. «Er stellte sicher, dass die Fahrzeuge gut laufen», erklärt Alex Naef.

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