Vergangenes Frühjahr platzierte der Basler Regisseur Boris Nikitin ein Stück seines Kollegen Milo Rau im Basler Strafgericht. Die Mormonenkirche von Freiburg im Breisgau nutzte er als Bühne für seine Produktion «How To Win Friends & Influence People». Und nun hat er die Klosterkirche Mariastein als Spielstätte gewonnen. Aufgeführt wird dort dasselbe Stück wie in Freiburg im Breisgau, es läuft im Programm der Kaserne Basel.

Die Suche nach einem Aufführungsort verlief allerdings nicht reibungslos. Denn das Stück besteht aus einer imitierten Messe und soll laut Nikitin in einem geweihten Raum spielen. Den Regisseur interessiert die Frage, was passiert, wenn eine schauspielerischer Predigt an einem religiösen Ort stattfindet.

Ursprünglich wollte Nikitin in Basel wie zuvor in Freiburg den Andachtsraum der umstrittenen Mormonen-Freikirche für seine Inszenierung nutzen. Die Mormonen lehnten jedoch ab. «Unsere Kapelle ist kein Theatersaal, sondern ein spezieller Raum für uns, in dem wir andächtig sind und Gott verehren», sagte damals ein Sprecher zur «Schweiz am Sonntag». Absagen musste Nikitin in Basel auch früher schon entgegennehmen: Am von ihm organisierten Festival «Basler Dokumentartage» im April 2013 hätte «Breiviks Erklärung» von Milo Rau im Stadthaussaal der Bürgergemeinde stattfinden sollen. Diese zog ihre Zusage aber im letzten Moment zurück, weil das Stück mit einem Monolog des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik umstritten war.

Abt Peter von Sury, der dem Kloster Mariastein vorsteht, hat keine Bedenken, das Gotteshaus für Nikitins Theater zu öffnen, welches er selbst noch nicht gesehen hat. «Es ist ein spannendes Projekt», sagt von Sury. Dass mit der Predigt ein Kernstück der katholischen Religionsausübung zum Gegenstand eines Dramas wird, macht ihm keine Mühe. «Die Liturgie ist ein Stück weit selbst ein Schauspiel», sagt er.

In der Inszenierung thematisiert ein Schauspieler eigene Glaubenserfahrungen und versucht, die Zuschauer für von ihm gepredigte Glaubenswahrheiten zu gewinnen. «Wann höre ich jemandem zu? Wann reisst mich etwas mit? Wann schafft es jemand, dass ich mein Leben ändere?» sind laut der Ankündigung zentrale Fragen des Stücks. «How To Win Friends & Influcence People» ist der Titel eines Weltbestellers von 1936. Auf Deutsch heisst das Buch «Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden».

Das Basler Kasernenpublikum wird per Shuttlebus nach Mariastein pilgern können. Nikitin beabsichtigt, dass sich Theater- und Kirchenbesucher durch die Aufführungen begegnen.