Subingen
Austauschschülerin aus China: «Ich konnte mich schnell einleben»

Die Austauschschülerin Tui Yu Chow aus Hongkong ist bei einer Familie in Subingen zu Gast und berichtet nun über die ersten Erfahrungen, welche sie in der Schweiz sammeln konnte.

Nadine Schmid
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Tui Yu Chow (Mitte) ist jetzt eine leidenschaftliche Jasserin. Hier spielt sie mit Gastmutter Katharina Schmid und deren Sohn Robin.

Tui Yu Chow (Mitte) ist jetzt eine leidenschaftliche Jasserin. Hier spielt sie mit Gastmutter Katharina Schmid und deren Sohn Robin.

Nadine Schmid

Im letzten August landete Tui Yu Chow aus Hongkong am Schweizer Flughafen und zog bei ihrer Gastfamilie, der Familie Schmid, in Subingen ein. Vater Markus, Automobilingenieur, Mutter Katharina, Pflegerin, Sohn Robin und die Töchter Marina und Carmen haben sie herzlich aufgenommen. Die drei Kinder sind bereits volljährig und Carmen von zu Hause ausgezogen.

Eine ganz neue Sprache lernen

Tui Yu hat eine grosse Herausforderung angepackt. In Hongkong, der ehemaligen britischen Kolonie, sind die offiziellen Sprachen Kantonesisch und Englisch. In der Schule lernt man beide Sprachen.

So konnte sich die 17-Jährige von Anfang an in der Schweiz verständigen, doch sie beherrschte kein Wort Deutsch. «Ich habe mehrere Deutschkurse besucht», erinnert sie sich an die intensive Anfangszeit zurück.

Einen Kulturschock habe sie nicht erlebt, lediglich das Klima hätte ihr einige Schwierigkeiten bereitet. «Ich habe mich darauf eingestellt, dass die Schweiz ein kleines Land ist», erklärt sie. «Hongkong ist westlich eingestellt», benennt sie einen möglichen Grund, weshalb es ihr so leicht gefallen sei, sich einzuleben.

Wenn Tui Yu deutsch spricht, dann mischen sich Schweizer Wörter unter die hochdeutschen; etwas, das die Austauschschülerin ein wenig ärgert. «Ich weiss nicht, welche Wörter Schweizerdeutsch sind und welche nicht», erzählt sie.

Sie entschied sich, Deutsch zu lernen, um eine neue Sprache zu beherrschen, und weil sie Deutsch für wichtig hält. In Hongkong ist man der Meinung, dass man in der Schweiz gleich spreche wie in Deutschland.

Was sie werden will, weiss die Chinesin noch nicht, doch sie möchte an einer Universität in Hongkong studieren. Dafür muss sie in ungefähr einem Jahr eine Prüfung ablegen. Dabei würden nur zwischen tausend und zweitausend der Besten zugelassen.

Von Jassen und Sport

Wenn man sie fragt, was sie in diesem Jahr alles gemacht habe, antwortet die junge Frau bescheiden: «Nicht so viel, andere Austauschschüler haben viel mehr unternommen.» Sie ging auf Reisen, auch über die Landesgrenzen hinaus.

Sie war in den grossen Schweizer Städten und an kleineren Orten. Mit der Austauschschülergruppe von der Austauschorganisation AFS, durch welche Tui Yu unterstützt wird, war sie in Poschiavo, wo sie für eine Woche bäuerliche und Forstarbeiten verrichtete.

Da ihre Gastfamilie gerne jasst, hat sie dieses Spiel gelernt und sich zu einer leidenschaftlichen Jasserin entwickelt. Sie hat sich das Skifahren angeeignet und in Aeschi das Volleyball-Spiel aufgenommen, die Sportart, der sie bereits in Hongkong nachging.

Was die Kantonsschule Solothurn angeht, so hat Tui Yu nicht so viel lernen können: «Ich konnte kaum profitieren, weil ich nicht so viel verstehen konnte. Die naturwissenschaftlichen Fächer ausser Mathematik sind in Hongkong Wahlfächer.

Da ich mich für eine andere Richtung entschieden habe, habe ich in den Naturwissenschaften kaum Kenntnisse.» Ungünstig sei zudem, dass sie in eine Italienischklasse eingeteilt worden sei. «Ich musste weder Italienisch noch Französisch besuchen und hatte dadurch viele Lücken im Stundenplan, die aber nicht ausreichten, um nach Hause zu gehen.»

«Man merkt, wie man tickt»

Nichtsdestotrotz hat ihr der Aufenthalt sehr gefallen. Auch die Gastfamilie hat eine gute Erfahrung gemacht. Da eine ihrer Töchter die Möglichkeit hatte, durch AFS einen Austausch zu unternehmen, wollte sie sich dankbar zeigen und eine Austauschschülerin bei sich aufnehmen.

Ausserdem ist die Familie kulturell interessiert. «Es war bereichernd. Man merkt auch, wie man selber tickt, da man viel mehr auf die eigenen Verhaltensweisen achtet», sagt Katharina Schmid.