Eine Band kämpft um Anschluss» – so war ein Beitrag zur Situation der Oberaargauer Brass Band (OBB) betitelt, erschienen in der Ausgabe «Schweiz am Sonntag» vom 28. September. Aufgeschreckt durch diesen Artikel wurde dann aber bekannt, dass die als aktuell geschilderte Lage bereits überholt ist.

Anlass für den Bericht hatte die Tatsache gegeben, dass die A-Formation der Oberaargauer Brass Band – das einzige Blasorchester der Höchstklasse des Schweizerischen Blasmusikwesens im Mittelland – in jüngster Vergangenheit bei Wettbewerben wiederholt auf den letzten Plätzen landete. «Was ist da los», fragte man sich. Haben denn die erneuerten Strukturen nichts gebracht, die sich die Band bzw. der Verein im Frühling 2012 gegeben hatte, um den Anschluss ins Mittelfeld zu schaffen?

Eine Massnahme war die Wiederbelebung einer B-Formation mit Hans Burkhalter (Zuchwil) als Dirigent. Dass deren Betrieb aber bereits wieder eingestellt wurde, war erst zu erfahren, als sich der Dirigent dieser Nachwuchsband aufgrund des Berichts meldete. «Wir gingen davon aus, dass wir mit der B-Band im kommenden November wieder am Schweizerischen Brass-Band-Wettbewerb in Montreux teilnehmen können, so wie das nach dem Galakonzert im April versprochen wurde.» Doch Anfang Mai erhielt Burkhalter per Mail die Nachricht, der Vorstand habe «schweren Herzens» beschlossen, die B-Band bis auf weiteres auf Eis zu legen. «Wir waren geschockt», berichtet Burkhalter. «Unbegreiflich war, dass uns niemand erklärt hat, was los ist.» Das hätte aber so nicht sein sollen, hält Richard Bobst (Langenthal) entgegen, der heutige OBB-Präsident. Dass die Kommunikation nicht funktioniert hat, erklärt er sich mit den markanten Rochaden, die der Vorstand der OBB im letzten Frühling – ein Jahr nach dem Neustart – zu verkraften hatte. Ausgetreten sind unter anderem der Präsident Hans-Jürg Käser, Regierungsrat des Kantons Bern, Manfred Obrecht, Mitbegründer und langjähriger Leiter der OBB, und Barbara Burri, Vertreterin der A-Band.

Um die Band am Leben zu erhalten, raufte sich der Rest des Vorstandes zusammen und setzte Richard Bobst als Präsidenten ein, vorher war er zuständig für Marketing und Kommunikation. Nun ist wieder ein kompletter Vorstand beisammen mit Cédric Fuhrer, Vizepräsident; Armin Bachmann, Dirigent; Christina Fuchs, Bandmanagerin; Birgit Schneeberger, Geschäftsstelle, Administration. Unterdessen ist die OBB auch bereits wieder aufgetreten am Worldbandfestival in Luzern.

Geschmerzt hat die Vereinsleitung, dass die Oberaargauer Brass Band – zumindest vorerst – nicht mehr das Orchester der Oberaargauer Weihnachtskonzerte (Rohrbach, Herzogenbuchsee) ist. Die Band prägte nämlich diesen sehr beliebten Anlass viele Jahre lang dermassen stark, dass man glaubte, es handle sich um einen eigenen Anlass der OBB. So wird nun die Flowers Brass Band aus England die 37. Auflage der Oberaargauer Weihnachtskonzerte bestreiten, diesmal in Rohrbach und St. Urban. Die Oberaargauer Brass Band will aber ihr treues Publikum nicht enttäuschen und hat deshalb eine Alternative geschaffen: Sie lädt am Samstag, 10. Januar 2015, in die Kirche Geissberg Langenthal zum Oberaargauer Neujahrskonzert ein, mit Andreas Kunz, Violine, sowie Rainer Walker, Orgel und Hackbrett.

Und was geschieht mit der Nachwuchsformation, der B-Band? Richard Bobst gibt sich diplomatisch: «Die ist, wie gesagt, vorerst auf Eis gelegt worden.» – Das ist doch immerhin etwas. Denn es gibt Zeichen dafür, dass sich im Raum Solothurn-Oberaargau durchaus eine attraktive Brass-Band-Szene entwickeln könnte. Hans Burkhalter hatte es geschafft, für die OBB innert weniger Monate eine B-Band auf die Beine zu stellen. Und dann gibts noch die Emotion-Brass, hervorgegangen aus dem Jugendmusiklager des Solothurner Blasmusikverbandes. Die Band erreichte beim Schweizerischen Brass-Band-Wettbewerb 2011 in Montreux den 2. Platz in der 3. Stärkeklasse und wird dort Ende November erneut antreten.