Startklar
Bald geht es mit den 49 blauen Gondeli auf den Weissenstein

Die CWA Constructions SA in Olten hat ihre «Hausaufgaben» gemacht: Die bestellten 49 Gondeln für die neue Bahn auf den Solothurner Hausberg sind bereit. Die Jungfernfahrt soll am 20.Dezember erfolgen.

Franz Schaible
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Stolz präsentieren CWA-Chef Raimund Baumgartner (l.) und Verkaufsleiter Rico Wehrli die saphirblauen Gondeln für die neue Weissensteinbahn.
11 Bilder
Insgesamt 49 Gondeln hat die CWA Constructions SA aus Olten gebaut.
49 neue Gondeli für die Weissensteinbahn
... so wurden die Sitze noch nicht eingebaut, weil die Textilbezüge noch nicht geliefert wurden.
Ansonsten sind die Gondeli jedoch fertiggestellt.
Am 20. Dezember soll die Jungfernfahrt stattfinden.
Hergestellt wurden alle 49 Kabinen in Olten.
Qualität und Sicherheit stand für den Hersteller dabei an oberster Stelle.
Im Ausstellungsraum der CWA kann man noch einige ihrer Gondeli betrachten.
Damals mussten die Türen noch von Hand geöffnet werden ...
... und die Sitzbänke hatten auch noch keine Textilbezüge.

Stolz präsentieren CWA-Chef Raimund Baumgartner (l.) und Verkaufsleiter Rico Wehrli die saphirblauen Gondeln für die neue Weissensteinbahn.

Felix Gerber

Da stehen sie in Reih und Glied – die 49 Gondeln für die neue Bahn auf den Weissenstein, den Solothurner Hausberg. Auf dem «Parkplatz» der Oltner Kabinenbauerin CWA. «Wir sind fertig. Einzig die Sitze fehlen noch, weil der Textilbezug noch nicht geliefert wurde», sagt Raimund Baumgartner, Chef der CWA Constructions SA. Zusammen mit Verkaufsleiter Rico Wehrli präsentiert er stolz die Kabinen. Bei den Gondeln handelt es sich um den Bautyp Omega IV-6, LWI. Letztere Abkürzung steht für Level Walk In, das heisst, der Zustieg ist ebenerdig. Die Gondeln sind rollstuhlgängig und somit behindertengerecht. Sie bieten Sitzplätze für sechs Personen.

25 der 49 Gondeln sind mit je zwei Velohaltern ausgerüstet. Mit einer Maximal-Geschwindigkeit von 5 Metern pro Sekunde – entspricht in etwa 18 Stundenkilometern – wird die Bahn den Weissenstein erschliessen. Die Fahrzeit beträgt knapp 10 Minuten. Die Kapazität liegt bei 900 Fahrgästen pro Stunde. Das entspricht einer Verdoppelung gegenüber der abgebrochenen Sesselbahn. Die Farbe der Kabinen aus Aluminium ist saphirblau. Warum nicht in den Solothurner Farben rot-weiss? Zwei der drei Hauptsponsoren sind «blau», zumindest im Logo.

Rein vom Volumen her sei es eher ein mittlerer Auftrag, erläutert Baumgartner. «Trotzdem ist es für die CWA ein wichtiges Projekt. Es ist für uns die erste Gondelbahn in unserem Heimatkanton Solothurn.» Eine in der näheren Region fahrende Bahn sei als Referenzanlage ein positiver Aspekt in Sachen Verkaufsgespräche mit potenziellen Kunden.

