Brunnenthal
Auf der Suche nach Gemeinschaft

Die erste Sommerfilmnacht in Brunnenthal ging erfolgreich über die Bühne. Wegen des Regens wurde der Film «Zum Beispiel Suberg» aber unter dem schützenden Dach der Scheune des Zieglerhof gezeigt.

Agnes Portmann-Leupi
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Filmstill aus «Zum Beispiel Suberg»

Filmstill aus «Zum Beispiel Suberg»

youtube.com

Sommerfilmnacht: Ein verlockender Gedanke, unter freiem Himmel, zwischen Apfel- und Aprikosenbäumen des Zieglerhofs in Brunnenthal, im äussersten Zipfel des Kantons Solothurn, den Schweizer Dokumentarfilm «Zum Beispiel Suberg» zu geniessen.

Von wegen Sommerfilmnacht. Prasselnder Regen begleitete die Begrüssungsworte der Ideenverwirklichenden vom Verein Pro Buechibärg mit dem Präsidenten Beat Stähli und dem Besitzer des Zieglerhofs, Andre Ziegler. Doch die gut gelaunten 160 Besucherinnen und Besucher störte das nicht im Geringsten.

Sie sassen, gut verköstigt mit Gegrilltem und Süssem aus der Küche des Zieglerhofs, nun eben auf Stühlen und tribünenartig aufgeschichteten Strohballen in der Scheune. «Die Scheune passt gar nicht schlecht zu diesem Film», beschwichtigte der anwesende, preisgekrönte Filmemacher Simon Baumann.

Vom Bauerndorf zum Schlafdorf

Seit seiner Geburt vor 32 Jahren wohnt Simon Baumann in Suberg, das Dorf aber hat er bis anhin erfolgreich ignoriert. Begegnungsorte im 600-Seelen-Dorf sind mittlerweile verschwunden, wie Vereine, die Käserei, die Landi, die Post und die Dorfbeiz, die zum Gourmetrestaurant für Auswärtige wurde. Suberg hat sich in den letzten dreissig Jahren vom Bauerndorf zum Schlafdorf entwickelt.

Symbolisch im Film wirken dabei die Bahnschranke mit den durchrasenden Schnellzügen und die hinter hohen Hecken stehenden Häuser. Der Film bringt zum Ausdruck, wie sehr das Streben nach Wohlstand das Zusammengehörigkeitsgefühl zerstört und soziales Vereinsamen begünstigt. Jeder kann sich schliesslich alles leisten und hat den Nachbarn nicht mehr nötig.

Der Dokumentarfilm begleitet den Bauernsohn Simon Baumann auf der Kontakt- und Spurensuche zu den Dorfbewohnern und bei seinem Mitsingen im Männerchor.

Wie sieht es in Messen aus?

Die Besucherinnen und Besucher erlebten eine humorvolle Scheunenfilmnacht. Trotz berührendem Inhalt über das Zusammenleben, kam das Lachen nicht zu kurz. Der Film ist gespickt mit Humor und Situationskomik und fasziniert mit den spontanen, ungekünstelten Wortwechseln zwischen den Subergern. «Ich bin immer noch im Männerchor», bekundete Simon Baumann nach Filmende. «Der Film hat im Dorf viel ausgelöst», bemerkte Coautorin und Freundin Kathrin Gschwend. Viele hätten nun ihre Nachbarn wahrgenommen. «Wie steht Messen im Vergleich zu Suberg da?», wollte Simon Baumann wissen. Dafür erhielt er von den Besuchern keine konkrete Antwort. Spontan erschien dies auch nicht ganz einfach, aber zum Nachdenken anregen, vielleicht sogar Früchte tragen, dürfte der Film allemal.

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