Bettlach
Aus der Aare gefischte Artilleriegranaten waren noch immer scharf

Die in der Aare gefundenen Granaten waren zwar alt, aber immer noch scharf. Sie stammen aus Deutschland. Wie sie aber in den Bettlerank gelangt sind, ist nicht bekannt. Die Armee rät zu grosser Vorsicht im Umgang mit solchen Funden.

Patric Schild
Merken
Drucken
Teilen
Das waren die harmloseren Funde: Taucher Markus Flury (links) und Rudolf Murer finden alte Autoreifen in der Aare.

Das waren die harmloseren Funde: Taucher Markus Flury (links) und Rudolf Murer finden alte Autoreifen in der Aare.

Hanspeter Bärtschi

Wie die beiden vor zehn Tagen gefundenen Artilleriegranaten in die Aare kamen, bleibt unklar. Sie sind beide älteren Datums. Die Schule wird Lehren aus dem Fund ziehen.

Vor rund einer Woche musste ein Team der Kampfmittelbeseitigung von Thun ausrücken, da in der Aare im Bettlacherrank während des Clean-Up-Days Armeegranaten gefunden wurden. Man kennt inzwischen den Typ, wie eine Anfrage beim VBS ergab. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene Granattypen, welche beide noch scharf waren. Die erste ist eine Mörsergranate, 75,8-mm-Sprenggranate und entstammt einem «Leichten Minenwerfer 75,8 mm».

Die zweite ist ein Projektil, 50-mm-Sprenggranate 38 und gehört zu einem «Kampfwagen Kanone 39». Ebenfalls geklärt wurde die Herkunft der beiden Geschosse. Sie kommen aus Deutschland. Das Projektil könnte aus dem 2. Weltkrieg stammen, während der Bau der Mörsergranate noch um einiges weiter zurückliegen dürfte.

«Die Mörsergranate ist ca. 80 Jahre alt, das Projektil ca. 70 Jahre alt, beide stammen aus Deutschland», erklärt Stefan Hofer, Chef Kommunikation Führungsstab der Schweizer Armee. Wie sie in den Bettlerank kamen, ist nicht bekannt.

Nie berühren

Wenn man Munition oder etwas, was wie Munition aussieht, findet, sollte man an besagter Stelle eine Markierung setzen und die Polizei alarmieren, rät die Armee. Auf keinen Fall dürfe man die Gegenstände berühren, denn der Zustand der Auslösemechanismen und der Explosivstoffe ist meist unbekannt. «Dabei spielt es keine Rolle, ob die Munition an Land oder Unterwasser gefunden wurde», erklärt Hofer.»

Das Kompetenzzentrum Kamir (Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung) verfügt über eine Tauchgruppe, welche speziell für die Kampfmittelbeseitigung unter Wasser ausgebildet ist.

Schlechte Sicht unter Wasser

Diese Regelung einzuhalten gestaltet sich jedoch unter Wasser schwierig, wo die Sicht getrübt ist. Und natürlich erst recht während einer Säuberungsaktion, wenn man das Wasser von Abfall reinigen will. So war dem Bettlacher Lehrer Markus Flury zunächst gar nicht klar, was er da aus dem Wasser gefischt hatte.

«Es ist wichtig, dass die Erwachsenen die Problematik mit Blindgängern oder illegal entsorgter Munition und das richtige Verhalten kennen und dies an die Kinder weitergeben», so Armeesprecher Hofer.

In der Regel findet sich Munition auf Schiessplätzen oder in Zielgebieten. Diese werden durch die Armee grundsätzlich gesäubert. Trotzdem könnten auch dort Munitionsreste verbleiben. Man kann sich jedoch nicht darauf verlassen, dass man nur an eindeutigen Standpunkten fündig wird, denn grundsätzlich könnte man überall auf Geschosse treffen.

«Munition kann auch ausserhalb solcher Orte gefunden werden, wenn sie zum Beispiel durch Privatpersonen auf diese Art entsorgt wurde», erklärt Hofer. Glück im Unglück hatten demnach die Bettlacher. Die Vernichtung der beiden Armeegranaten verlief reibungslos, nachdem sie in einem speziell dafür ausgelegten Anhänger abtransportiert worden sind.

Kinder sensibilisieren

Die Schule wird aus dem Vorfall Lehren ziehen, für künftige Clean-Up-Days, wie Didi Schoch, Schulleiter im Büelen, auf Anfrage sagt. «Bisher haben wir die Kinder auf eher konventionelle Gefahren hingewiesen, wie Glasscherben oder dass sie auf den Verkehr achtgeben», so Schoch.

Wenn ein weiterer Clean-Up-Day voraussichtlich in zwei Jahren stattfindet, werde man die Problematik von Waffen und Munition berücksichtigen. «Die Kinder sollten grundsätzlich kein Objekt berühren, von dem sie nicht wissen, was es ist.» (at.)