Derendingen
Auf der Hauptstrasse ereigneten sich innert drei Jahren 47 Verkehrsunfälle

Vor kurzem gab es auf der Hauptstrasse in Derendingen einen Unfall mit einem Todesopfer, wie schon im Sommer 2012. Laut Gemeindepräsident Kuno Tschumi soll die Hauptstrasse bis 2019 umgestaltet werden.

Urs Byland
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Derendingen: Die Strasse wird auf 2,3 Kilometer ab Kreuzplatz verbreitert. Ziel ist unter anderem eine Langsamverkehrszone.

Derendingen: Die Strasse wird auf 2,3 Kilometer ab Kreuzplatz verbreitert. Ziel ist unter anderem eine Langsamverkehrszone.

Hanspeter Bärtschi

An einem Samstagmorgen im November wurde eine 86-jährige Fussgängerin vom Auto erfasst und schwer verletzt. Der Unfall geschah auf der Hauptstrasse in Derendingen. Vermutet wird, laut Polizeimeldung, dass die tief stehende Sonne den Autofahrer blendete.

Yves Staub, Chef Verkehrstechnik bei der Polizei Kanton Solothurn, weiss, dass in den letzten drei Jahren insgesamt 47 Verkehrsunfälle auf der Hauptstrasse in Derendingen polizeilich registriert wurden. «Dabei wurden bei 15 Ereignissen Personen leicht verletzt und bei drei Ereignissen schwer. Bei einem Unfall musste ein Todesopfer beklagt werden», so der Statistiker. Der registrierte Unfall mit Todesopfer geschah im Juli letzten Jahres als ein Linienbus und ein Fahrradfahrer zusammenprallten.

Ist die Hauptstrasse in Derendingen ein besonders unfallträchtiger Ort? Martin Probst, Postenchef der Kantonspolizei in Derendingen, verneint. «Wir haben auf der Hauptstrasse im Vergleich zu anderen Orten nicht mehr Unfälle.» Aber weil die Menge der Verkehrsteilnehmer beim Eingangstor zum Wasseramt grösser sei und in Derendingen viele Fussgänger unterwegs seien, komme es anzahlmässig zwangsläufig zu mehr Unfällen. «Die Hauptstrasse ist sehr stark frequentiert und es hat Mischverkehr. Wenn da jemand nicht konzentriert unterwegs ist, ist ein Unfall schnell geschehen.»

Schwerpunkt beim Kreuzplatz

Yves Staub kann nicht beurteilen, ob die Hauptstrasse in Derendingen besonders unfallträchtig ist. Er verweist auf den Sicherheitsbeauftragten beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau. Dieser wurde erst gerade provisorisch installiert (siehe Kasten). Deshalb weiss Daniel Wassmer, Abteilungsleiter Strassenbau und früher Bauverwalter in Derendingen, im Moment am besten Bescheid. «In Derendingen haben wir aufgrund der Unfallhäufigkeit mit Personenschäden den Unfallschwerpunkt Kreuzplatz identifiziert; netzweit betrachtet rangiert er an 6. Stelle.»

Strassen: sollen untersucht und sicherer werden

Im Rahmen von Via Sicura hat das eidgenössische Parlament unter anderem Infrastrukturmassnahmen verabschiedet und die Rahmenbedingungen für sichere Strassen neu im Strassenverkehrsgesetz (SGV) explizit verankert. Der entsprechende Artikel 6a SVG trat auf den 1. Januar 2013 in Kraft. Danach ist den Anliegen der Verkehrssicherheit bei Planung, Bau, Unterhalt und Betrieb von Strassen gebührend Rechnung zu tragen. Das Strassennetz muss auf Unfallschwerpunkte und Gefahrenstellen hin analysiert und - wo nötig - angemessen saniert werden, und es ist eine für den Verkehrssicherheitsbereich verantwortliche Ansprechstelle (Sicherheitsbeauftragter) zu bestimmen.
«Kantonsintern ist zum heutigen Zeitpunkt der künftige Aufwand für diese Aufgaben kaum abschätzbar», erklärt Daniel Wassmer. In Absprache mit dem Astra und den anderen Kantonen sind die Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines kantonalen Sicherheitsbeauftragten weiter zu konkretisieren. Bis Genaueres über den Aufwand bekannt ist, steht als Ansprechperson Markus Spring im Amt für Verkehr und Tiefbau als Sicherheitsbeauftragter a.i. zur Verfügung. (uby)

