Azem Syla

Azem Syla lässt Angst verbreiten, um gewählt zu werden

Parlamentarier Azem Syla weist die Vorwürfe zurück.

Parlamentarier Azem Syla weist die Vorwürfe zurück.

Der Fall des kosovarischen Politikers Azem Syla, der im Kanton Solothurn zu Unrecht Sozialgelder bezogen haben soll, stösst auch in seinem Heimatland auf kritische Resonanz. Die Vorwürfe weist er zurück.

Seine Gegner wollten «nur den Heiligen Krieg beschmutzen», wehrte sich Azem Syla im kosovarischen Fernsehen. Mit Vorwürfen hat der mächtige Veteran Erfahrung. Dass er zu Unrecht über 400000 Franken an Sozialgelder bezogen hat, wie das Solothurner Verwaltungsgericht befand, gehört unter den vielen Anschuldigungen noch zu den eher Harmlosen. Es sei «schwer, mit allen diesen Verleumdungen zu leben», stöhnte der einstige Generalstabschef der Kosovo-Befreiungsarmee UCK.

Besonders hart getroffen hat den Kriegshelden seinerzeit der Vorwurf, er habe 40000 D-Mark unterschlagen, die für Waffenlieferungen an den grössten Märtyrer des «Heiligen Krieges» gedacht waren. Im letzten Wahlkampf beschuldigte ihn ein früherer Geheimdienst-Mitarbeiter, nach dem Krieg Morde an vermeintlichen Kollaborateuren in Auftrag gegeben zu haben.

Trotz Vorwürfen gewählt

Aber kein Anwurf konnte dem mächtigen Syla etwas anhaben. In der Regierungspartei PDK gehört der knapp 61-jährige zu den wenigen Politikern, die über eine eigene Hausmacht verfügen und so dem Regierungschef Hashim Thaci gefährlich werden können. Trotz der Mordvorwürfe und trotz Ermittlungen der europäischen Rechtsstaatlichkeitsmission der EU (Eulex) ging Syla im Dezember 2010 bei den Parlamentswahlen als einer der erstgereihten Politiker seiner Partei hervor.

Nicht Popularität ist das Geheimnis seines Erfolgs. Eher Angst: Syla verfügt über eine Veteranen-Seilschaft, die ihre Wahlempfehlungen in den Dörfern des Drenica-Gebirges, der Hochburg der Thaci-Partei, mit grossem Nachdruck ausspricht.

Grosses Echo in den Medien

In den Medien des Kosovo, vor allem in den seriösen Tageszeitungen «Koha ditore» (Die Zeit, täglich) und «Zeri» (Die Stimme), waren Sylas Schweizer Einkommensquellen eine Woche lang immer wieder Thema. Ausführlich wurde aus hiesigen Zeitungen zitiert. Kein Blatt vergass zu erwähnen, dass Syla in seinem Gastland «psychische Invalidität» genoss.

Kommentare allerdings sucht man vergebens. Für den geschulten Leser sprechen die Nachrichten aus der Schweiz indes für sich. In den Chaträumen sind es vor allem Auslandskosovaren, die ihrem Ärger über die «Schande für Kosovo» und den «Grossonkel des Landes» Luft machen. In der politischen Szene des Landes herrscht Schweigen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1