Shitstorm
Basler Fasnächtler hetzen gegen Solothurner Gugge

Die Witterswiler Gugge Noote Heuer sorgt für rote Köpfe bei den Basler Fasnächtlern. Dies weil die Gugge geschminkt und ohne Larven Konzerte gegeben hat.

Samuel Hufschmid
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Nach dem Auftritt ohne Larven werden die «Noote Heuer» im Netz beschimpft.

Nach dem Auftritt ohne Larven werden die «Noote Heuer» im Netz beschimpft.

nooteheuer

Über 800 Personen sagen auf Facebook «Nein zu Fasnachts-Tourismus» und wehren sich damit gegen auswärtige Guggen, die an der Basler Fasnacht teilnehmen, obwohl sie laut Gruppen-Beschrieb «in der Stadt nicht willkommen sind».

Heftig kritisiert werden die «Noote Heuer» aus dem solothurnischen Witterswil, die gemäss Facebook-Seite jeweils am Fasnachts-Zyyschtig beim Theater ohne Larven und mit geschminkten Gesichtern mehrere Konzerte geben. «Ein absolutes NO-GO! und ein Affront gegenüber unserer Basler Fasnachtskultur», schreiben die anonymen Autoren der erst zwei Tage alten Facebook-Seite weiter.

Gugge prüft rechtliche Schritte

Das sagt der «Rädäbäng»

Guggenmusiken und Larven

Im Fasnachtsführer «Rädäbäng» steht, dass es an der Basler Fasnacht grundsätzlich fast keine Verbote gibt – aber einiges, das «einfach zum guten Ton gehört». Dem Thema Guggenmusiken und Larven ist ein eigenes Kapitel gewidmet:

«Mer wänn euch doo no ebbis saage,
bim Spiile sott me d Larve draage!

E Blatzkonzäärt, wo me s Gsicht kaa gsee,
isch d Muusig nit wäärt und schlicht passé.

S Motto isch (und das isch e Bitt)
wie allewyyl: «Gäll de kennsch mi nit?»

E Beizeuffdritt besser glingt,
wenn dinne nit e Bangg grad singt.

Mer pflääge Aastand und Reschpäggt,
will’s so au muusikalisch fäggt.»

«Noote Heuer»-Präsident Gaetano Giglio spricht von Verleumdung: «Einzelne Facebook-Kommentare sind extrem ehrverletzend und wir überlegen, ob wir rechtlich dagegen vorgehen sollen.» Der ursprünglich auf fasnacht.ch erschienene Artikel enthalte viele falsche Informationen und schüre gezielt den Hass. Es sei tatsächlich so, dass die «Noote Heuer» geschminkt seien und nach dem ersten Stück jeweils die Larve abnehmen. «Das machen wir seit eh und je so und es scheint den Leuten zu gefallen.» Bei den geschminkten Gesichtern handle es sich um kunstvolle Kreationen, die aufs jeweilige Kostüm abgestimmt seien. «Wir spielen seit 18 Jahren jeweils am Fasnachts-Zyyschtig beim Theater und haben hunderte Fans, die extra wegen uns dorthin kommen», sagt Giglio. Zudem gebe es viele Basler Guggen, die ebenfalls nach dem ersten Stück die Larve ablegen.

Dass es auch unter Basler Guggen solche gibt, die entgegen den Empfehlungen im Fasnachtsführer Rädäbäng ihre Konzerte teilweise ohne Larven spielen, bestätigt auch IG-Gugge-Obmaa Patrick Müller. «Es ist halt so, dass der Fasnachts-Zyyschtig ein ‹wilder› Fasnachtstag ist. Wir können die Regeln nicht durchsetzen und nur appellieren, dass sich Auswärtige wie auch Basler Guggen an die Traditionen halten – sonst verkommen unsere ‹drey scheenschte Dääg› irgendwann zu ‹Fasching›.»

«Hass nicht weiter schüren»

«Noote Heuer»-Präsident Giglio will mit dem Comité das Gespräch suchen. «Wir wollen den Hass, wie er sich jetzt auf Facebook entlädt, nicht weiter schüren und werden uns mit dem Comité an einen Tisch setzen.»

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