Der Kreuzplatz ist das nördliche Ende der Hauptstrasse. Bis zum südlichen Ende Richtung Kriegstetten zählt die Hauptstrasse etliche Fussgängerstreifen. Diese wurden vom Kanton im Rahmen einer Sicherheitsprüfung kontrolliert. «In ganz Derendingen sind für sieben Fussgängerstreifen Massnahmen notwendig», erklärt Wassmer. Einmal müsse die Beleuchtung verbessert werden, zweimal soll die überbreite Fahrbahn mit einer Mittelinsel versehen werden und viermal soll die Sichtweite verbessert werden oder der Streifen gleich aufgehoben werden.

Umgestaltung in der Pipeline

Gemeindepräsident Kuno Tschumi bekundet aber Mühe mit dem Aufheben von Fussgängerstreifen. «Es gibt viele Normen, die eingehalten werden müssen. Oft zu viele.» Er sagt resignierend: «Auf der Hauptstrasse wächst der Verkehr beinahe täglich.» Er sei häufig mit dem Hund oder dem Fahrrad unterwegs und stelle dies fest. Dass übermässig viele Unfälle auf der Hauptstrasse passieren, könne er aber nicht bestätigen. Die Hauptstrasse stehe im Fokus verschiedener Anstrengungen. «2017 bis 2019 soll sie umgestaltet werden.» Laut Daniel Wassmer werden zirka 12 Mio. Franken investiert. «Damit soll längerfristig auch die geforderte, massgebliche Verbesserung der Verkehrssicherheit erzielt werden.»

Aktuell wird laut Tschumi eine Idee à la Köniz diskutiert. Dabei soll ein zwei Meter breiter Mittelstreifen für die Sicherheit der Fussgänger dienen. «Die Strasse würde insgesamt breiter, deshalb fürchten Gewerbler um ihre Kundenparkplätze vor den Geschäften.» Es gelte nun zu diskutieren, was wichtiger ist. «Wir suchen gemeinsam mit dem Kanton einen Kompromiss.» Im Zusammenhang mit der Umgestaltung will der Kanton auch die verbleibenden fünf Massnahmen an Fussgängerstreifen realisieren, wie Daniel Wassmer ergänzt.

Runter mit der Geschwindigkeit

Eines der Hauptanliegen des Gemeindepräsidenten ist aktuell: «Die Geschwindigkeit muss runterkommen.» Entsprechende Massnahmen führt die Polizei laut Yves Staub an der Hauptstrasse in Derendingen laufend durch. Er erwähnt Geschwindigkeitskontrollen, allgemeine Verkehrskontrollen oder Präventionsaktionen wie Schulwegsicherung. Bauverwalter Roger Spichiger berichtet von der möglichen Einführung von Tempo 30. «Aber nicht auf der Hauptstrasse, sondern auf den Zufahrten zu dieser.»

Zwei Wochen nach dem Unfall Anfang November erscheint die Todesanzeige. Die Hinterbliebenen sprechen von einem tragischen Verkehrsunfall. Die Statistik der Unfälle auf der Hauptstrasse erfährt eine traurige Ergänzung. Am Tag der Publikation der Todesanzeige berichtet Gemeindepräsident Kuno Tschumi von einem weiteren Unfall auf der Hauptstrasse. «Es ist so schnell passiert.»