Balmberg

Barrieren demoliert: Rabiate Autofahrer erzwingen sich Passfahrt

Die Barriere oberhalb des Sollmattbodens ist gewaltsam entfernt worden

Die Barriere oberhalb des Sollmattbodens ist gewaltsam entfernt worden

Schon wieder wurden am Balmberg, der momentan Wintersperre hat, die Barrieren demoliert und so die Durchfahrt erzwungen. Der kürzeste, aber im Winter gesperrte Weg für die Thaler ins Mittelland ist so manchem Autofahrer ein Dorn im Auge.

Mit roher Gewalt haben Unbekannte vor neun Tagen auf der Nordseite des Balmbergs die Überfahrt auf der Passstrasse erzwungen. «Die untere Barriere oberhalb des Sollmattboden ist komplett entfernt, die auf dem Pass umgebogen worden», sagt Urs Strähl, Strassenmeister beim Kreisbauamt II. Schaden: Rund 8500 Franken. Provisorisch ist nun die Strasse mit Absperrlatten und einem grossen Schild «Allgemeines Fahrverbot» gesperrt. «Diese Sperre liegt aber alle zwei Stunden wieder am Boden», so Strähl. Im letzten Jahr waren die Barrieren auch schon demoliert worden.

Ungenügende Signalisation?

Die Sperre der Passstrasse Balmberg Nord bewegt die Gemüter immer weider. Kein Wunder: Für alle aus dem hinteren Thal sind die Strasse und jene über den Weissenstein die kürzesten Wege ins Mittelland. Jeweils im Winter aber tritt aus Sicherheitsgründen die Regelung mit geschlossenen Barrieren auf den Passstrassen an Weissenstein und Balmberg in Kraft. Angeordnet wird die Sperre jeweils vom Kreisbauamt. Heuer war der Herbst aussergewöhnlich lang, schön und trocken, sodass die Barrieren lange offenblieben. Das Befahren der Strasse auf der Balmberg Nordseite war lange problemlos. Lag die Nebelobergrenze aber bei 900 Meter, bildete sich an den Randgebieten Glatteis. So auch im November, als der enge Strassenabschnitt auf dem Sollmattboden zeitweise spiegelglatt war und den Autofahrern einiges an Fahrkünsten abforderte.

Ende November kam dann die Schliessung der Barrieren, aber vorerst nur jene auf dem Balmberg. Wie alle Jahre ärgert die Sperre einige Automobilisten. Manche fahren bis vor die geschlossene Barriere und müssen den langen Weg zurück nach Welschenrohr über Balsthal und Oensingen nach Solothurn unter die Räder nehmen. Strähl hält aber fest: «Wer bis zur Barriere gefahren ist, hat mindestens zwei Fahrverbote missachtet.» Denn: Würde die Strasse mit der Barriere gesperrt, würden gleichzeitig unten in Welschenrohr Fahrverbote aufgestellt. Auf der Südseite bleibt die Strasse bis Passhöhe offen. Dies wird auch im Hinterriedholz und in Günsberg signalisiert.

Kritiker aus dem hinteren Thal «argumentieren», dass auf der Nordseite ein Hinweis auf die geschlossene Barriere Autofahrern die Gelegenheit geben würde, rechtzeitig umzukehren. Sie bräuchten dann auch nicht mit schlechtem Gewissen ein Fahrverbot zu überfahren. Strähl ist überzeugt, dass es vor allem Ortskundige seien, die das Fahrverbot missachten würden.

Diese sollten aber mittlerweile wissen, dass bei Fahrverbot die Barrieren unten seien. Er sieht keinen Grund die Fahrverbots-Schilder mit dem Zusatz «Barriere unten» zu ergänzen: «Ein Fahrverbot ist ein Fahrverbot.» Übrigens: Strähl hat vor einer Woche auf dem Polizeiposten in Balsthal Anzeige erstattet. Beim Mediendienst der Kantonspolizei in Solothurn bestätigt man den Eingang.

Verkeilte Lastwagen

Zu Diskussionen Anlass gibt auch der Standort der Barriere oberhalb des Sollmattbodens. Sie müsste im Schattenberg stehen, wo auch genügend Platz zum Wenden sei, meinen Kritiker. Dazu Strähl: Für den jetzigen habe man sich seinerzeit entschieden, weil vor der Barriere noch ein Weg abzweige, der von Jägern genutzt werde. Stünde die Barriere weiter unten, müssten zu viele Schlüssel abgegeben werden, um die Barriere zu öffnen. Seiner Ansicht nach hat es aber auch am jetzigen Standort genügend Platz zum Wenden.

Ein wichtiger Grund für die Sperrung der Strasse mit Barrieren ist die Tatsache, dass immer wieder Lieferwagen, Lastwagen und sogar Reisecars, geleitet durch ihr Navigationssystem, über den Balmberg zu fahren versuchen. Viele blieben dann in den engen Kurven hängen und mussten in aufwändigen Aktionen aus der misslichen Lage befreit werden. Zuletzt hatte sich 29. November ein LKW in einer Kurve verkeilt.

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