Die beiden Hobbyastronomen Mirco Saner und Peter Fischlewitz haben zwei Sonnen vor sich: Die eine ist 150 Millionen Kilometer entfernt und wird den Tag noch auf 27 Grad aufheizen; die andere liegt mit einem Durchmesser von 1,4 Metern auf einer kunstvoll verzierten Säule direkt vor ihnen. Saner ist Medienwissenschafter und Vorsitzender der Astronomischen Gesellschaft Solothurn (AGS), Fischlewitz pensionierter Chemiker und Mitglied des Astronomischen Vereins Basel.

Sie stehen neben dem Kurhaus auf dem Solothurner Hausberg Weissen-stein. Hier beginnt der Planetenweg, der rund zehn Kilometer entlang des Jurahöhenwegs zum Obergrenchenberg führt. Die Planeten sind in Grösse und Entfernung massstabsgetreu, zur Kurhaus-Sonne angebracht: Ein Millimeter zu Fuss entspricht 1000 Kilometer im Weltall.

Liebevoll verzierte Tontafeln

Die vier inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars stehen deshalb noch in unmittelbarer Nähe. Die Miniatur sei für Laien «die einzige Möglichkeit, sich einigermassen die Dimensionen vorzustellen.» Fischlewitz sieht im Planetenweg eine «Brücke zwischen Mathematik und fehlender Vorstellungskraft». Der Basler bemüht zur Veranschaulichung gerne das Joggeli: Wäre die murmelgrosse Sonne der Anstosspunkt, zöge der Neptun seine Kreise über die Torlinien, Pluto flöge durch die Zuschauerränge; und der nächste Stern Proxima Centauri läge in Paris.

1978 wurde der Planetenweg von Fritz Wohlgemuth entworfen und vom Verein Pro Weissenstein installiert. Seither blieb er offensichtlich grösstenteils sich selbst überlassen: Die Infotafeln sind abgeblättert, die Glasscheiben mit den Planeten milchig und blind. Das ist sehr schade: Die Tontafeln, an denen die Planeten befestigt sind, sind liebevoll verziert; die Angaben zu Grösse, Entfernung, Rotation und Temperatur sind in Handschrift in den Ton geritzt.Saner, der erst vor wenigen Monaten sein Präsidentenamt übernahm, ist schon jetzt entschlossen, dem an Material und Wissensstand in die Jahre gekommenen Planetenweg neues Leben einzuhauchen. Er könnte sich geführte Touren für astronomische Laien vorstellen oder nächtliche Beobachtungen eines Planeten durchs Teleskop mit Treffpunkt an dessen Miniaturmodell. Ein «Planeten»-Weg sei allerdings nicht mehr aktuell: Ein modernes Modell des Sonnensystems müsste auch alle anderen Objekte beinhalten: Asteroiden, Zwergplaneten und Kometen. «Hier könnte man zum Beispiel mit Steinen den Asteroidengürtel darstellen», meint er auf halber Strecke zwischen Mars und Jupiter auf der Fahrstrasse Richtung Hinter Weissenstein.

Überall bleibt die «Sonne» sichtbar

Im angeregten Gespräch verpassen die beiden Astronomen den Jupiter: Der grösste Planet des Sonnensystems sollte eigentlich nicht zu übersehen sein; aber er ist vier Meter abseits des Weges im Wald versteckt. Beim Saturn hingegen bietet sich erstmals ein Blick auf das Aaretal und das Mittelland bis zum Horizont. Beim Uranus, knapp 2 Kilometer später, geht der Jurahöhenweg in einen Pfad über, der kurz aber steil ansteigt. Gut drei Kilometer später landen die zwei Wanderer beim Neptun und beim Althüsli. Vom achten Planeten hat man einen letzten Blick auf den Weissenstein und das Kurhaus. Spätestens hier wird deutlich, wie aufwendig der Planetenweg geplant wurde: Nicht nur die Entfernungen der Planeten müssen stimmen, von allen sieht man auch die «Sonne» - eine Besonderheit des Weissensteiner Wegs.

«Wer will, kann jetzt den Planetenweg beenden», meint Saner scherzhaft: Der kleine Pluto, die letzte Station nach weiteren 1,5 Kilometern, zählt seit 2006 nicht mehr zu den Planeten. Doch der Aufstieg zur Stallflue lohnt sich: Der grandiose Ausblick über das Aaretal reicht jetzt bei guter Sicht bis zu den Alpen. Und im Westen sieht man vom Pluto aus sogar den Bieler See - aus fünf Milliarden Kilometer Entfernung.

Das ist der fünfte Teil einer Sommerserie. Bisher erschienen sind Berichte über das Fischergut Rheinsulz (25.7.), Todtnau im Südschwarzwald (21.7.), die Barockstadt Solothurn (14.7.) und eine Schifffahrt von Basel nach Rheinfelden (7.7.).