Lohn-Ammannsegg
Auch Bundesräte machten schon im Restaurant «Neuhüsli» halt

Für das Restaurant «Neuhüsli» in Lohn-Ammannsegg wird ein neuer Pächter gesucht. Deshalb ist es zurzeit geschlossen. Ein Rückblick zeigt: Die Beiz hat eine reiche Geschichte.

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Fuhrwerks- und Wirtschaftshalt 1934 bei Gottfried Neuenschwander.

Fuhrwerks- und Wirtschaftshalt 1934 bei Gottfried Neuenschwander.

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Mit der Eröffnung der neuen Solothurn–Bern–Strasse beginnt 1833 die Geschichte des «Neuhüsli» in Lohn-Ammannsegg. Weil mit der neuen Strassenführung die günstige Lage des Restaurants Sternen im Dorfzentrum Lohns verloren ging, wollte Johann Furrer als Ersatz an der neuen Strasse ein Gasthaus bauen. Als Wirtshausschild schlug er «Weisses Kreuz im roten Schild» vor. Dasselbe Schild wurde bis 1762 für den «Sternen» im Dorfzentrum verwendet, der letztes Jahr als Wirtshaus geschlossen wurde.

Zuerst «Kreuz», dann «Neuhüsli»

Die Baubewilligung wurde erteilt. Aber: Der Gemeinderat lehnte ein zusätzliches Restaurant ab, weil der damalige «Sternen» weiterbetrieben wurde. Später wurde dann die entsprechende Wirte-Bewilligung von den Behörden doch noch erteilt. Ursprünglich war der 1835 erbaute Gasthof unter dem Namen «Kreuz» bekannt. Erst mit der Zeit setzte sich der Name «Neuhüsli» durch. 1844 ging der Betrieb von Furrer an den Schwiegersohn Johann Joseph Strausak, dem damaligen «Sternen»-Wirt über. Im Dorf war dieser als «rych Strausak» und Grossgrundbesitzer bekannt. 1889 erhielt der Pächter, Hermann Kaufmann aus Biberist, ein Wirtepatent für das «Neuhüsli». Nach dem Tode des kinderlos verstorbenen Strausak kaufte er 1903 das Restaurant von den Erben.

Die elektrische Bahn

Der neue Standort des Bahnhofes Lohn-Lüterkofen der «Elektrischen Solothurn-Bern-Bahn» (ESB) wertete 1916 die Lage des Restaurants Neuhüsli zusätzlich auf. 1923 brannte das Restaurant vollständig nieder. Es wurde daraufhin 1924 von Kaufmann wieder aufgebaut. Diesmal aber ohne den grossen Saal im Dachgeschoss. 1934 begann die Ära Neuenschwander. Der Kondukteur Gottfried Neuenschwander aus Solothurn kaufte das Gasthaus. Mit seiner Frau wirtete er bis 1963. Daneben führte er einen Holzhandel. Nach seinem Tode wurde der Betrieb mit Scheune 1976 durch die Erben aufgeteilt. Das Restaurant übernahmen Fredy Neuenschwander und seine Frau Mathilde. Sie wirteten 39 Jahre lang auf dem «Neuhüsli», Hans Neuenschwander übernahm den angebauten Ökonomieteil. Nach dem Tod von Fredy Neuenschwander übernahm Godi Neuenschwander das Restaurant als Eigentümer in dritter Generation.

Das Restaurant ist seit dem 1. Oktober infolge Auflösung des Vertrages mit dem bisherigen Pächter geschlossen. Vor drei Jahren hatte Dorli Biberstein mit Sohn Philippe Boillat und Jürg Christen die Pacht übernommen. Godi Neuenschwander beabsichtigt, das Restaurant so rasch als möglich unter neuer Leitung wieder zu eröffnen.

Von Bundesbern ins «Neuhüsli»

Wenn neu gewählte Solothurner Bundesräte sowie Solothurner National- oder Ständeratspräsidenten von Bern herkommend, als erste Station auf Solothurner Boden auf der Bahnstation Lohn-Lüterkofen begrüsst wurden, war vor oder im Restaurant «Neuhüsli» immer besonders viel los. Letztmals fand ein solcher Empfang im Jahre 1983 für Bundesrat Otto Stich statt.

Nachdem die Restaurants Zur frohen Aussicht, Zur Post, der Sternen im Ortsteil Lohn geschlossen wurden, ist das «Neuhüsli» neben dem Restaurant Sternen-Fischerstube und dem Road Stop noch ein letzter Treffpunkt für Lastwagenfahrer, Gewerbetreibende, Arbeiter und Vereine. (SLL)