Speziell ist der «Solothurner» Auftrag auch, weil die CWA dieses Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiert (siehe Kasten). Das 1939 gegründete Unternehmen fertigt heute jährlich 1500 bis 2000 Kabinen für seil- und schienengebundene Anlagen. Kabinen liefert CWA für Umlaufbahnen, Pendelbahnen, Standseilbahnen, Shuttles und Monorailbahnen, 3-S-Seilbahnen sowie Gondeln für Riesenradanlagen. Das vergangene Jahr sei mit 2000 verkauften Kabinen überdurchschnittlich gut gewesen, sagt Baumgartner. Allein 445 Kabinen lieferte CWA nach Bolivien. Absatzmässig wichtigster Bereich sind die Umlaufbahnen. Auf Gondeln mit Platz für 4 bis 16 Personen fallen rund 80 Prozent der Produktion. Zweitwichtigstes Segment sind Pendel- und Standseilbahnen, die 20 bis 200 Personen transportieren können. Insgesamt hat CWA in ihrer Geschichte bislang rund 55 000 Kabinen produzieren und weltweit in über 60 Länder verkaufen können. Den Exportanteil beziffert Verkaufsleiter Wehrli auf rund 85 Prozent.

Naturgemäss sind die Oltner stark auf den Wintertourismus ausgerichtet. «Rund 80 Prozent gehen in den Alpenraum, sprich Schweiz, Österreich, Italien, Deutschland und Frankreich», berichtet Firmenchef Baumgartner. Von einem Klumpenrisiko will er aber nicht sprechen. Angesichts der mehrheitlich mit Bahnen bereits erschlossenen Gebieten rechnet er zwar nicht mit Umsatzsprüngen, sieht aber trotzdem weitere Wachstumschancen. «Der Erneuerungsbedarf ist gross, denn viele der Bahnen wurden in den 60er- und 80er-Jahren gebaut.» Zudem würden sich aus Rentabilitätsgründen Skigebiete vermehrt zusammenschliessen. «Und diese Gebiete wollen miteinander verbunden sein.» Auch gelte es, Bergbahnen wenn möglich das ganze Jahr über in Betrieb zu halten, damit sie rentierten. Das benötige Anpassungen an den Transportkabinen, zum Beispiel nicht nur Skiköcher, sondern auch Halterungssysteme für Mountainbikes. Immer wichtiger wird der Einsatz von Seilbahnen im urbanen Raum als Alternative zum herkömmlichen öffentlichen Verkehr. So werden beispielsweise in London, Singapore, Caracas, Algier oder Ankara bereits heute «Stadt-Passagiere» mit CWA-Kabinen befördert. Und erst vergangene Woche habe Boliviens Staatspräsident Evo Morales ein grosses urbanes Seilbahnnetz mit CWA-Gondeln eröffnet, berichtet Baumgartner. Die Bahn verbinde die beiden Städte La Paz und El Alto. Ende Jahr wird das Seilbahnnetz eine Länge von über zehn Kilometer aufweisen.

«Die Kabinen werden alle in Olten hergestellt. Wir setzen auf Qualität und die Sicherheit der Bahnen steht immer an oberster Stelle», umschreibt Baumgartner die Firmenphilosophie. Offenbar mit Erfolg. «Wir sind mit einem Anteil von fast 60 Prozent Weltmarktführerin.» Der Weltmarkt im Kabinenbau sei zwar mit nur vier Herstellern überschaubar, aber der Preisdruck sei trotzdem hart. Hinzu sei der starke Franken gekommen. «Wir haben darunter massiv gelitten.» Dank Effizienzsteigerungen und Produktionsverbesserungen habe man aber eine Auslagerung verhindern können. «Wir glauben an den Standort Olten und werden weiterhin investieren. Um konkurrenzfähig bleiben zu können, gilt es, mit einem stabilen Personalbestand einen höheren Output zu erzielen.» CWA beschäftigt in Olten rund 125 Mitarbeitende.

Im laufenden Geschäftsjahr sei CWA gut unterwegs. «Wir sind bis Ende Jahr voll ausgelastet. Und für die kommenden ein bis zwei Jahre sind wir zuversichtlich», blickt Baumgartner nach vorne. Stolz ist er auf prestigeträchtige Auslieferungen in diesem Jahr im Schweizer Markt und zählt auf: Pendelbahn auf das Jakobshorn in Davos, Ersatz der Rotair-Gondeln auf den Titlis, eine Replika-Gondelbahn auf die Klewenalp und nächstes Jahr die Kabinen für die Pilatusbahn. Und eben: die 49 blauen Gondeln für die Weissensteinbahn.

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