Selzach
Auf dem Berghof Schauenburg kommts zum Stabwechsel

Ferdinand Späti trennt sich von seinem Hof mit Gastwirtschaft und übergibt an Kerstin und Mario Gerber. Damit endet auf der Schauenburg eine Ära. Die Familie Späti besass das Anwesen seit 1945. Die Neuen sind mit dem Bergleben gut vertraut.

Urs Byland
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Berghof mit Gastwirtschaft Schauenburg
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Die Schauenburg von Osten
Die Schauenburg von Westen
Der Berghof Schauenburg unterhalb der Hasenmatt
Besitzerwechsel auf der Schauenburg in Selzach
Rolf Späti (links) verkaufte den Berghof Schauenburg an Kerstin und Mario Gerber
Skilift neben der Schauenburg
Ferdinand Späti (links) verkaufte den Berghof Schauenburg an Kerstin und Mario Gerber. Im Hintergrund die Hasenmatt.uby

Berghof mit Gastwirtschaft Schauenburg

Urs Byland

Auf der Schauenburg endet eine Ära. Für die Ära verantwortlich war die Familie Späti, die den Berghof mit Gastwirtschaft seit 1945 besass. Dass es endet, bedauert der heutige Besitzer Ferdinand Späti sehr. «Fünf Jahre habe ich mit mir gerungen und darüber nachgedacht, wie es weitergehen könnte.» Nun sei er so weit, dass er loslassen könne. «Natürlich werden am letzten Tag die Gefühle nochmals hochkommen.» Dieser letzte Tag kommt schnell. Schon Ende August wird die Übergabe über die Bühne gehen.

Keines seiner drei Kinder wollte den Betrieb übernehmen, berichtet der heute alleinstehende, 59-jährige Ferdinand Späti. Er sei deswegen den Kindern sicher nicht böse, aber es betrübe ihn sehr, den Familienbesitz hergeben zu müssen, der 1735 erbaut wurde. Auf der Schauenburg ist er geboren worden und mit seinen vier Schwestern aufgewachsen. «Als Junge musste ich immer vorangehen. Kein einfaches Unterfangen.» Acht Jahre besuchte er die Schule in Lommiswil. Obwohl es für seinen gleichnamigen Vater klar war, dass sein Sohn dereinst die Schauenburg übernehmen sollte, setzte sich der junge Ferdinand durch und ging 1970 in der Vorstadt in Solothurn in die Metzgerlehre. Eigentlich hätte er auch noch Koch lernen wollen. Dies lag nicht drin, wurde aber von ihm im Militär nachgeholt, wo er Küchenchef wurde und auch länger diente.

Sechs Jahre arbeitete er als Metzger. Das Daheim war dabei immer die Schauenburg, wo er auch mithalf. Bald heiratete er und musste mit dem kargen Verdienst auf dem Elternhof und Nebenjobs im Tal den Unterhalt für seine Familie mit drei Kindern bestreiten. 1985 war es so weit. Er übernahm die Schauenburg in Pacht, drei Jahre später in Besitz. Damals hatte sein Vater, der 1993 starb, das achte Lebensjahrzehnt bereits überschritten. Neben den eigenen Kindern erzogen die Spätis die beiden Kinder einer früh verstorbenen Schwester.

«Ich habe immer gesagt, ich werde nie ins Tal wohnen gehen, sondern auf einen Hoger.» Das ist nun Makulatur. «Die Liebe wollte es anders.» Späti wird in die Nähe seiner Freundin umziehen. Grosse Pläne für die Zukunft hat er nicht. «Man wird mich vielleicht mal auf der Schauenburg aushelfen sehen.» Sicher will der begeisterte Skifahrer mit einem pensionierten Kollegen versuchen, den Skilift neben der Schauenburg wieder flott zu kriegen und im Winter bei genügend Schnee in Betrieb nehmen.

Kaufen werden die Schauenburg Kerstin und Mario Gerber. «Ich komme von der Tannmatt, Herbetswil», sagt Mario Gerber (1985). Auch er ist also ein Berghofkind. Seine Frau stammt aus Luterbach. Einen Hof im Tal könne er sich als Jungbauer kaum leisten. Vor zwei Jahren bewarb er sich gemeinsam mit Kerstin für den Berghof Wengi in Matzendorf, der von seinem Götti Fritz Gerber 37 Jahre lang geführt wurde. «Es hat nicht sein sollen.» Zwischenzeitlich übernahm er die Betriebsleitung eines grösseren Bauernbetriebes in Günsberg. «Eine sichere Stelle», die er nun aufgeben wird. Nun ist es ein Milchwirtschaftsbetrieb mit zwölf Kühen, vier Rinder und etwas Mastkalb sowie drei Schweinen, den er in eigener Regie führen darf. Zusätzlich der Gastwirtschaftsbetrieb, der wie bis anhin die ganze Woche mit Ausnahme des Donnerstages offen sein soll. Über seinen Chef habe er von den Verkaufsabsichten Spätis gehört und den Betrieb einige Male besucht.

«Kerstin hilft mir draussen und ich helfe ihr drinnen. Wir ergänzen uns.» Er habe natürlich viel Erfahrungen auf dem heimatlichen Betrieb sammeln können, sei es in der Küche oder im Service. Mithelfen will auch Kerstins Mutter. Aktuell wird aber die Übergabe gefeiert, auch wenn diese für Ferdinand Späti mit einem Abschied verbunden ist. Am 31. August findet die Austrinkete statt, und am 1. September die Neueröffnung. Danach wird Ferdinand Späti umziehen. «Ich werde sicher den ganzen September damit verbringen, meinen Haushalt zu ordnen und ins Tal zu verfrachten.»