Einen Buchstaben weglassen, und die neue Nutzung ist klar. Aus Arztpraxis wird Artpraxis. Das ist der Name der neuen Kunstgalerie in Biberist. Zehn Jahre waren die Räumlichkeiten der früheren Arztpraxis an der Hauptstrasse 29 ungenutzt.

Nun werden sie für ihre neue Nutzung vorbereitet. Am Werk sind Thomas Gantner und Alfred Maienfisch. Keine Unbekannten. Sie haben 2011 der alten Brennerei in Unterramsern neues Leben eingehaucht, indem sie dort jeweils einmal jährlich in den Sommermonaten eine Ausstellung durchführen.

«Mit der Artpraxis bespielen wir nun auch im Winter eine Galerie», berichten Thomas Gantner und Alfred Maienfisch. «In der alten Brennerei sind wir nur im Sommer aktiv, sonst ist es zu kalt. Damit wir auch im Winter etwas organisieren können, eröffnen wir die Artpraxis», erklärt Gantner. Es sei eine Art Experiment, junge und etablierte Künstler zusammenzubringen. Denn einerseits werden in der Artpraxis in einer dauernden Ausstellung Werke von bekannten Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt, die mit Gantner und Maienfisch zusammenarbeiten.

Andererseits ist geplant, drei, vier Mal eine Ausstellung mit jungen Künstlern durchzuführen. Dazu sind die Räumlichkeiten aufgeteilt. In einem Teil der Artpraxis läuft die permanente Ausstellung mit Werken von Till Augustin über HR Giger, Schang Hutter, Daniel Spoerri bis zu Oscar Wiggli. Ein ebenso grosser Teil steht für die wechselnde Ausstellung zur Verfügung. Hier starten am kommenden Sonntag (Vernissage 14–18 Uhr) die beiden Künstler Samuele Vesuvio und Barni Kiener. Der Galeriebetrieb läuft am Wochenende von Freitag bis Sonntag.

«In der Stadt ist sowieso schon viel los», begründet Gantner, der als Sommelier arbeitet, die Eröffnung einer Galerie in der Peripherie. «Ich weiss nicht, ob man in der Stadt ein solches Lokal, wie hier finden würde.» Alfred Maienfisch ergänzt: «Hier sind wir viel weniger eingeschränkt in Bezug auf die Räumlichkeiten wie in der Stadt.»

Dazu gehöre auch die spezielle Atmosphäre, die die frühere Arztpraxis versprühe. «Wir haben die Brünnlein stehen lassen und auch den Schalterkasten für den früheren Röntgenapparat», so Gantner. Bis aber die Räumlichkeiten am Sonntag bereitstehen, muss noch einiges gemalt, geputzt und verkleidet werden.

Nicht ewig Zähne flicken

Der Zuchwiler Zahnarzt Alfred Maienfisch ist so etwas wie der Patron der Galerie. «Ich sammle Kunst, seit ich den ersten Lohn habe.» Der 64-Jährige denkt bei seinen Aktivitäten in der Kunstszene bereits an die Zukunft. Er könne nicht ewig Zähne flicken. Danach will er etwas machen, das er schon immer machen wollte. Damit will er aber schon jetzt beginnen.

«Wenn ich erst beginne, wenn ich aufhöre, ist es dann zu spät.» Er schätze den Kontakt mit den Künstlern und organisiere gerne Ausstellungen. Finanziell müsse einiges investiert werden, damit an einen Galeriebetrieb gestartet werden kann. «Das Renovieren, das Einrichten, der Flyer, die Vernissage, Transporte: Wir haben schon ein Budget gemacht. Aber wir überschreiten es auch manchmal.» Wer dann für das Minus geradesteht, bleibt ungenannt. Aber man geht nicht fehl mit der Vermutung, dass ähnlich wie bei einem Fussballklub auch bei der Artpraxis der Patron ins Portemonnaie greift.

Galerie Artpraxis, Hauptstrasse 29, Biberist, Ausstellung Permanent und Ausstellung Samuele Vesuvio, Barni Kiener. Vernissage, So. 15. Dezember, 14–18 Uhr. Öffnungszeiten ab 15. Dezember: Fr, 17–21, Sa, 14–19 und So, 11–17 Uhr.